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Dargebotener Patriotismus: Kriegslieder und Emotionale Gemeinschaften im zeitgenössischen Japan

Abbildung einer japanischen Postkarte mit Kriegslied „hinomaru kōshinkyoku“
© Makoto Harris Takao

Was bedeutet es im 21. Jahrhundert  japanisch zu fühlen und zu klingen? Das Projekt versucht diese Frage zu beantworten, in dem es Japans problematische Beziehung zum Patriotismus anhand der Darbietung von Kriegsliedern untersucht. Diese als gunka bezeichneten Lieder nehmen in der Erinnerung an und dem Vergessen von Japans militärischer Vergangenheit und ihrem Einfluss auf den Asien-Pazifik-Raum einen umstrittenen Platz ein. Gerade durch die bevorstehenden olympischen Spiele 2020, ist Musik in Japan erneut zu einem Thema in der öffentlichen Debatte über die Haltung zu Nationalstolz und die Grenzen des künstlerischen Ausdrucks geworden. Dieses Projekt nähert sich mit ethnograpschen Methoden drei Kategorien der Schnittstellen von Musik und Emotion: dem emotionalem Charakter von Musik, der emotionalen Beeinflussung durch Musik und der emotionalen Kommunikation durch Musik. Wie formt diese musikalische Tradition als emotionale Praktik die Konzeptionen des Selbst bei den Praktizierenden und wie interagieren letztere mit anderen auf persönlicher, kommunaler und nationaler Ebene? Forschung bei Kriegslieder-Vereinigungen, in Karaoke Bars und in online-Communities in Fukuoka, Kobe und im Großraum Tokio soll diese Fragen beantworten. Durch einen emischen Zugang zu Patriotismus im japanischen Kontext soll besser verstanden werden, wie das gunka-Genre sich mit der Zeit verändert hat, und auf welche Weise Menschen sich entscheiden, ihre eigenen Geschichten durch musikalische Praktiken in der Gegenwart zu konstruieren.