Elderbot
 

Künstliche Intelligenz gegen Einsamkeit?

Einsamkeit betrifft viele Menschen, besonders im höheren Alter. Sie kann ernsthaft krank machen und geht mit einem erhöhten Risiko für Depressionen, kognitiven Einbußen sowie einer verkürzten Lebenserwartung einher.

Hier soll der Elderbot helfen: ein digitaler Gesprächspartner für Menschen ab 60. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) hört er zu, stellt Fragen und macht Mut. Der Elderbot soll weder Mensch noch Therapie ersetzen. Stattdessen unterstützt er dabei, Selbstvertrauen und soziale Fähigkeiten zu stärken – anonym, niedrigschwellig und von zu Hause aus. So kann er Hemmschwellen abbauen und ermutigen, wieder mehr Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Doch wie viel Nähe kann eine KI geben? Und wo brauchen wir echte menschliche Begegnungen? 

Elderbot ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Forschungsbereiche Mensch und Maschine und Umweltneurowissenschaften des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Klinik für Psychiatrie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Der Chatbot befindet sich aktuell in der Test- und Erprobungsphase.


 

Fragen und Antworten zu Elderbot

Auf welchem Forschungsprojekt basiert Elderbot?
Elderbot geht aus der klinischen Studie „Elderbot: Evaluierung der Gebrauchstauglichkeit, Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz eines Chatbots gegen Einsamkeit im höheren Lebensalter“ hervor. In der Studie wird untersucht, wie ältere Menschen einen KI-basierten, sozial-interaktiven Agenten (Elderbot) nutzen und bewerten.
Elderbot ist ein gemeinsames Projekt des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (Forschungsbereich Umweltneurowissenschaften und Forschungsbereich Mensch und Maschine) und der Klinik für Psychiatrie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf.
 
Was genau wird in diesem Forschungsprojekt untersucht?
Untersucht wird, ob der Elderbot Einsamkeit bei älteren Menschen wirksam reduzieren kann. Der Elderbot wurde als Selbsthilfeintervention entwickelt, die soziale Unterstützung bietet, das Selbstvertrauen stärkt und die Motivation fördert, soziale Kontakte (wieder) aufzubauen.
Als Teil dieses Projektes wurde in der oben genannten klinischen Studie untersucht, wie gut ältere Patient*innen den Elderbot bedienen können und wie sie die Nutzung erleben. Dazu gehören die Gebrauchstauglichkeit (Usability), die wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit und der subjektive Nutzen. Außerdem wird erfasst, wie hoch die Akzeptanz gegenüber einem KI-basierten Gesprächspartner ist und ob der Elderbot als Unterstützung gegen Einsamkeit wahrgenommen wird. Ein weiterer Fokus liegt auf der Entwicklung von Aspekten wie sozialer Unterstützung, Vertrauen, Sympathie und wahrgenommener Intelligenz. Zusätzlich werden Veränderungen in psychischen Symptomen wie Depression, Angst und Einsamkeit vor und nach der Nutzung gemessen.
Gleichzeitig wird untersucht, wie solche KI-Systeme in der Anwendung sicher gestaltet werden können.
 
Warum ist das für Forschende interessant? Was ist das Neue daran?
Sozial-interaktive Agenten sind ein noch junges Forschungsfeld, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit älterer Menschen. Der Elderbot nutzt ein Large Language Model von OpenAI und ermöglicht dadurch deutlich natürlichere Interaktionen als bisherige Systeme. Neu ist außerdem, dass ein solcher Ansatz erstmals im klinischen Kontext systematisch untersucht wird. Die Studie trägt dazu bei, zu klären, unter welchen Bedingungen KI-basierte Systeme sinnvoll eingesetzt werden können. Dabei spielen transparente Entwicklung, überprüfbare Evidenz und klinische Einbindung eine zentrale Rolle. Auch die Entwicklung von Qualitätskriterien für digitale Helfer ist ein wichtiges, neues Forschungsfeld.
 
Warum ist das für die Gesellschaft interessant?
Einsamkeit im höheren Lebensalter ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem: Bereits etwa jede vierte Person über 50 ist betroffen (BMFSFJ, 2024). Die Folgen sind erheblich und reichen von einem erhöhten Risiko für Depressionen und kognitive Beeinträchtigungen bis hin zu einer verkürzten Lebenserwartung. Eine alternde Gesellschaft steht vor der Herausforderung, neue und niedrigschwellige Unterstützungsangebote zu schaffen – insbesondere für Menschen ohne stabiles soziales Netzwerk. Obwohl wirksame Interventionen gegen Einsamkeit existieren, kann davon ausgegangen werden, dass nur ein Teil der Betroffenen davon erreicht wird. KI-basierte Systeme wie der Elderbot sind potenziell kostengünstig skalierbar und könnten helfen, Versorgungslücken zu schließen. Sie könnten dazu beitragen, Lebensqualität, psychische Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe im Alter zu verbessern.
 
Wie wird die Sicherheit für Nutzer*innen gewährleistet?
Da Large Language Models im Bereich der mentalen Gesundheit noch ein junges und wenig erforschtes Feld sind, können problematische Antworten auftreten, etwa stigmatisierende Aussagen oder unpassende Inhalte.
Im Projekt wird daher besonderer Wert auf Sicherheit gelegt. Der Elderbot macht keine therapeutischen Versprechen und ist kein Diagnosesystem. Ergänzend wurde ein Hybrid Psychiatrist-in-the-Loop Monitoring System entwickelt, das klinisch-psychiatrische und softwaretechnische Expertise kombiniert. Ziel ist es, die Sicherheit wissenschaftlich zu prüfen. Es umfasst zwei Komponenten: automatisiertes Testen der Modellsicherheit vor dem Einsatz sowie ein Echtzeit-Monitoring der tatsächlichen Gespräche, sowohl automatisiert als auch durch Fachpersonal. Dieses System wird im Rahmen der randomisiert-kontrollierten Studie eingesetzt, um die Sicherheit der Gespräche kontinuierlich zu überwachen.
Der Sicherheitsmechanismus beinhaltet Filter für sicherheitsrelevante Inhalte wie Selbstverletzung, Gewalt oder Hassrede sowie fachliche Beratung. Die Gestaltung orientiert sich an Prinzipien der Socioaffective Alignment-Forschung, also der Forschung dazu, wie KI sozial angemessen und emotional unterstützend kommuniziert, ohne Risiken zu verstärken. Die Gesprächsführung ist unterstützend und emotional validierend, ohne fachliche Beratung zu ersetzen.
 
Was sind die Takeaways?
  • Elderbot ist kein Ersatz für Therapie, sondern eine innovative, niedrigschwellige Unterstützung für ältere Menschen, die sich einsam fühlen.
  • Das Projekt ist wissenschaftlich bedeutsam, weil es untersucht, wie KI verantwortungsvoll in der psychischen Gesundheit eingesetzt werden kann – ein Feld voller Chancen, aber auch Risiken.
  • Die Studie prüft, ob und wie ein solcher Chatbot helfen kann, und welche Sicherheitsmechanismen dafür nötig sind.
  • Für die Gesellschaft bietet Elderbot das Potenzial, eine Versorgungslücke zu schließen, die durch Einsamkeit und fehlende therapeutische Zugänge entsteht.
     

 

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