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Ökologische Rationalität

Welche Stadt hat mehr Einwohner: Detroit oder Milwaukee? Wenn Sie die Antwort nicht wissen, geht es Ihnen wie den meisten Deutschen. Trotzdem gaben in einer Studie deutsche Studenten fast alle intuitiv die richtige Antwort: Detroit. Im Gegensatz dazu schnitten ihre Kommilitonen in den USA schlechter ab. Warum? Studenten aus beiden Ländern wussten die Lösung nicht. Die Deutschen konnten sich jedoch auf eine einfache, intuitive Faustregel, die sogenannte Rekognitionsheuristik verlassen: Wenn du ein Objekt wiedererkennst und das andere nicht, ziehe den Schluss, dass das Wiedererkannte einen höheren Wert (in diesem Fall mehr Einwohner) hat. Diese Regel funktioniert gut, solange wir nicht zu viel wissen. Die amerikanischen Studenten hatten von beiden Städten schon oft gehört. Sie konnten die Rekognitionsheuristik nicht anwenden und erzielten schlechterer Ergebnisse.

Rekognitionsheuristik Grafik
© Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Anmerkung:Wirkung der Qualität: Hochwertige Objekte werden in den Medien häufiger erwähnt als minderwertige Objekte. Wirkung der Medien: Die Objekte, die häufiger genannt werden, werden auch häufiger wiedererkannt. Rekognitionsvalidität: Objekte, die häufiger erkannt werden, sind daher auch häufiger von besserer Qualität (nach Goldstein & Gigerenzer, 2002).

Die ökologische Rationalität betrachtet den Menschen in einer realen Umgebung und untersucht, in welcher Umwelt eine Heuristik erfolgversprechend ist. Die Rekognitionsheuristik beispielsweise funktioniert nur, wenn zwischen der Wiedererkennung eines Objekts (eines Städtenamens) und der Qualität des Objekts (der Größe der Stadt) ein Zusammenhang besteht (z.B. dass große Städte häufiger in den Medien genannt werden als kleine) und wenn man nur eines der zu unterscheidenden Objekte wiedererkennt (so wie bei den deutschen im Gegensatz zu den amerikanischen Studenten).

Referenzen

  • Todd, P. M., Gigerenzer, G., & the ABC Research Group (2012). Ecological rationality: Intelligence in the world. New York: Oxford University Press.
     
  • Katsikopoulos, K. V. (2011). Psychological heuristics for making inferences: Definition, performance, and the emerging theory and practice, Decision Analysis, 8, 1.

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