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Die emotionale Ökonomie des Britischen Badeurlaubs 1870–1918

Abgeschlossene Dissertation von Yaara Benger Alaluf
(Betreuerin: Prof. Ute Frevert)

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Urlaubsaufenthalte an Bade(kur)orten zu einem bedeutenden Bestandteil der Freizeitindustrie. Mit der wachsenden Popularität der Badekurorte – insbesondere jener am Meer – veränderte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch deren Zweck. Diese Veränderung wird oft als Übergang von der Suche nach körperlicher Heilung hin zu einem Verlangen nach Unterhaltung und Vergnügen beschrieben.

Dieses Forschungsprojekt zeichnet diese Veränderungen nach, indem es das Verhältnis zwischen Emotionen und Moral einerseits, die Zusammenhänge zwischen Freizeitwirtschaft, medizinischem Wissen und Klasse andererseits ins Zentrum der Analyse rückt. Während frühere Untersuchungen die Entwicklung des Badeurlaubs als Prozess der Ent-Pathologisierung deuteten und den Übergang von Gesundheit zu Vergnügen hervorhoben, liegt diesem Projekt die These zugrunde, dass sich nicht die allgemeine therapeutische Wahrnehmung der Badekurorte veränderte, sondern vielmehr die Pathologie. Es analysiert daher sowohl die Entstehung einer neuen Pathologie im Zusammenhang mit den emotionalen Auswirkungen von Arbeit und moderner Lebensführung, als auch den Glauben, dass die Natur – und besonders das Meer – der angemessene Ort wären, um emotionale Linderung zu erfahren.

Das Projekt hat zum Ziel, durch die Analyse einer Vielzahl von Quellen, unter anderem Werbematerialien der Badeorte, parlamentarische Unterlagen und Berichte von Urlaubern und Urlauberinnen, neue Perspektiven auf die Demokratisierung des Badeurlaubs zwischen 1870 und 1918 zu eröffnen und die Verknüpfungen zwischen Emotionen, Moral und dem Markt offenzulegen.