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Die Reife des Hippocampus fördert den Detailreichtum des Gedächtnisses in Kindheit und Jugend

Titel:

Die Reife des Hippocampus fördert den Detailreichtum des Gedächtnisses in Kindheit und Jugend

Cover Keresztes
© PNAS
Bereich: 
Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung: 

Adaptive Lernsysteme müssen zwei komplementäre und teilweise widersprüchliche Ziele erreichen: Die Erkennung von Gesetzmäßigkeiten in der Welt versus Erinnerung an spezifische Ereignisse. Der Hippocampus (HC) erhält die feine Balance zwischen der Extraktion von Gemeinsamkeiten eintreffender Informationen (d.h., Mustervervollständigung) und der Kodierung sehr ähnlicher Ereignisse in einzigartige Repräsentationen (d.h., Mustertrennung). Histologische Befunde an jungen Rhesusaffen lassen vermuten, dass die Entwicklung des HC durch differenzielle Entwicklung von intrahippocampalen Subfeldern und den assoziierten Netzwerken charakterisiert ist. Der ontogenetische Zeitplan der HC-Subfeldreifung bleibt jedoch wegen der Herausforderungen von in-vivo Untersuchungen dieser Entwicklung umstritten. Die genaue Beschreibung des zeitlichen Ablaufs ist aber wichtig, weil dieser das feine Gleichgewicht zwischen Prozessen der Mustertrennung und Mustervervollständigung beeinflusst, und somit auch die Veränderungen des Lernens und des Gedächtnisses im Verlaufe der Entwicklung. Wir setzen hier Daten hochauflösender struktureller Magnetresonanztomographie von HC-Subfeldern von 6- bis 14-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen mit ihren behavioralen Gedächtnisleistungen in Beziehung. Wir identifizieren ein multivariates Profil von altersassoziierten Unterschieden in intrahippocampalen Strukturen und zeigen, dass die durch dieses Profil erfasste Reife des HC mit Altersunterschieden in der differenziellen Kodierung spezifischer Gedächtnisrepräsentationen assoziiert ist.

Bedeutung
Kinder neigen dazu, schematische Wissensinhalte auf Kosten des Lernens und Erinnerns spezifischer Ereignisse zu extrahieren. Unsere Befunde lassen uns vermuten, dass die uneinheitliche Entwicklung von Subregionen des Hippocampus – einer Hirnregion, die für die Bildung neuer Erinnerungen bedeutsam ist – zu dieser Entwicklungsverzögerung im Gedächtnisbereich beiträgt. Wir nutzten hochauflösende strukturelle in-vivo Magnetresonanztomographie (MRT) und Gedächtnistests, um in einer großen Stichprobe von Kindern im Alter von 6 bis14 Jahren und jungen Erwachsenen die Entwicklung des Hippocampus zu beschreiben. Wir konnten zeigen, dass seine Reife, erfasst als das multivariate Muster von altersassoziierten Unterschieden in hippocampalen Subregionen, vor allem mit der Fähigkeit zusammenhängt, höchst spezifische Gedächtnisinhalte zu bilden.

Keresztes, A., Bender, A. R., Bodammer, N. C., Lindenberger, U., Shing, Y. L., & Werkle-Bergner, M. (2017). Hippocampal maturity promotes memory distinctiveness in childhood and adolescence. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 114, 9212–9217. doi:10.1073/pnas.171065411

Siehe auch Pressemitteilung: Das Gedächtnis für Details reift langsam heran