EnglishDeutsch

Highlights aus den Forschungsergebnissen

Hier finden Sie ausgewählte Veröffentlichungen aus allen Forschungsbereichen des Instituts seit 2011.

Wie man seinen Lebensunterhalt verdient, beeinflusst die sozialen Lernstrategien

Titel:

Wie man seinen Lebensunterhalt verdient, beeinflusst die sozialen Lernstrategien

Cover nature human behaviour
© nature human behaviour
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Soziales Lernen ist ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Kognition. Das Lernen von Anderen vereinfacht die Vermittlung von Informationen und hilft Individuen und Gruppen, sich schnell an neue Umgebungen anzupassen. Soziales Lernen ist damit grundlegend für die kulturelle Evolution. Im Allgemeinen wird angenommen, dass alle Menschen gleichermaßen zu sozialem Lernen neigen. Aktuelle empirische Studien zeigen jedoch, dass diese Neigung zwischen Individuen und Gruppen durchaus variiert. Die Ursachen dieser Unterschiede sind bisher jedoch weitestgehend unklar. In ihrem Artikel zeigen die Autoren, dass wechselseitige Abhängigkeiten in sozialen und wirtschaftlichen Alltagsaktivitäten soziales Lernen verstärken.

Anhand eines Experiments zur Entscheidungsfindung untersuchten die Wissenschaftler individuelles gegenüber sozialem Lernen in drei Bevölkerungsgruppen aus derselben Ethnie. Die Gruppen hatten sich jedoch mit Blick auf ihre Überlebensstrategien und damit in der wechselseitigen Abhängigkeit untereinander auseinander entwickelt. Das Experiment zeigte, dass voneinander stark abhängige Viehzüchter und städtische Siedler in wesentlich höherem Maße zu sozialem Lernen neigen als Gemüsebauern, die von ihrem Anbau leben und sich überwiegend auf ihre eigenen Erfahrungen verlassen. Dies deutet darauf hin, dass soziale und wirtschaftliche Praktiken die Strategien des sozialen Lernens formen können. Die Befunde zeigen zudem, dass sich das menschliche Lernen und Denken durch die jeweilige Umgebung verändert. Die Studie lässt darauf schließen, dass Veränderungen in der Wirtschafts- und Lebensweise das Vertrauen in soziale Lernstrategien erhöhen und damit die Anpassungsfähigkeit an neue Umstände verbessern kann. Dies trifft zu, wenn zum Beispiel neue Gebiete besiedelt oder kulturelle Nischen besetzt werden.

Glowacki, L., & Molleman, L. (2017). Subsistence styles shape human social learning strategies. Nat. Hum. Behav. 1, 0098.

Special Issue Feeling Communities

Titel:

Special Issue Feeling Communities

Cover The Indian Economic and Social History Review
© IESH
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Dieses Sonderheft untersucht, welche Rolle Gefühle bei der Entstehung von "Gefühlsgemeinschaften" in Südasien spielten und spielen. Die Themen reichen von der zentralen Rolle, die Mitgefühl bei der Formung der muslimischen Gemeinschaft im 19. Jahrhundert hatten (Margrit Pernau) über die Beiträge, die Romane im 20. Jahrhundert bei der Mobilisierung von Gefühlen und Menschen leisteten (Christina Oesterheld), wie Gefühle durch Performanz in poetischen Versammlungen und in Predigten hervorgerufen werden (Carla Petievich, Max Stille), bis zu Telugu-Filmen, die durch Darstellung von Wut und Mitgefühl zur Massenmobilisierung  beitrugen (Imke Rajamani) und den emotionalen Weltsichten von pakistanischen jungen Männern, die Verbindung zur Jihadi-Bewegung haben (Amélie Blom).

Pernau, M. (Guest ed.). (2017). "Feeling communities [Special issue]". Indian Economic and Social History Review, 54(1).

Theorieintegration: Prospect Theory und Heuristiken als Modelle von Risikoentscheidungen

Titel:

Theorieintegration: Prospect Theory und Heuristiken als Modelle von Risikoentscheidungen

Artikel in Cognitive Psychology
© Cognitive Psychology
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Zwei einflussreiche Ansätze zur Modellierung risikoreicher Entscheidungen sind algebraische Modelle (welche auf die Vorhersage von Entscheidungen fokussieren) und Heuristiken (welche auch die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse beschreiben). Diese beiden Ansätze werden als unvereinbar oder gar entgegengesetzt angesehen, weil sie auf fundamental unterschiedlichen Annahmen und Algorithmen basieren. Die Cumulative Prospect Theory (CPT; Tversky & Kahneman, 1992) ist das zurzeit einflussreichste Beispiel eines deskriptiven algebraischen Modells. Anhand der CPT zeigen die Autoren, wie die beiden Ansätze – algebraische Modelle einerseits und Heuristiken andererseits – miteinander verbunden werden können.

Die algebraischen Funktionen der CPT beschreiben Entscheidungen sowohl mit psychophysischen Konstrukten (abnehmende Sensitivität gegenüber Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen) als auch mit psychologischen Konstrukten (Risiko- und Verlustaversion). Heuristiken beruhen auf einfachen Informationsverarbeitungsprozessen, wie etwa lexikographische und begrenzte Suche. In Computersimulationen haben die Autoren CPT-Parameter für die Entscheidungen verschiedener Heuristiken geschätzt. Die sich ergebenden CPT-Parameter beschreiben die entscheidungsgenerierenden Heuristiken in psychologisch interpretierbarer Weise. Sie stellen zum Beispiel Unterschiede zwischen den Heuristiken in der Verarbeitung von Wahrscheinlichkeitsinformationen dar. Außerdem spiegeln CPT-Parameter lexikographische Informationssuche wider – die eine Schlüsselrolle in vielen Heuristiken spielt. Sie helfen zudem, das umweltabhängige Verhalten von Heuristiken zu erfassen. Schließlich zeigen die Wissenschaftler anhand eines empirischen Datensatzes sowie einer model recovery-Studie, wie Parameterprofile von CPT den Gebrauch von Heuristiken entdecken helfen können. Sie diskutieren aber auch die Grenzen der CPT in der Erfassung von heuristischen Entscheidungen. Die Ergebnisse zeigen das bisher ungenutzte Potential der CPT als Messinstrument der Informationsverarbeitung bei risikoreichen Entscheidungen.

Pachur, T., Suter, R. S., & Hertwig, R. (2017). How the twain can meet: Prospect theory and models of heuristics in risky choice. Cognitive Psychology, 93, 44—73. doi:10.1016/j.cogpsych.2017.01.001

History of science and the emotions (Wissenschaftsgeschichte und Emotionen)

Titel:

History of science and the emotions (Wissenschaftsgeschichte und Emotionen)

Cover Osiris
© The University of Chicago Press Books
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Welche neuen Einsichten ergeben sich für Historiker und Historikerinnen, wenn sie Gefühle als analytische Kategorie berücksichtigen? Dieser Band der Zeitschrift „Osiris“ erkundet die historisch veränderlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Wissenschaften und den ihnen zugehörigen Wissenschaftskulturen einerseits, den allgemeineren Gefühlskulturen andererseits. Die Beiträge zeigen, dass ein Dialog zwischen der Wissenschafts- und Emotionsgeschichte neue Blickwinkel auf die in der Geschichtswissenschaft benutzten Kategorien der Analyse, ihre Akteurskonzepte ebenso wie ihre Periodisierungsvorstellungen ermöglicht. Die hier versammelten zehn Fallstudien forschen diesen Fragen in breitgefächerter Perspektive nach: vom 12. bis ins 20. Jahrhundert, mit Blick auf Europa ebenso wie auf Nordamerika sowie in ihrer Relevanz für unterschiedlichste Wissenschaftsdisziplinen. Die Autoren und Autorinnen analysieren, wie die unterschiedlichen Wissenschaftsgruppen die Kategorie Emotion gestalteten und deren Wirkungsweise experimentell erforschten; wie Wissenschaftler Gefühle innerhalb oder zwischen Körper, Geist und Subjekten verorteten; wie Annahmen über Gefühle ebenso wie die Gefühle der beteiligten Wissenschaftler oder ihrer Probanden neue Wissenschaftspraktiken hervorbrachten oder bestehende veränderten und schließlich wie gewandelte Gefühlkonzepte neues Wissen ebenso wie veränderte wissenschaftliche oder außerwissenschaftliche Technologien und Subjektivitätsbegriffe schufen.

Dror, O. E., Hitzer, B., Laukötter, A., & León-Sanz, P. (Eds.). (2016). History of science and the emotions [Special issue]. Osiris, 31(1).

On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations

Titel:

On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations

 European Journal of Operational Research
© EJOR
Bereich: 
Adaptives Verhalten und Kognition
Zusammenfassung: 

Psychologische Heuristiken sind Modelle der Entscheidungsfindung, die a) auf grundlegenden psychologischen Fähigkeiten wie der Mustererkennung aufbauen, b) nicht zwingend alle verfügbaren Informationen zur Entscheidungsfindung verwenden und diese Informationen auf einfache Weise zusammenführen (z.B. durch Rangordnungsvergleiche oder nicht-gewichtetes Summieren) und c) leicht zu verstehen, anzuwenden und zu vermitteln sind. Dieser Artikel nähert sich dem auf vier verschiedenen Wegen: Zuerst werden die konzeptionellen Grundlagen des Forschungsprogramms zu psychologischen Heuristiken dargestellt und deren Verhältnis zu „weicher“ und „harter“ Operationsforschung diskutiert. Als nächstes werden empirische Daten und theoretische Analysen präsentiert, die für unterschiedliche Anwendungsbereiche wie Gesundheit, Ökonomie und Management zeigen, unter welchen Bedingungen psychologische Heuristiken gleichwertige oder bessere Ergebnisse erzielen können als wesentlich komplexere Standardmodelle wie multifaktorielle Entscheidungsanalyse, Klassifizierung oder Vorhersage. Drittens wenden die Autoren den Ansatz der „psychologischen Heuristiken“ auf das Problem der Reduzierung von zivilen Opfern in militärischen Operationen an. Zuletzt umreißen sie die Rolle, die psychologische Heuristiken in der Theorie und Praxis von Operationsforschung spielen können.

Keller, N., Katsikopoulos, K. V. (2016). On the role of psychological heuristics in operational research; and a demonstration in military stability operations. European Journal of Operational Research, 249, 1063—1073.

Kombination unabhängiger Urteile verbessert medizinische Diagnostik

Titel:

Kombination unabhängiger Urteile verbessert medizinische Diagnostik

Artikel in PNAS
© PNAS
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Wenn Gruppen bessere Entscheidungen als Einzelne bei der Lösung komplexer kognitiver Probleme treffen, bezeichnet man das als kollektive Intelligenz. Obwohl kollektive Intelligenz das Potential hat, Entscheidungsprozesse in vielen Bereichen wie Medizin, Wirtschaft und Politik zu revolutionieren, ist noch wenig über die zugrunde liegenden Bedingungen in der realen Welt bekannt. Die Forscher konzentrieren sich hier auf zwei Schlüsselgebiete medizinischer Diagnostik: Brust- und Hautkrebserkennung. Mit Hilfe einer Simulationsstudie, die mehr als 20.000 gestellte Diagnosen von mehr als 140 Ärzten umfasst, untersuchte das Team, unter welchen Bedingungen die Kombination der unabhängigen Urteile verschiedener Ärzte das Urteil des besten Arztes einer Gruppe übertrifft. Die Ergebnisse zeigen, dass es auf die Ähnlichkeit der Diagnosegenauigkeit ankommt: Eine ähnliche Diagnosegenauigkeit ist eine Schlüsselbedingung kollektiver Intelligenz. Die Kombination unabhängiger Urteile übertrifft den besten Arzt einer Gruppe nur dann, wenn die Diagnosegenauigkeit der Ärzte relativ ähnlich ist und nicht, wenn sich die Diagnosegenauigkeit zu stark unterscheidet. Dieses verblüffend einfache Ergebnis ist äußerst stabil und gilt auch bei unterschiedlichen Gruppengrößen, bei unterschiedlichen Leistungsniveaus des besten Arztes und bei unterschiedlichen Regeln kollektiver Intelligenz. Mit der Identifizierung dieses Schlüsselfaktors kollektiver Intelligenz in zwei wichtigen Lebenskontexten ebnen diese Forschungsergebnisse den Weg für innovative und effektive Lösungsansätze komplexer Entscheidungen in der realen Welt und der wissenschaftlicher Analyse dieser Lösungsansätze.

Kurvers, R. H. J. M., Herzog, S. M., Hertwig, R., Krause, J., Carney, P. A., Bogart, A., et al. (in press). Boosting medical diagnostics by pooling independent judgments. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. doi:10.1073/pnas.1601827113

Bodies and Affects in Market Societies

Titel:

Bodies and Affects in Market Societies

Titel Bodies and Affects in Market Societies
© Mohr Siebeck
Bereich: 
Geschichte der Gefühle
Zusammenfassung: 

Veröffentlicht auf Englisch.
Wie werden Körper und Affekte in liberalen Marktgesellschaften geformt? Und vice versa: Welche Rolle spielen Affekte und Körper für die Genese, die Stabilisierung und den Wandel von Marktgesellschaften? Diesen Fragen gehen die Autorinnen und Autoren in pointierten Fallstudien mit je eigenem theoretischem Ehrgeiz nach. Das Anliegen des Bandes ist es, neue Forschungsansätze etwa aus der History of Emotions, den Affect Studies oder der Akteur-Netzwerk-Theorie vorzustellen und ihren Nutzen für die Analyse kapitalistischer Gesellschaften zu testen. Die von Soziologen, Ethnologen und Historikern verfassten empirischen Untersuchungen befassen sich mit Entwicklungen in Europa, den USA und Australien vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Themen wie Spekulation, Industrieproduktion, Werbung und Ethik werden in historischen und gegenwartsbezogenen Fallstudien exemplarisch behandelt und dabei Neues zu den Dimensionen Arbeit und Konsum, Klasse und Geschlecht zutage gefördert.

Inhaltsübersicht
Christoph Conrad/Anne Schmidt: Introduction – Thomas Welskopp: Sons of Vulcan. Industrial Relations and Attitudes towards Work among German and American Iron and Steel Workers in the 20th Century – Peter-Paul Bänziger: What Makes People Work: Producing Emotional Attachments to the Workplace in Post-WWII Western German Vocational Schools – Alexandra Michel: The Bodily Structuration of Knowledge Work: A Twelve-Year Ethnography of Wall Street Bank Socialization Practices and their Diffusion – Alexander Engel: The Exchange Floor as a Playing Field: Bodies and Affects in Open-Outcry Trading – Fiona Allon: The Wealth Affect: Speculation as Everyday Habitus – Susan J. Matt: From Sin to Economic Stimulant: Envy's Changing Place in American Capitalism – Franck Cochoy: On the Marketization of Curiosity: The Shop Window as a »Captation« Device – Anne Schmidt: From Thrifty Housewives to Shoppers with Needs: On a Capitalist Education Program

Schmidt, A. & Conrad, Ch. (Eds.). (2016): Bodies and Affects in Market Societies. Tübingen: Mohr Siebeck. ISBN 978-3-16-152776-0

Wiederholte strukturelle Bildgebung deckt den nicht-linearen Verlauf erfahrungsabhängiger Größenveränderungen im menschlichen motorischen Cortex auf

Titel:

Wiederholte strukturelle Bildgebung deckt den nicht-linearen Verlauf erfahrungsabhängiger Größenveränderungen im menschlichen motorischen Cortex auf

Artikel Cerebral Cortex
© Cerebral Cortex
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Immer häufiger werden erfahrungsabhängige strukturelle Hirnveränderungen beim erwachsenen Menschen nachgewiesen. Ihr zeitlicher Verlauf ist jedoch nicht aufgeklärt, da Interventionsstudien meist nur zwei Messpunkte der Bildgebung vorsehen (vor und nach einem Training). Während einer siebenwöchigen Periode, in der 15 rechtshändige Studienteilnehmer linkshändiges Schreiben und Zeichnen übten, nahmen wir bis zu 18 strukturelle Magnetresonanzbilder auf. Nach vier Wochen beobachteten wir im Vergleich zu einer Kontrollgruppe Zuwächse der grauen Substanz sowohl der linken als auch der rechten primären motorischen Hirnrinde; drei Wochen später waren die Unterschiede aber nicht mehr zuverlässig erkennbar. Zeitreihenanalysen zeigten, dass sich die graue Substanz in den primären motorischen Arealen in den ersten vier Wochen ausdehnte und dann trotz des fortgesetzten Trainings und eines Zuwachses der Linkshandfähigkeiten vor allem in der rechten Hirnhälfte teilweise wieder normalisierte. Ähnliche Zunahmen, die von partieller Renormalisierung gefolgt werden, werden auch bei der Synaptogenese, der Plastizität des kortikalen Mappings und der Hirnreifung beobachtet und könnten als allgemeines Prinzip struktureller Plastizität aufgefasst werden. Untersuchungen der menschlichen Hirnplastizität sollten mehr als zwei Messzeitpunkte einbeziehen, um Prozesse der Ausdehnung und der potentiellen Renormalisierung über die Zeit erfassen zu können.

Wenger, E., Kühn, S., Verrel, J., Mårtensson, J., Bodammer, N. C., Lindenberger, U., & Lövdén, M. (2016). Repeated structural imaging reveals non-linear progression of experience-dependent volume changes in human motor cortex. Cerebral Cortex. Advance online publication.
doi: 10.1093/cercor/bhw141

Maskiertes morphologisches Priming bei deutsch-sprachigen Erwachsenen und Kindern: Ergebnisse auf Grundlage von Reaktionszeitverteilungen

Titel:

Maskiertes morphologisches Priming bei deutsch-sprachigen Erwachsenen und Kindern: Ergebnisse auf Grundlage von Reaktionszeitverteilungen

Masked morphological priming in German-speaking adults and children: Evidence fr
© Frontiers
Bereich: 
MPFG "REaD" | Schriftspracherwerb und Leseentwicklung
Zusammenfassung: 

Die Studie untersucht maskiertes morphologisches Priming bei deutsch-sprachigen Kindern und Erwachsenen unter Berücksichtigung von Reaktionszeitverteilungen. Primingeffekte von suffigierten Wörtern (kleidchen-KLEID), suffigierten Nichtwörtern (kleidtum-KLEID), nicht-suffigierten Nichtwörtern (kleidekt-KLEID) und Kontrollwörtern (träumerei-KLEID) wurden verglichen. Das Ergebnismuster für Erwachsene zeigt verkürzte Reaktionszeiten durch suffigierte Wörter, suffigierte Nichtwörter und nicht-suffigierte Nichtwörter als Primes im Vergleich zu Kontrollwortprimes, und durch beide suffigierte Primes im Vergleich zu nicht-suffigierten Primes. Dieses Muster weist auf morpho-orthographische Effekte und embedded stem priming hin. Kinder zeigen ebenfalls verkürzte Reaktionszeiten durch suffigierte Wörter, suffigierte Nichtwörter und nicht-suffigierte Nichtwörter im Vergleich zu Kontrollwortprimes, aber keine Unterschiede zwischen den suffigierten und nicht-suffigierten Primes. Dies spricht dafür, dass deutsch-sprachige Grundschüler keine morpho-orthographische Segmentierung verwenden. Für alle Primingeffekte wurde eine Verschiebung der Reaktionszeitverteilung beobachtet. Daraus resultierende Konsequenzen für Theorien der morphologischen Verarbeitung werden diskutiert.

Hasenäcker, J., Beyersmann, E., & Schroeder, S. (2016). Masked morphological priming in German-speaking adults and children: Evidence from response time distributions. Frontiers in Psychology, 7: 929.
doi:10.3389/fpsyg.2016.00929

Children adapt their questions to achieve efficient search

Titel:

Children adapt their questions to achieve efficient search

Children adapt their questions to achieve efficient search | Cover page
© Cognition
Bereich: 
Adaptives Verhalten und Kognition
Zusammenfassung: 

Eine Möglichkeit etwas über die Welt zu lernen, besteht darin, Fragen zu stellen. Wir untersuchen, wie jüngere Kinder (7- bis 8-Jährige), ältere Kinder (9- bis 11-Jährige) sowie junge Erwachsene (17- bis 18-Jährige) Fragen stellen, um die Ursache für ein Ereignis herauszubekommen. Wir beobachteten eine Entwicklungsverschiebung von der Verwendung überprüfender Fragen (die Hypothesen direkt testen) zu einschränkenden Fragen (die den Bereich von Hypothesen reduzieren). Gleichzeitig stellten wir fest, dass alle Altersgruppen häufiger einschränkende Fragen stellen, wenn sich überprüfende Fragen voraussichtlich nicht auszahlen, das heißt, wenn die Lösung eine von mehreren gleich wahrscheinlichen Alternativen (Studie 1) oder wenn das Problem schwierig (Studien 1 und 2) ist. Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass selbst kleine Kinder ihre Fragestrategien dynamisch anpassen, um die Effizienz der Informationssuche zu erhöhen.

Ruggeri, A., & Lombrozo, T. (2015). Children adapt their questions to achieve efficient search. Cognition, 143, 203–216. doi:10.1016/j.cognition.2015.07.004