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Developmental Eye Tracking Study (DevTrack)

Ein Maedchen sitzt vor dem Eyetracker | A girl in front of an eye tracker
© MPIB

Lesen ist mehr als das Dekodieren von einzelnen Wörtern. In der Developmental Eye Tracking Study zielen wir darauf ab, einen tieferen Einblick in die Leseprozesse im Kindesalter zu gewinnen. Hierzu werden die Blickbewegungen von Grundschülerinnen und –schülern beim Lesen von kontinuierlichen Texten über die zweite bis vierte Klasse untersucht.

Der Prozess des Lesens von kontinuierlichen Texten besteht aus dem Dekodieren von Wörtern, dem Abrufen von deren Bedeutung und der Generierung von Inferenzen, die Wörter, Phrasen und Sätze miteinander verbinden. Die Blickbewegungen eines Erwachsenen beim Lesen bestehen gewöhnlich aus einer Reihe von Sprüngen (Sakkaden) von 7 bis 9 Zeichen und kurzen Pausen (Fixationen) von 200 bis 250 Millisekunden. Informationen werden nur während der Fixationen verarbeitet. Die Eigenschaften von Blickbewegungen unterliegen auch dem Einfluss von entwicklungsbedingten Faktoren. Beispielsweise hängt die Effizienz der Blickbewegung beim Lesen stark mit der Lesekompetenz des Lesers zusammen. Kompetente Leser zeigen in der Regel längere Sakkaden, wobei einzelne Wörter ganz übersprungen werden können, und fixieren Wörter für kürzere Zeit. Kinder zeigen kürzere Sakkaden und refixieren das gleiche Wort mehrmals, bevor sie zum nächsten springen. Im Kontrast zu erwachsenen Lesern überspringen Kinder nur sehr selten Wörter und springen öfter zurück zu vorherigen Textpassagen (Regressionen), was auf das wiederholte Lesen von nicht verstandenen Textstellen hinweist.

Zwei Mechanismen treiben die Effizienz und Entwicklung von Blickbewegungen beim Lesen an. Foveale Leseprozesse sind involviert, wenn ein Wort direkt fixiert wird. Parafoveale Prozesse sind dann relevant, wenn Information über Buchstaben und Wörter zur rechten Seite der Fovea entnommen werden sollen. DevTrack befasst sich mit der Entwicklung von fovealen und parafovealen Leseprozessen und setzt spezifisch zu diesem Zweck entwickelte Eyetracking-Paradigmen ein. Wir begleiten etwa 100 Kinder von der 2. bis zur 4. Klasse in ihrer Entwicklung und können so entwicklungsbedingte Veränderungen in deren Blickbewegungen beschreiben. Gleichzeitig erfassen wir den Zusammenhang von Blickbewegungen beim Lesen mit anderen Variablen wie der lexikalischen Verarbeitung, der phonologischen Aufmerksamkeit und der okularmotorischen Kontrolle. Außerdem interessiert uns, wie Leseverhalten und Leseverständnis bei Kindern zusammenhängen. Dazu stellen wir den Kindern Verständnisfragen nach dem Lesen, um diesen Zusammenhang besser erklären zu können.

Das DevTrack-Projekt befindet sich im dritten Jahr, das heißt die teilnehmen Kinder sind derzeit in der vierten Klasse. Die Erhebungen für den dritten Messzeitpunkt sollen bis zum Sommer 2016 abgeschlossen werden.

Kontakt

Bei Fragen oder Anregungen zu DevTrack wenden Sie sich bitte an

Sarah Eilers
eilers [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de