EnglishDeutsch

Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture

Title:

Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture

Paper
© Elsevier
Bereich: 
Adaptive Rationalität
Zusammenfassung: 

Viele psychologische Theorien gehen davon aus, dass Denkprozessen verschiedene Strategien zur Verfügung stehen, die sich hinsichtlich ihres kognitiven Aufwands unterscheiden. Doch wie sind diese kognitiven Kosten zu konzeptualisieren, und wie können sie gemessen werden?  Die Autoren schlagen im vorliegenden Paper einen Ansatz vor, der die kognitiven Kosten von Entscheidungsstrategien in die Zeitanteile zerlegt, währenddessen die für die Ausführung der Strategien notwendigen kognitive Ressourcen genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Ressourcen für die Wahrnehmung, Speicherung und Abruf von Informationen, Koordination von mentalen Prozessen, und die motorische Ausführung einer Entscheidung. Dieser Ansatz ist eingebettet in die kognitive Architektur ACT-R (Adaptive Control of Thought – Rational).

Mit Hilfe von ACT-R kann simuliert werden, wie kognitiven Ressourcen bei der Ausführung von Strategien miteinander interagieren; dabei kann auch die Möglichkeit berücksichtigt werden, dass manche Prozesse parallel, andere aber sequentiell ausgeführt werden. Mit ihren Ansatz ermittelten die Autoren die kognitiven Kosten von zwei bekannten Entscheidungsstrategien: Bei der Tallying-Strategie werden für jede Entscheidungsalternativen alle Attribute aufsummiert, die für die Alternative sprechen. Die Alternative mit der höheren Summe wird ausgewählt. Bei der Take-the-best-Strategie werden dagegen die Attribute der Wichtigkeit nach betrachtet; sobald ein Attribut für eine Alternative spricht, wird diese Alternative gewählt, und alle anderen Attribute werden nicht mehr betrachtet. Da Take-the-best somit oft Informationen ignoriert, gilt diese Strategie gemeinhin als einfacher als Strategien wie Tallying. In ACT-R-basierten Simulationen und einer empirischen Studie fanden die Autoren hingegen, dass bei steigenden kognitiven Anforderungen (z.B. im Kontext einer Doppelaufgabe) die Zeitkosten von Take-the-best höher sein können als die Kosten von Tallying. Weitere Analysen zeigten, dass dies dadurch zustande kommt, dass bei Take-the-best höhere Kosten für die Auffrischung und Rekonstruktion von Informationen und die Koordination von mentalen Prozessen anfallen als bei Tallying.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass für die Beurteilung der Komplexität (bzw. Einfachheit) von Strategien das gesamte kognitive System berücksichtigt werden muss, in das die Strategien eingebettet sind. Die Verarbeitung von weniger Information kann in gewissen Situationen aufwändiger sein als die Verarbeitung von mehr Information.

Fechner, H. B., Schooler, L. J., & Pachur, T. (2018). Cognitive costs of decision-making strategies: A resource demand decomposition with a cognitive architecture. Cognition, 170, 102-122. doi:10.1016/j.cognition.2017.09.003