EU-Kommission legt Vorschlag für EU KIDS Act vor
Expertise aus dem Forschungsbereich Adaptive Rationalität in Vorlage eingebracht
Die Europäische Kommission hat am 17. September einen Vorschlag für einen neuen EU KIDS Act vorgestellt. Mit dem Gesetzesvorhaben sollen Kinder und Jugendliche besser vor Risiken digitaler Plattformen geschützt und europaweit altersgerechte Regeln für die Nutzung sozialer Medien eingeführt werden. Vorgesehen sind unter anderem altersabhängige Zugangsregelungen, strengere Schutzmaßnahmen für Minderjährige sowie höhere Anforderungen an Plattformbetreiber.
An den Debatten im Vorfeld war auch David Grüning, Postdoc im Forschungsbereich Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, beteiligt. Seit dem Sommer hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis konsultiert, um mögliche Regulierungsansätze für soziale Medien und deren Auswirkungen auf junge Menschen zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser Gespräche flossen in die nun vorgelegten Vorschläge ein.
Grüning setzte sich dabei insbesondere für bessere Voraussetzungen unabhängiger Forschung ein. Gemeinsam mit europäischen Entwickler*innen digitaler Sicherheitstechnologien initiierte er einen offenen Brief an die Europäische Kommission. Die Unterzeichnenden forderten, Interoperabilität stärker zu verankern, also technische Schnittstellen, die einen sicheren und standardisierten Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen ermöglichen.
Dadurch könnten Forschende und andere unabhängige Akteure leichter auf relevante Plattformdaten zugreifen und fundierter untersuchen, wie Kinder und Jugendliche soziale Medien tatsächlich nutzen und was ihnen für einen gesünderen und selbstbestimmteren Umgang wirklich helfen würde. Der offene Brief wurde Anfang September veröffentlicht.
Inhaltlich weist der vorgeschlagene EU KIDS Act zahlreiche Überschneidungen mit Empfehlungen auf, die bereits im Diskussionspapier „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina formuliert wurden. An der Erarbeitung dieser Empfehlungen war auch Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität, gemeinsam mit Kolleg*innen beteiligt. Zu den zentralen Vorschlägen zählen altersabhängige Zugangsregelungen, ein stärkerer Fokus auf die Gestaltung digitaler Umgebungen sowie eine größere Verantwortung von Plattformen für das Wohlergehen junger
Nutzer*innen. Mit der Vorlage der Europäischen Kommission beginnt nun das gesetzgeberische Verfahren auf EU-Ebene. Der Vorschlag wird in den kommenden Monaten vom Europäischen Parlament und vom Rat der Europäischen Union diskutiert. Erst nach Abschluss der Verhandlungen kann der EU KIDS Act in Kraft treten
Weiterführende Informationen
- EU KIDS Act: helping children navigate a safer online world
- Offener Brief zur Interoperabilität sozialer Medien von Entwicklern der Apps one sec, Myranda, UseLess, ScrollGuard, SocialHope, Antigram, and Tournesol.org, 9. September 2026: We are already making social media safer - now it is time to give us safety!
- Leopoldina-Diskussionspapier „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ (August 2025)












