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Die Neue Frau und Moralpolitik: Eine "Herstory" der Gefühle und Handlungsmacht von Frauen in der Türkei

Das Forschungsprojekt untersucht die geschlechtsspezifischen Muster von Scham und die Veränderung von Körperpolitik in der heutigen Türkei. Ausgehend von Erkenntnissen der Bourdieu'schen Soziologie, symbolischen Interaktionismus, Queer Studies und feministischer Phänomenologie nehme ich an, dass die Körperpolitik in der Türkei einem tiefgreifenden und folgenschweren Wandel unterworfen ist und mit diesem eine Erosion des Scham-Ehre Paradigmas - einem Disziplinarmechanismus, der lange Zeit die affektiven Fähigkeiten und die Körperlichkeit von Frauen regulierte - einhergeht. Das Konstrukt weiblicher Ergebenheit, dem die Veränderungen des Scham-Ehre-Paradigmas folgten, ist nicht mehr länger das moralische Firmament, das die Geschlechterhierarchien in der Türkei stützt und es macht neuen Modi des weiblichen Selbstverständnisses und der Beziehungen von Frauen zu ihrer Umwelt Platz. Basierend auf ethnografischer Forschung über arbeitende Frauen im städtischen Raum in der Türkei und durch ethnografische und Tiefeninterviews zeige ich, dass Frauen neue affektive Fähigkeiten und neue Wege der Interaktion erworben haben, die ihre innere Haltung und ihr Auftreten sehr veränderten. Zwei wichtige Veränderungen während der umfassenden Umstrukturierung des Staates trugen dazu bei: der expandierende Dienstleistungssektor und die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter Anfang der 2000er Jahre. In meiner Forschung untersuche ich auch, wie die AKP-Regierung eine bestimmte Geschlechterpolitik propagiert und damit eine Gegenreaktion auf  Veränderungen in der Geschlechterdynamik in der Türkei erzeugt.

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