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Von Videospielen und dem Gehirn

Wie Videospielen das Gehirn veraendern kann | How video gaming can affect brain
© MPIB

Früheres Projekt am MPIB

Videospiele werden immer populärer und finden ihr Publikum zunehmend in allen Altersgruppen sowie in verschiedenen Kulturen. Heutzutage spielen Menschen weltweit 3 Milliarden Stunden Videospiele pro Woche (Zimbardo & Duncan, 2012). Gerade die intensive Nutzung dieses Mediums sollte Effekte haben auf die Struktur und Funktion des Gehirns. Diese Effekte untersuchen wir im Rahmen unseres Projektes.

Bei erwachsenen Männern haben wir einen positiven Zusammenhang gefunden zwischen Videospielstunden über die Lebenszeit und grauer Substanz im entorhinalen Kortex, einer Gehirnregion, die bei der Orientierung in unserer Umgebung eine große Rolle spielt (Kühn & Gallinat, 2014).

Aus dieser Studie kann man allerdings noch nicht schließen, ob die strukturellen Effekte schon vor dem Videospielen bestanden oder durch das Videospielen ausgelöst wurden.

Um diesen kausalen Zusammenhang zu untersuchen, haben wir eine Trainingsstudie durchgeführt, in der Erwachsene für 8 Wochen 30 Minuten am Tag Super Mario 64 gespielt haben. Wir konnten zeigen, dass die graue Substanz im rechten Hippokampus, im dorsolateralen präfrontalen Kortex und im Kleinhirn in der Trainingsgruppe größer wird im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nicht trainiert wurde (Kühn, Gleich, Lorenz, Lindenberger, & Gallinat, 2014).

Neuronale Plastizität

Gehirnaktivitaet | Brain activity | Projekt im Forschungsbereich Entwicklungspsy
© MPI fuer Bildungsforschung

Dennoch sei darauf hingewiesen, dass der Begriff des "Videospiels" eine Menge verschiedener Dinge umfasst. Es gibt Millionen verschiedener Spiele, in verschiedenen Genres. Kurz gesagt, wenn jemand wissen möchte, wie die Effekte von Videospielen aussehen, könnte der Teufel im Detail stecken. Daher wollen wir die Effekte verschiedener Spielgenres weiter untersuchen und die Mechanismen verstehen, die Menschen aller Altersgruppen so stark motivieren beim Videospielen.

Team

Simone Kühn, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (seit 2016)

Oisin Butler (bis 2018 Doktorand)

Kollaborationspartner

Jürgen Gallinat, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Robert Lorenz, Charité
Tobias Gleich, Charité

Publikationsauswahl

Gleich, T., Lorenz, R. C., Gallinat, J., & Kühn, S. (2017). Functional changes in the reward circuit in response to gaming-related cues after training with a commercial video game. NeuroImage, 152, 467–475. doi: 10.1016/ j.neuroimage.2017.03.032

Gleich, T., Lorenz, R. C., Pöhland, L., Raufelder, D., Deserno, L., ... Kühn, S., Gallinat, J. (2015). Frontal glutamate and reward processing in adolescence and adulthood. Brain Structure and Function, 220, 3087–3099. doi: 10.1007/s00429-014-0844-3

Kühn, S., & Gallinat, J. (2014). Amount of lifetime video gaming is positively associated with entorhinal, hippocampal and occipital volume. Molecular Psychiatry, 19, 842–847. doi: 10.1038/ mp.2013.100

Kühn, S., & Gallinat, J. (2015). Brains online: Structural and functional correlates of habitual Internet use. Addiction Biology, 20, 415–422. doi: 10.1111/adb. 12128

Kühn, S., Gleich, T., Lorenz, R., Lindenberger, U., & Gallinat, J. (2014). Playing Super Mario induces structural brain plasticity: Gray matter changes resulting from training with a commercial video game. Molecular Psychiatry, 19, 265–271. doi: 10.1038/ mp.2013.120

Lorenz, R. C., Gleich, T., Gallinat, J., & Kühn, S. (2015). Video game training and the reward system. Frontiers in Human Neuroscience, 9: 40. doi: 10.3389/fnhum. 2015.00040