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Die Macht der Gefühle: Politische Kommunikation zwischen oben und unten

Moderne Gesellschaften kennen starke emotionale Bindungen zwischen Bürgern und ihren politischen Repräsentanten.
Vor allem Staatsoberhäupter stehen in hoher Gunst und erhalten täglich zahlreiche Briefe (heute auch E-Mails), in denen "ganz normale" Menschen ihr Herz ausschütten. Dazu laden sie selber ein, wenn sie sich als väterliche (seltener: mütterliche) Figuren empfehlen, die den Sorgen und Nöten der Bürgerinnen und Bürger ein geneigtes Ohr leihen.

Das Projekt untersucht diese Art von "Gefühlspolitik" im Rückgriff auf, aber auch im Unterschied zu frühneuzeitlichen Praktiken der Regierung und Herrschaft. Es fragt nach ihren Funktionen für die Stabilisierung und Legitimation politischer Macht, und es verfolgt ihre Entwicklung in verschiedenen Staatsverfassungen (monarchisch/republikanisch, demokratisch/totalitär). Indem es sich auf Gefühle wie Liebe, Treue und Vertrauen bzw. Misstrauen konzentriert, vermisst es die emotionale Topografie politischer Kommunikation sowohl aus der Perspektive derjenigen, die die Macht haben, als auch jener, die mit dieser Macht verhandeln.

Schriftliche Quellen sind dabei Schreiben, die Bürger und Bürgerinnen an ihre Staatsoberhäupter gerichtet haben, sowie deren offizielle Ansprachen und Reden. Aber auch die emotionale Macht der Symbole und Bilder, wie sie in monarchischen Devotionalien, in vaterländischen Gesängen und Gedichten, auf Festen anlässlich von Kaisergeburtstagen, in Parteitagschoreografien oder auf Plakaten demokratischer Kandidaten zum Ausdruck kommt, zeugt vom intensiven, reziproken Verhältnis zwischen oben und unten.

Einmarsch in Eger
© Bundesarchiv

Illustration: Beim Einmarsch deutscher Truppen in Eger (1938)

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