Monografien und Herausgaben 2015 - 2016


Otniel Dror/ Bettina Hitzer/ Anja Laukötter/ Pilar León-Sanz (eds),<em> History of Science and the Emotions. Special issue of Osiris</em>, 31.1 (2016).

Otniel Dror/ Bettina Hitzer/ Anja Laukötter/ Pilar León-Sanz (eds), History of Science and the Emotions. Special issue of Osiris, 31.1 (2016).

Welche neuen Einsichten ergeben sich für Historiker und Historikerinnen, wenn sie Gefühle als analytische Kategorie berücksichtigen? Dieser Band der Zeitschrift "Osiris" erkundet die historisch veränderlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Wissenschaften und den ihnen zugehörigen Wissenschaftskulturen einerseits, den allgemeineren Gefühlskulturen andererseits. Die Beiträge zeigen, dass ein Dialog zwischen der Wissenschafts- und Emotionsgeschichte neue Blickwinkel auf die in der Geschichtswissenschaft benutzten Kategorien der Analyse, ihre Akteurskonzepte ebenso wie ihre Periodisierungsvorstellungen ermöglicht. Die hier versammelten zehn Fallstudien forschen diesen Fragen in breitgefächerter Perspektive nach: vom 12. bis ins 20. Jahrhundert, mit Blick auf Europa ebenso wie auf Nordamerika sowie in ihrer Relevanz für unterschiedlichste Wissenschaftsdisziplinen. Die Autoren und Autorinnen analysieren, wie die unterschiedlichen Wissenschaftsgruppen die Kategorie Emotion gestalteten und deren Wirkungsweise experimentell erforschten; wie Wissenschaftler Gefühle innerhalb oder zwischen Körper, Geist und Subjekten verorteten; wie Annahmen über Gefühle ebenso wie die Gefühle der beteiligten Wissenschaftler oder ihrer Probanden neue Wissenschaftspraktiken hervorbrachten oder bestehende veränderten und schließlich wie gewandelte Gefühlkonzepte neues Wissen ebenso wie veränderte wissenschaftliche oder außerwissenschaftliche Technologien und Subjektivitätsbegriffe schufen.
Margrit Pernau/ Helge Jordheim/ Emmanuelle Saada/ Orit Baschkin/ Christian Bailey/ Einar Wigen/ Orit Bashkin/ Mana Kia/ Mohinder Singh/ Rochona Majumdar/ Angelika C. Messner/ Oleg Benesch/ Myongkyu Park/ Jan Ifversen, <em>Civilizing Emotions. Concepts in Nineteenth Century Asia and Europe. </em>Oxford: Oxford University Press, 2015.

Zivilität und Zivilisation sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch – oder wieder – Schlüsselbegriffe der politischen Diskussion. Allzu oft werden sie jedoch verwendet, als ob ihre Bedeutung eindeutig sei und keiner weiteren Erklärung bedürfe. Die begriffshistorische Untersuchung, die das Buch leistet, trägt zur Selbstreflektivität der Debatte bei und verleiht ihr Tiefenschärfe. Im Gegensatz zu früheren Studien nimmt Civilizing Emotions dabei eine dezidiert globalhistorische Perspektive ein; es ist das Ergebnis einer intensiven, vierjährigen Zusammenarbeit von namhaften Spezialisten der Geschichte der jeweiligen Regionen. Civilizing Emotions betont die Rolle, die das Vokabular der Zivilität und Zivilisation bei der Schaffung einer neuen und hierarchischen globalen Ordnung im Zeitalter des Hochimperialismus spielte. Dabei wird das Ausmaß deutlich, in dem die innereuropäischen Diskussionen Entwicklungen, die zeitgleich in asiatischen Ländern stattfanden, beeinflussten, aber auch von ihnen geprägt wurden.

Emotionen standen im Zentrum der Debatten um Zivilität und Zivilisation und der Praktiken, zu denen sie Anlass gaben. Civilizing Emotions untersucht, warum und in welcher Weise Gefühle – ihre Kontrolle, aber auch ihre Kultivierung – mit der neuen globalen Ordnung verknüpft waren. Das Buch ist ein Beitrag zur Emotionsgeschichte, zur Globalgeschichte und zur Begriffsgeschichte – drei innovative Forschungsfelder, die hier zum ersten Mal zusammengebracht werden.

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