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Transnationale Netzwerke des Anti-Imperialismus: Mexico City in den langen 1920er Jahren

Der Kampf gegen eine imperialistische Weltordnung brachte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verschiedenste gesellschaftliche Gruppen miteinander in Kontakt. In vielen Teilen Lateinamerikas trafen sich unter dem Banner des Anti-Imperialismus  Intellektuelle, politische AktivistInnen und KünstlerInnen. Bald bildeten sich aus diesen Kontakten eigene Organisationen, Medien und informelle Netzwerke heraus, die an der Konstruktion eines dezidiert anti-imperialistischen Diskurses beteiligt waren. Die Verwerfungen des Ersten Weltkrieges, der Russischen Revolution und der Mexikanischen Revolution hatten in Lateinamerika weitreichende Folgen, indem sie tradierte Erzählungen und Argumentationsmuster in Frage stellten. Unter anderem erkannten viele Anti-Imperialisten die Notwendigkeit der Einbeziehung nicht-lateinamerikanischer und damit globaler Faktoren in ihre Analysen und Forderungen. Der anti-imperialistische Kampf in Lateinamerika konnte die synchronen Entwicklungen in Afrika und Asien nicht länger ignorieren. Lateinamerikas post-kolonialer Status wurde dadurch zunehmend zur Grundlage eines globalen Bewusstseins und zum Ausgangspunkt transnationaler Verknüpfungen.

Dieses Dissertationsprojekt analysiert die Netzwerke anti-imperialistischer Agitation in Lateinamerika und verfolgt ihre transnationalen Ursprünge und Verbindungen in den "langen 1920er Jahren". Das Projekt verknüpft "Global Intellectual History" mit der historischen Forschung zu sozialen Bewegungen, wobei "global" nicht als gegebene Kategorie oder Untersuchungsgegenstand, sondern vielmehr als Perspektive und Positionierungsmethode verstanden wird. Als Ausgangs- und Knotenpunkt transnationaler Netzwerke und Aktivitäten wird Mexico City untersucht. Fragestellungen des Projekts sind: Auf welche Weise entstand Anti-Imperialismus als politischer Begriff und wie veränderte er sich im Laufe der 1920er Jahre? Wie wurden anti-imperialistische Netzwerke geschaffen, aufrechterhalten und in der städtischen Umgebung inszeniert? Wie interagierten lokale Netzwerke mit globalen Bewegungen und wie wurden diese durch transnationale Verbindungen geprägt?

Kontakt

Betreuerin

Prof. Stefanie Schüler-Springorum