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Highlights aus den Forschungsergebnissen

Hier finden Sie ausgewählte Veröffentlichungen aus allen Forschungsbereichen des Instituts seit 2011.

Kapitalismus, Märkte und Moral

Titel:

Kapitalismus, Märkte und Moral

Cover des Buches "Kapitalismus, Märkte und Moral"
© Residenz Verlag
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Ausgehend von aktuellen Forderungen nach einem "moralischen Kapitalismus" fragt Ute Frevert nach dem historischen Verhältnis von Kapitalismus und Moral. Verstand und versteht sich der Kapitalismus selber als „moralische Ökonomie“? Oder wurde ihm die Moral von außen verordnet, mit welchen Folgen? Moralische Interventionen, so die These, haben den Kapitalismus fortlaufend verändert – und sein Überleben gesichert. Ute Frevert spannt den Bogen von Robin Hood über Karl Marx bis zu Papst Franziskus und Bernie Sanders, von der Genossenschaftsbewegung über die Steuerprogression bis zu den französischen Gelbwesten. Moralische Gefühle – Empathie, Solidarität, Fairness, Gerechtigkeit – werden hier zur politischen Antriebskraft, die die kapitalistische Ordnung herausfordert und transformiert.

Frevert, U. (2019). Kapitalismus, Märkte und Moral. Wien: Residenz Verlag.

An Integrated Model of Action Selection: Distinct Modes of Cortical Control of Striatal Decision Making

Titel:

An Integrated Model of Action Selection: Distinct Modes of Cortical Control of Striatal Decision Making

Annu. Rev. Psychol. 2019.70:53-76
© Annual Reviews
Bereich: 
MPFG "Neuronale Grundlagen des Lernens und Entscheidens"
Zusammenfassung: 

Wenn nur wenige Möglichkeiten zur Auswahl stehen, scheint es leicht eine Entscheidung zu treffen: wir wählen einfach die Option mit dem bestmöglichen Ergebnis. In komplexeren Umgebungen, in denen dieselbe Handlung unter verschiedenen Bedingungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann, ist es hingegen deutlich schwieriger, Entscheidungen zu treffen.

Im vorliegenden Paper diskutieren wir aktuelle Forschungsergebnisse, welche die neurobiologischen Grundlagen solcher Entscheidungen untersucht haben. Insbesondere gehen wir der Idee nach, dass Entscheidungen unter den oben genannten Bedingungen von Prozessen in der prälimbischen Hirnrinde und dem orbitofrontalen Cortex abhängen, welche durch thalamo-striatale Schaltkreise „top-down“ Kontrolle über das Striatum ausüben. Wir stellen dabei die Hypothese auf, dass der prälimbische Cortex direkten Einfluss auf so genannte „medium spiny neurons“ im dorsomedialen Striatum nimmt, um die möglichen relevanten Zustände der Umgebung zu repräsentieren. Die Rolle des orbitofrontalen Cortex besteht nach unserer Auffassung im Gegenzug darin, dem Entscheider zu signalisieren welchen Zustand die Umgebung aktuell hat, was vermutlich durch die Modulation cholinerger Interneuronen erfolgt. Unser neues theoretisches Rahmenmodell stellt Hypothesen für künftige Experimente auf und hat das Ziel, zu einem besseren Verständnis der neurobiologischen Grundlagen von Entscheidungen zu führen.

Sharpe, M. J., Stalnaker, T., Schuck, N. W., Killcross, S., Schoenbaum, G., & Niv, Y. (2019). An integrated model of action selection: Distinct modes of cortical control of striatal decision making. Annual Review of Psychology, 70(1), 53–76. doi:10.1146/annurev-psych-010418-102824

Plastizität über die frühe Entwicklung hinaus: Hypothesen und Fragen

Titel:

Plastizität über die frühe Entwicklung hinaus: Hypothesen und Fragen

Plasticity beyond early development
© MIT Press
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu kritischen Perioden in der frühen Entwicklung präsentiert dieses Kapitel ein Programm zur Erforschung menschlicher Plastizität über die Lebensspanne und legt das konzeptuelle Fundament für eine Reihe von Forschungshypothesen und offenen Fragen. Plastizität wird als strukturelle Veränderbarkeit des Gehirns definiert, die mit Erweiterungen des Verhaltensrepertoires einhergeht. Die Flexibilität stellt wiederum die Umsetzung und Rekonfiguration des existierenden Verhaltensrepertoires während stabiler Phasen dar, die durch die Abwesenheit struktureller Hirnveränderungen gekennzeichnet sind. Säugetier- und Vogelgehirne entwickeln sich in Zyklen von Plastizität und Stabilität, wobei die Tendenz zur Stabilität vorherrscht. Untersuchungen zu kritischen Perioden bei Tieren während der motorischen und sensorischen Entwicklung bilden die Grundlage für drei Hypothesen, die als Leitlinien für die Erforschung von Plastizität in späteren Altersphasen dienen können: Erstens nehmen Wahrscheinlichkeit, Rate und Größenordnung plastischer Veränderungen nach Erlangung der Reife ab. Zweitens bringen plastische Veränderungen oft eine Überproduktion von neuen synaptischen Verbindungen mit sich, die dann wieder beschnitten werden. Makroskopisch geht diese Abfolge mit einer Volumenzunahme der grauen Substanz einher, der eine Renormalisierung folgt. Drittens bieten frühere plastische Veränderungen dem späteren Lernen ein strukturelles Gerüst. Diese Hypothesen müssen beim Menschen empirisch geprüft werden, tragen zur Planung geeigneter Forschungsdesigns bei und werden mit grundlegenden offenen Fragen in der Erforschung der menschlichen Plastizität in Zusammenhang gebracht.

Lindenberger, U. (2018). Plasticity beyond early development: Hypotheses and questions. In A. A. Benasich & U. Ribary (Eds.), Emergent brain dynamics: Prebirth to adolescence (pp. 207–223). Cambridge, MA: MIT Press

Architecture, Democracy, and Emotions: The Politics of Feeling since 1945.

Titel:

Architecture, Democracy, and Emotions: The Politics of Feeling since 1945.

© Routledge
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Nach 1945 versprachen nicht nur Europas Parlamentsgebäude, dass in ihnen die Demokratie zuhause sein wird. Architecture, Democracy, and Emotions zeigt, dass sogar Hotels in der Türkei, holländische Einkaufszentren und Wohnungsbauprogramme in der Sowjetunion neue demokratische Haltungen und Gefühle verbreiteten. Das Buch konzentriert sich auf die im Wettbewerb stehenden Versprechen von Verbraucher-, Wohlfahrts- und sozialistischer Demokratie und untersucht von der Türkei über Ost- und Westeuropa bis in die Vereinigten Staaten die Gefühlspolitik von Wohnungs- und Repräsentationsbauten.

Großmann, T., & Nielsen, P. (Eds.) (2018). Architecture, Democracy, and Emotions: The Politics of Feeling since 1945. London and New York: Routledge.

Entwicklungspsychologie

Titel:

Entwicklungspsychologie

Buchcover Entwicklungspsychologie
© Beltz
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Was nimmt das Neugeborene wahr? Wie lernen Kinder den Umgang mit Gefühlen? Wann und wie bildet sich unsere Persönlichkeit heraus? Wie verändern sich kognitive Fähigkeiten im Erwachsenenalter? – Die Inhalte der Entwicklungspsychologie sind breit gefächert und anschaulich wie in kaum einem anderen Fachgebiet der Psychologie.

Das Lehrbuch “Entwicklungspsychologie” – von Rolf Oerter und Leo Montada begründet – gilt als das Standardwerk des Fachs. Es wird in der 8. Auflage von Wolfgang Schneider und Ulman Lindenberger herausgegeben.

Entwicklung wird anhand zweier Dimensionen dargestellt, nach Altersstufen (von der vorgeburtlichen Entwicklung bis zum hohen Alter) und nach Funktionsbereichen (wie entwickeln sich Wahrnehmung, Emotion, Kognition, Sprache etc.). Abschließend werden 13 Praxisfelder vorgestellt, u.a. Medien, vorschulische Förderung, Gesundheit und Produktivität im Alter.

Schneider, W., & Lindenberger, U. (Hrsg.). (2018). Entwicklungspsychologie (8. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Monsoon feelings: a history of emotions in the rain

Titel:

Monsoon feelings: a history of emotions in the rain

Monsoon feelings: a history of emotions in the rain – Book Cover
© Niyogi Books
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Der Monsun ist die Zeit des strömenden Regens und der intensiven Gefühle: Liebe und Sehnsucht, Hoffnung und Furcht, Freude und Schmerz, Hingabe und fröhliche Ausschweifung. In eindrucksvollen Essays, die die regennassen Welten in Poesie, Gesang, Malerei, Architektur, Film, in Gärten, auf Festivals sowie in der Musik und Medizin erforschen, untersucht der reich bebilderte Sammelband die Geschichte der „Monsoon Feelings“ in Südasien vom zwölften Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Schofield, K. R., Rajamani, I., & Pernau, M. (Eds.) (2018). Monsoon feelings: a history of emotions in the rain. New Delhi: Niyogi.

Health education films in the twentieth century

Titel:

Health education films in the twentieth century

Cover Health Education Films
© University of Rochester Press
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Film wurde im 20. Jahrhundert zu einer revolutionäre Technik, die unterhalten, dokumentieren, aufklären und ein Massenpublikum verändern konnte. Auf dem Gebiet der Medizin und der öffentlicher Gesundheitsfürsorge waren besonders Ärzte, Erzieher, Gesundheitsaufklärer und Politiker begeistert vom Potential der bewegten Bilder bei der Aufklärung über gesundheitsbezogene Themen einschließlich der Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten, Krebs und Tuberkulose, Rauchen, Alkohol und über Verhütung.

Mit dem Fokus auf die Zeit zwischen 1910 und den 1960er Jahren ist dieses Buch eine erste Untersuchung des Gesundheitsaufklärungsfilm in Europa und Nordamerika. Es untersucht, wie sich eine Vielzahl von Organisationen mit kommerziellen, regierungs-, medizinischem und gesundheitsbehördlichen Hintergrund in Europa und Nordamerika Filmen zuwandte, um die Öffentlichkeit aufzuklären, Verhaltensweisen zu verändern, sowie Ängste und Hoffnungen über Gesundheit, Krankheit und medizinische und durch das Gesundheitswesen veranlasste Interventionen zu steuern. Darüber hinaus behandelt das Buch auch Fragen nach der Repräsentativität bestimmter Filme und das Verhältnis zwischen dem Gesundheitsaufklärungsfilm und anderen Filmformen.

Autoren: Christian Bonah, Tim Boon, David Cantor, Ursula von Keitz, Anja Laukötter, Elizabeth Lebas, Vincent Lowy, Miriam Posner, Kirsten Ostherr, Alexandre Sumpf

Bonah, Ch., Cantor, D., Laukötter, A. (Eds.)(2018). Health education films in the twentieth century. Rochester, NY: University of Rochester Press.

Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture

Titel:

Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture

Paper
© Elsevier
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Viele psychologische Theorien gehen davon aus, dass Denkprozessen verschiedene Strategien zur Verfügung stehen, die sich hinsichtlich ihres kognitiven Aufwands unterscheiden. Doch wie sind diese kognitiven Kosten zu konzeptualisieren, und wie können sie gemessen werden?  Die Autoren schlagen im vorliegenden Paper einen Ansatz vor, der die kognitiven Kosten von Entscheidungsstrategien in die Zeitanteile zerlegt, währenddessen die für die Ausführung der Strategien notwendigen kognitive Ressourcen genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Ressourcen für die Wahrnehmung, Speicherung und Abruf von Informationen, Koordination von mentalen Prozessen, und die motorische Ausführung einer Entscheidung. Dieser Ansatz ist eingebettet in die kognitive Architektur ACT-R (Adaptive Control of Thought – Rational).

Mit Hilfe von ACT-R kann simuliert werden, wie kognitiven Ressourcen bei der Ausführung von Strategien miteinander interagieren; dabei kann auch die Möglichkeit berücksichtigt werden, dass manche Prozesse parallel, andere aber sequentiell ausgeführt werden. Mit ihren Ansatz ermittelten die Autoren die kognitiven Kosten von zwei bekannten Entscheidungsstrategien: Bei der Tallying-Strategie werden für jede Entscheidungsalternativen alle Attribute aufsummiert, die für die Alternative sprechen. Die Alternative mit der höheren Summe wird ausgewählt. Bei der Take-the-best-Strategie werden dagegen die Attribute der Wichtigkeit nach betrachtet; sobald ein Attribut für eine Alternative spricht, wird diese Alternative gewählt, und alle anderen Attribute werden nicht mehr betrachtet. Da Take-the-best somit oft Informationen ignoriert, gilt diese Strategie gemeinhin als einfacher als Strategien wie Tallying. In ACT-R-basierten Simulationen und einer empirischen Studie fanden die Autoren hingegen, dass bei steigenden kognitiven Anforderungen (z.B. im Kontext einer Doppelaufgabe) die Zeitkosten von Take-the-best höher sein können als die Kosten von Tallying. Weitere Analysen zeigten, dass dies dadurch zustande kommt, dass bei Take-the-best höhere Kosten für die Auffrischung und Rekonstruktion von Informationen und die Koordination von mentalen Prozessen anfallen als bei Tallying.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass für die Beurteilung der Komplexität (bzw. Einfachheit) von Strategien das gesamte kognitive System berücksichtigt werden muss, in das die Strategien eingebettet sind. Die Verarbeitung von weniger Information kann in gewissen Situationen aufwändiger sein als die Verarbeitung von mehr Information.

Fechner, H. B., Schooler, L. J., & Pachur, T. (2018). Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture. Cognition, 170, 102-122. doi:10.1016/j.cognition.2017.09.003

Auf der Suche nach einer anderen Medizin. Psychosomatik im 20. Jahrhundert

Titel:

Auf der Suche nach einer anderen Medizin. Psychosomatik im 20. Jahrhundert

© stw
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Was Psyche und Körper stark macht… Schlagzeilen wie diese begegnen uns heute überall. Rückenschmerzen, Atemnot, Hautausschlag – viele körperliche Beschwerden schreiben wir  emotionalen Konflikten, mangelnder Achtsamkeit oder Dauerstress zu. Doch woher stammen derartige Vorstellungen von Psychosomatik? Dieses Buch bietet erstmals einen Überblick über die Geschichte der psychosomatischen Medizin in Deutschland. Pointierte Einzeldarstellungen präsentieren ein Panorama, das neben den Spielarten der Psychosomatik im 20. Jahrhundert auch die Suche nach einer Medizin zeigt, die sich als menschlichere Alternative zur modernen, vermeintlich seelenlosen Apparatemedizin verstand.

Alexa Geisthövel/Bettina Hitzer (Hg.) Auf der Suche nach einer anderen Medizin. Psychosomatik im 20. Jahrhundert, stw 2019.

Expansion und Renormalisierung der menschlichen Hirnstruktur beim Erlernen neuer Fähigkeiten

Titel:

Expansion und Renormalisierung der menschlichen Hirnstruktur beim Erlernen neuer Fähigkeiten

Cover Trends in Cognitive Science
© Elsevier
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Forschung zu Veränderungen des menschlichen Gehirns während des Erlernens neuer Fähigkeiten hat gezeigt, dass das Volumen aufgabenrelevanter Hirnareale ansteigt. Die große Zahl an Fähigkeiten, die Menschen im Laufe ihrer Entwicklung erwerben, spricht jedoch dagegen, dass Plastizität als ständiger Wachstumsprozess des Volumens zu betrachten ist. Auf der Grundlage von Tiermodellen und vorhandenen Theorien befürworten wir das Modell der Expansion und Renormalisierung auch im Bereich der plastischen Veränderungen beim Menschen.

Dieses Modell sagt eine anfängliche Zunahme der grauen Substanz voraus, die möglicherweise das Wachstum neuraler Ressourcen wie Nervenzellen, Synapsen und Gliazellen widerspiegelt. In diesem neuen Gewebe folgt darauf ein Selektionsprozess, nach dessen Abschluss eine komplette oder teilweise Rückkehr zum Ausgangspunkt des Gesamtvolumens erreicht ist. Dieses Modell wirft neues Licht auf vorhandene Forschungsergebnisse und gegenwärtige Diskussionen und begünstigt die Suche nach mechanistischen Erklärungen.

Wenger, E., Brozzoli, C., Lindenberger, U., & Lövdén, M. (2017). Expansion and renormalization of human brain structure during skill acquisition. Trends in Cognitive Sciences, 21,930–939. doi:10.1016/j.tics.2017.09.008  

Siehe auch Pressemitteilung: Das Gehirn veranstaltet eine Casting-Show für verschiedene Zellen