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Emotionen in frühsowjetischen Gerichtssälen

Dieses Projekt erforscht die Rolle der Emotionen in den Rechtsauffassungen und –praktiken der frühen russischen Sowjetrepublik. Ein besonderer Fokus liegt auf der Periode der "Revolutionären Gerechtigkeit" (1917-1922), in der es kein Strafgesetzbuch gab und Richter angehalten wurden, sich von ihrem revolutionären Gerechtigkeitsgefühl leiten zu lassen. Radikale Veränderungen in der Rechtstheorie schlugen sich unmittelbar in der Rechtspraxis nieder, was es auch erlaubt, über Emotionen als Verteidigungs- oder Erklärungsinstrumente nachzudenken.

Die Rolle von Emotionen in der Rechtspflege ist ein wichtiges Thema in der Literatur über Recht und Emotionen und trotzdem vom historischen Standpunkt aus noch relativ unerforscht. Das Projekt betrachtet die frühe russische Sowjetrepublik als alternative Moderne, die einen guten Ausgangspunkt für die Geschichte der Gefühle bietet, da Russland zwischen dem Osten und dem Westen lokalisiert ist und einen eigenen imperialen und kolonialen Kontext besitzt. Mit Fokus auf die relativ kurze revolutionäre Phase (im Gegensatz zur longue durée-Forschung) wird die These entwickelt, dass sowohl das Recht als auch die Emotionen raschen Veränderungen unterworfen sind, aber auch dazu neigen, sich gegenseitig in vielfältiger Art und Weise zu beeinflussen.

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