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Highlights aus den Forschungsergebnissen

Hier finden Sie ausgewählte Veröffentlichungen aus allen Forschungsbereichen des Instituts seit 2011.

Emotional Cities

Title:

Emotional Cities

Cover Emotional Cities
© Oxford
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Emotional Cities offers an innovative account of the history of cities in the second half of the nineteenth century. Analyzing debates about emotions and urban change, it questions the assumed dissimilarity of the history of European and Middle Eastern cities during this period. The author shows that between 1860 and 1910, contemporaries in both Berlin and Cairo began to negotiate the transformation of the urban realm in terms of emotions. Looking at the ways in which a variety of urban dwellers, from psychologists to bar maids, framed recent changes in terms of their effect on love, honor, or disgust, the book reveals striking parallels between the histories of the two cities. By combining urban history and the history of emotions, Prestel proposes a new perspective on the emergence of different, yet comparable cities at the end of the nineteenth century.

Link zum Verlag:
https://global.oup.com/academic/product/emotional-cities-9780198797562?c...

Prestel, J. B. (2017). Emotional Cities: Debates on Urban Change in Berlin and Cairo, 1860-1910. Oxford: Oxford University Press. ISBN: 978-0-19-879756-2

Die Politik der Demütigung

Title:

Die Politik der Demütigung

Cover Die Politik der Demütigung
© S. Fischer
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Eine Geschichte öffentlicher Demütigung als Inszenierung von Macht: Wie mit Schamgefühlen Politik gemacht wird.
Ob Pranger oder Prügelstrafe – viele Rituale öffentlicher Demütigung wurden seit der Aufklärung in Frage gestellt, gemildert oder abgeschafft. Und doch blieben Demütigung und Beschämung zentrale Mittel der Machtausübung in Kindererziehung, Strafrecht und Politik – dies zeigt Ute Frevert in einem Gang durch 250 Jahre moderner Geschichte. Dazu gehören die Demütigung von Frauen, die sich während des Zweiten Weltkriegs mit deutschen Besatzern eingelassen hatten, ebenso wie die aktuelle juristische Praxis in den USA, Straftäter zu zwingen, ihr Vergehen öffentlich kundzutun. Hierzulande sorgen Medienpranger und Internet dafür, dass öffentliche Beschämung allgegenwärtig bleibt.
Anhand von mal amüsanten, mal verstörenden Begebenheiten erzählt Ute Frevert eine Geschichte von Würde und Ehre, von Macht und Ohnmacht, von Inklusion und Ausschluss in der modernen Gesellschaft.

Verlagslink:
http://www.fischerverlage.de/buch/die_politik_der_demuetigung/9783103972221

Frevert, U. (2017). Die Politik der Demütigung: Schauplätze von Macht und Ohnmacht. Frankfurt: S. Fischer. ISBN: 978-3-10-397222-1

Die Reife des Hippocampus fördert den Detailreichtum des Gedächtnisses in Kindheit und Jugend

Title:

Die Reife des Hippocampus fördert den Detailreichtum des Gedächtnisses in Kindheit und Jugend

Cover Keresztes
© PNAS
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Adaptive Lernsysteme müssen zwei komplementäre und teilweise widersprüchliche Ziele erreichen: Die Erkennung von Gesetzmäßigkeiten in der Welt versus Erinnerung an spezifische Ereignisse. Der Hippocampus (HC) erhält die feine Balance zwischen der Extraktion von Gemeinsamkeiten eintreffender Informationen (d.h., Mustervervollständigung) und der Kodierung sehr ähnlicher Ereignisse in einzigartige Repräsentationen (d.h., Mustertrennung). Histologische Befunde an jungen Rhesusaffen lassen vermuten, dass die Entwicklung des HC durch differenzielle Entwicklung von intrahippocampalen Subfeldern und den assoziierten Netzwerken charakterisiert ist. Der ontogenetische Zeitplan der HC-Subfeldreifung bleibt jedoch wegen der Herausforderungen von in-vivo Untersuchungen dieser Entwicklung umstritten. Die genaue Beschreibung des zeitlichen Ablaufs ist aber wichtig, weil dieser das feine Gleichgewicht zwischen Prozessen der Mustertrennung und Mustervervollständigung beeinflusst, und somit auch die Veränderungen des Lernens und des Gedächtnisses im Verlaufe der Entwicklung. Wir setzen hier Daten hochauflösender struktureller Magnetresonanztomographie von HC-Subfeldern von 6- bis 14-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen mit ihren behavioralen Gedächtnisleistungen in Beziehung. Wir identifizieren ein multivariates Profil von altersassoziierten Unterschieden in intrahippocampalen Strukturen und zeigen, dass die durch dieses Profil erfasste Reife des HC mit Altersunterschieden in der differenziellen Kodierung spezifischer Gedächtnisrepräsentationen assoziiert ist.

Bedeutung
Kinder neigen dazu, schematische Wissensinhalte auf Kosten des Lernens und Erinnerns spezifischer Ereignisse zu extrahieren. Unsere Befunde lassen uns vermuten, dass die uneinheitliche Entwicklung von Subregionen des Hippocampus – einer Hirnregion, die für die Bildung neuer Erinnerungen bedeutsam ist – zu dieser Entwicklungsverzögerung im Gedächtnisbereich beiträgt. Wir nutzten hochauflösende strukturelle in-vivo Magnetresonanztomographie (MRT) und Gedächtnistests, um in einer großen Stichprobe von Kindern im Alter von 6 bis14 Jahren und jungen Erwachsenen die Entwicklung des Hippocampus zu beschreiben. Wir konnten zeigen, dass seine Reife, erfasst als das multivariate Muster von altersassoziierten Unterschieden in hippocampalen Subregionen, vor allem mit der Fähigkeit zusammenhängt, höchst spezifische Gedächtnisinhalte zu bilden.

Keresztes, A., Bender, A. R., Bodammer, N. C., Lindenberger, U., Shing, Y. L., & Werkle-Bergner, M. (2017). Hippocampal maturity promotes memory distinctiveness in childhood and adolescence. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 114, 9212–9217. doi:10.1073/pnas.171065411

Siehe auch Pressemitteilung: Das Gedächtnis für Details reift langsam heran

Zornpolitik

Title:

Zornpolitik

Cover Zornpolitik
© SV
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Gäbe es ein Messgerät für die Intensität kollektiver Gefühle, es würde derzeit Spitzenwerte anzeigen: In den politischen Debatten sind vielerorts Wut, Hass und Angst an die Stelle rationaler Argumente und gegenseitiger Rücksichtnahme getreten. Uffa Jensen verfolgt die Ursprünge der Zornpolitik bis ins 19. Jahrhundert zurück und erläutert, wie solche Gefühle der Ablehnung funktionieren. Dabei wird deutlich, dass Emotionen gerade in Auseinandersetzungen über gesellschaftliche Andere wie Flüchtlinge, Muslime oder Juden hochkochen und bewusst instrumentalisiert werden. Aus den historischen Zusammenhängen zwischen Vorurteilen und Gefühlen leitet Jensen Strategien ab, mit denen wir der aktuellen Welle des politischen Furors begegnen können. http://www.suhrkamp.de/buecher/zornpolitik-uffa_jensen_12720.html

Jensen, U. (2017). Zornpolitik. Suhrkamp Verlag (edition suhrkamp 2720). ISBN: 978-3-518-12720-9

Wie man seinen Lebensunterhalt verdient, beeinflusst die sozialen Lernstrategien

Title:

Wie man seinen Lebensunterhalt verdient, beeinflusst die sozialen Lernstrategien

Cover nature human behaviour
© nature human behaviour
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Soziales Lernen ist ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Kognition. Das Lernen von Anderen vereinfacht die Vermittlung von Informationen und hilft Individuen und Gruppen, sich schnell an neue Umgebungen anzupassen. Soziales Lernen ist damit grundlegend für die kulturelle Evolution. Im Allgemeinen wird angenommen, dass alle Menschen gleichermaßen zu sozialem Lernen neigen. Aktuelle empirische Studien zeigen jedoch, dass diese Neigung zwischen Individuen und Gruppen durchaus variiert. Die Ursachen dieser Unterschiede sind bisher jedoch weitestgehend unklar. In ihrem Artikel zeigen die Autoren, dass wechselseitige Abhängigkeiten in sozialen und wirtschaftlichen Alltagsaktivitäten soziales Lernen verstärken.

Anhand eines Experiments zur Entscheidungsfindung untersuchten die Wissenschaftler individuelles gegenüber sozialem Lernen in drei Bevölkerungsgruppen aus derselben Ethnie. Die Gruppen hatten sich jedoch mit Blick auf ihre Überlebensstrategien und damit in der wechselseitigen Abhängigkeit untereinander auseinander entwickelt. Das Experiment zeigte, dass voneinander stark abhängige Viehzüchter und städtische Siedler in wesentlich höherem Maße zu sozialem Lernen neigen als Gemüsebauern, die von ihrem Anbau leben und sich überwiegend auf ihre eigenen Erfahrungen verlassen. Dies deutet darauf hin, dass soziale und wirtschaftliche Praktiken die Strategien des sozialen Lernens formen können. Die Befunde zeigen zudem, dass sich das menschliche Lernen und Denken durch die jeweilige Umgebung verändert. Die Studie lässt darauf schließen, dass Veränderungen in der Wirtschafts- und Lebensweise das Vertrauen in soziale Lernstrategien erhöhen und damit die Anpassungsfähigkeit an neue Umstände verbessern kann. Dies trifft zu, wenn zum Beispiel neue Gebiete besiedelt oder kulturelle Nischen besetzt werden.

Glowacki, L., & Molleman, L. (2017). Subsistence styles shape human social learning strategies. Nature Human Behaviour, 1:0098. doi:10.1038/s41562-017-0098

Special Issue Feeling Communities

Title:

Special Issue Feeling Communities

Cover The Indian Economic and Social History Review
© IESH
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Dieses Sonderheft untersucht, welche Rolle Gefühle bei der Entstehung von "Gefühlsgemeinschaften" in Südasien spielten und spielen. Die Themen reichen von der zentralen Rolle, die Mitgefühl bei der Formung der muslimischen Gemeinschaft im 19. Jahrhundert hatten (Margrit Pernau) über die Beiträge, die Romane im 20. Jahrhundert bei der Mobilisierung von Gefühlen und Menschen leisteten (Christina Oesterheld), wie Gefühle durch Performanz in poetischen Versammlungen und in Predigten hervorgerufen werden (Carla Petievich, Max Stille), bis zu Telugu-Filmen, die durch Darstellung von Wut und Mitgefühl zur Massenmobilisierung  beitrugen (Imke Rajamani) und den emotionalen Weltsichten von pakistanischen jungen Männern, die Verbindung zur Jihadi-Bewegung haben (Amélie Blom).

Pernau, M. (Guest ed.). (2017). "Feeling communities [Special issue]". Indian Economic and Social History Review, 54(1).

Theorieintegration: Prospect Theory und Heuristiken als Modelle von Risikoentscheidungen

Title:

Theorieintegration: Prospect Theory und Heuristiken als Modelle von Risikoentscheidungen

Artikel in Cognitive Psychology
© Cognitive Psychology
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Zwei einflussreiche Ansätze zur Modellierung risikoreicher Entscheidungen sind algebraische Modelle (welche auf die Vorhersage von Entscheidungen fokussieren) und Heuristiken (welche auch die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse beschreiben). Diese beiden Ansätze werden als unvereinbar oder gar entgegengesetzt angesehen, weil sie auf fundamental unterschiedlichen Annahmen und Algorithmen basieren. Die Cumulative Prospect Theory (CPT; Tversky & Kahneman, 1992) ist das zurzeit einflussreichste Beispiel eines deskriptiven algebraischen Modells. Anhand der CPT zeigen die Autoren, wie die beiden Ansätze – algebraische Modelle einerseits und Heuristiken andererseits – miteinander verbunden werden können.

Die algebraischen Funktionen der CPT beschreiben Entscheidungen sowohl mit psychophysischen Konstrukten (abnehmende Sensitivität gegenüber Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen) als auch mit psychologischen Konstrukten (Risiko- und Verlustaversion). Heuristiken beruhen auf einfachen Informationsverarbeitungsprozessen, wie etwa lexikographische und begrenzte Suche. In Computersimulationen haben die Autoren CPT-Parameter für die Entscheidungen verschiedener Heuristiken geschätzt. Die sich ergebenden CPT-Parameter beschreiben die entscheidungsgenerierenden Heuristiken in psychologisch interpretierbarer Weise. Sie stellen zum Beispiel Unterschiede zwischen den Heuristiken in der Verarbeitung von Wahrscheinlichkeitsinformationen dar. Außerdem spiegeln CPT-Parameter lexikographische Informationssuche wider – die eine Schlüsselrolle in vielen Heuristiken spielt. Sie helfen zudem, das umweltabhängige Verhalten von Heuristiken zu erfassen. Schließlich zeigen die Wissenschaftler anhand eines empirischen Datensatzes sowie einer model recovery-Studie, wie Parameterprofile von CPT den Gebrauch von Heuristiken entdecken helfen können. Sie diskutieren aber auch die Grenzen der CPT in der Erfassung von heuristischen Entscheidungen. Die Ergebnisse zeigen das bisher ungenutzte Potential der CPT als Messinstrument der Informationsverarbeitung bei risikoreichen Entscheidungen.

Pachur, T., Suter, R. S., & Hertwig, R. (2017). How the twain can meet: Prospect theory and models of heuristics in risky choice. Cognitive Psychology, 93, 44—73. doi:10.1016/j.cogpsych.2017.01.001

History of science and the emotions (Wissenschaftsgeschichte und Emotionen)

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History of science and the emotions (Wissenschaftsgeschichte und Emotionen)

Cover Osiris
© The University of Chicago Press Books
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Welche neuen Einsichten ergeben sich für Historiker und Historikerinnen, wenn sie Gefühle als analytische Kategorie berücksichtigen? Dieser Band der Zeitschrift „Osiris“ erkundet die historisch veränderlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Wissenschaften und den ihnen zugehörigen Wissenschaftskulturen einerseits, den allgemeineren Gefühlskulturen andererseits. Die Beiträge zeigen, dass ein Dialog zwischen der Wissenschafts- und Emotionsgeschichte neue Blickwinkel auf die in der Geschichtswissenschaft benutzten Kategorien der Analyse, ihre Akteurskonzepte ebenso wie ihre Periodisierungsvorstellungen ermöglicht. Die hier versammelten zehn Fallstudien forschen diesen Fragen in breitgefächerter Perspektive nach: vom 12. bis ins 20. Jahrhundert, mit Blick auf Europa ebenso wie auf Nordamerika sowie in ihrer Relevanz für unterschiedlichste Wissenschaftsdisziplinen. Die Autoren und Autorinnen analysieren, wie die unterschiedlichen Wissenschaftsgruppen die Kategorie Emotion gestalteten und deren Wirkungsweise experimentell erforschten; wie Wissenschaftler Gefühle innerhalb oder zwischen Körper, Geist und Subjekten verorteten; wie Annahmen über Gefühle ebenso wie die Gefühle der beteiligten Wissenschaftler oder ihrer Probanden neue Wissenschaftspraktiken hervorbrachten oder bestehende veränderten und schließlich wie gewandelte Gefühlkonzepte neues Wissen ebenso wie veränderte wissenschaftliche oder außerwissenschaftliche Technologien und Subjektivitätsbegriffe schufen.

Dror, O. E., Hitzer, B., Laukötter, A., & León-Sanz, P. (Eds.). (2016). History of science and the emotions [Special issue]. Osiris, 31(1).

On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations

Title:

On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations

 European Journal of Operational Research
© EJOR
Bereich: 
Adaptives Verhalten und Kognition
Zusammenfassung: 

Psychologische Heuristiken sind Modelle der Entscheidungsfindung, die a) auf grundlegenden psychologischen Fähigkeiten wie der Mustererkennung aufbauen, b) nicht zwingend alle verfügbaren Informationen zur Entscheidungsfindung verwenden und diese Informationen auf einfache Weise zusammenführen (z.B. durch Rangordnungsvergleiche oder nicht-gewichtetes Summieren) und c) leicht zu verstehen, anzuwenden und zu vermitteln sind. Dieser Artikel nähert sich dem auf vier verschiedenen Wegen: Zuerst werden die konzeptionellen Grundlagen des Forschungsprogramms zu psychologischen Heuristiken dargestellt und deren Verhältnis zu „weicher“ und „harter“ Operationsforschung diskutiert. Als nächstes werden empirische Daten und theoretische Analysen präsentiert, die für unterschiedliche Anwendungsbereiche wie Gesundheit, Ökonomie und Management zeigen, unter welchen Bedingungen psychologische Heuristiken gleichwertige oder bessere Ergebnisse erzielen können als wesentlich komplexere Standardmodelle wie multifaktorielle Entscheidungsanalyse, Klassifizierung oder Vorhersage. Drittens wenden die Autoren den Ansatz der „psychologischen Heuristiken“ auf das Problem der Reduzierung von zivilen Opfern in militärischen Operationen an. Zuletzt umreißen sie die Rolle, die psychologische Heuristiken in der Theorie und Praxis von Operationsforschung spielen können.

Keller, N., Katsikopoulos, K. V. (2016). On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations. European Journal of Operational Research, 249, 1063—1073.

Kombination unabhängiger Urteile verbessert medizinische Diagnostik

Title:

Kombination unabhängiger Urteile verbessert medizinische Diagnostik

Artikel in PNAS
© PNAS
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Wenn Gruppen bessere Entscheidungen als Einzelne bei der Lösung komplexer kognitiver Probleme treffen, bezeichnet man das als kollektive Intelligenz. Obwohl kollektive Intelligenz das Potential hat, Entscheidungsprozesse in vielen Bereichen wie Medizin, Wirtschaft und Politik zu revolutionieren, ist noch wenig über die zugrunde liegenden Bedingungen in der realen Welt bekannt. Die Forscher konzentrieren sich hier auf zwei Schlüsselgebiete medizinischer Diagnostik: Brust- und Hautkrebserkennung. Mit Hilfe einer Simulationsstudie, die mehr als 20.000 gestellte Diagnosen von mehr als 140 Ärzten umfasst, untersuchte das Team, unter welchen Bedingungen die Kombination der unabhängigen Urteile verschiedener Ärzte das Urteil des besten Arztes einer Gruppe übertrifft. Die Ergebnisse zeigen, dass es auf die Ähnlichkeit der Diagnosegenauigkeit ankommt: Eine ähnliche Diagnosegenauigkeit ist eine Schlüsselbedingung kollektiver Intelligenz. Die Kombination unabhängiger Urteile übertrifft den besten Arzt einer Gruppe nur dann, wenn die Diagnosegenauigkeit der Ärzte relativ ähnlich ist und nicht, wenn sich die Diagnosegenauigkeit zu stark unterscheidet. Dieses verblüffend einfache Ergebnis ist äußerst stabil und gilt auch bei unterschiedlichen Gruppengrößen, bei unterschiedlichen Leistungsniveaus des besten Arztes und bei unterschiedlichen Regeln kollektiver Intelligenz. Mit der Identifizierung dieses Schlüsselfaktors kollektiver Intelligenz in zwei wichtigen Lebenskontexten ebnen diese Forschungsergebnisse den Weg für innovative und effektive Lösungsansätze komplexer Entscheidungen in der realen Welt und der wissenschaftlicher Analyse dieser Lösungsansätze.

Kurvers, R. H. J. M., Herzog, S. M., Hertwig, R., Krause, J., Carney, P. A., Bogart, A., et al. (in press). Boosting medical diagnostics by pooling independent judgments. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. doi:10.1073/pnas.1601827113