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Die Bedeutung von Schamgefühlen bei der Wiederverleihung bürgerlicher Ehrenrechte in den Jahren 1870-1933

Abgeschlossene Dissertation von Timon de Groot
(Betreuerin: Prof. Birgit Aschmann)

Ehre war ein weit verbreiteter Begriff in der deutschen Strafjustiz des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Gerichtssaal war schließlich ein Ort, an dem man seine Ehre mittels einer Privatklage verteidigen, sie aber ebenso gut verlieren konnte. Der Ehrverlust galt als Strafe, die in das Reichstrafgesetzbuch aufgenommen wurde und den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte nach sich zog – im Grunde eine beschämende Strafe.

Das Dissertationsprojekt widmet sich der Gefühlskultur dieses Ehrverlusts. Auf welche Weise äußerte sich die empfundene Scham, wie ging man mit ihr im Alltag um und wie verlief das Streben nach Rehabilitation? Hierbei scheint das explizite Äußern der Scham eine besondere Rolle gespielt zu haben, sowohl im Hinblick auf eine mögliche Rehabilitation der bürgerlichen Rechte sowie eine Wiederherstellung des öffentlichen Ansehens des Betroffenen.

Für diese Forschungsfrage werden Gnadengesuche, die Korrespondenz über die Wiederverleihung von verlorenen Ehrenrechten sowie Zeitungsartikel und Aufsätze aus juristischen Fachzeitschriften ausgewertet. Ob und wie sich das Äußern der Scham veränderte, was für eine Bedeutung dies für die Rehabilitation des Betroffenen hatte und wie sich die Scham in der öffentlichen Debatte mit moralischer Verantwortlichkeit, persönlicher Identität und dem öffentlichen Ansehen vereinbaren ließ, sind die leitenden Fragen des Projekts.