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Die Integration von Sudetendeutschen in Deutschland nach 1945: Inklusion, Exklusion und Emotionale Gemeinschaften

1945 verloren über 12 Millionen Deutsche in zentral- und osteuropäischen  Ländern ihre Heimaten. Zu denen, die in den letzten Kriegsmonaten flohen, um ihr Leben zu retten, kamen in den Nachkriegsjahren diejenigen hinzu, die – häufig gewaltvoll – aus von ehemals von Deutschland besetzten Gebieten vertrieben wurden. Obwohl rechtlich "gleichgestellt" und zur selben Nation gehörig, sahen sich die Neuankömmlinge mit Ignoranz, Verachtung, Rassismus und Abwertung durch die ansässige Bevölkerung konfrontiert. Anfangs waren sie weder willkommen geheißen, noch wurden sie in die emotionale Gemeinschaft der aufnehmenden Gesellschaft einbezogen. Die parallele Existenz von emotionalen Gemeinschaften, in denen sich die Vertriebenen versammelten, wurde gestärkt durch die Tatsache, dass viele ihrer Mitglieder ihren Aufenthalt in Deutschland nur als temporär ansahen und nur auf den richtigen Moment warteten, wieder in ihre frühere Heimat zurückzukehren.  Für viele Jahrzehnte führte dieser Selbstauschluss dazu, dass ein Teil der Vertriebenen in Westdeutschland als politische Gruppe agierte, um ihre materiellen Ansprüche und ihre Identität, die sie mit ihren Herkunftsgebieten verknüpften, zu schützen. Das Projekt will die Entstehung von langjährigen emotionalen Gemeinschaften von Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei und ihre Interaktion mit der lokalen Bevölkerung untersuchen und wird dabei auf Archivdokumente, Zeitungen, literarische Zeugnisse, Biografien und Interviews als Quellen zurückgreifen.

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