Illusionen und Umwelt/Wohnen und visuelle Wahrnehmung

Warum wir die physikalische Welt manchmal nicht so wahrnehmen, wie sie wirklich ist, sondern durch geometrische Illusionen getäuscht werden, beschäftigt Wissenschaft und Gesellschaft seit Langem. Es ist wichtig zu verstehen, dass Illusionen kein Fehler unseres Gehirns sind. Vielmehr deuten sie auf bestimmte Funktionen in unserer visuellen Wahrnehmung hin. Deshalb eignen sich geometrische Illusionen besonders gut, um die Mechanismen der Wahrnehmungsverarbeitung zu erforschen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen – etwa in Asien, im Westen oder in Afrika – eine verschiedene Anfälligkeit für Illusionen aufweisen. Wir möchten herausfinden, ob auch die physikalische Umgebung einen Einfluss auf das Erleben von Illusionen hat, was Hinweise auf eine veränderte visuelle Wahrnehmung in Städten im Vergleich zum Land liefern könnte. Deshalb analysieren wir, in welcher Umgebung Menschen wohnen – zum Beispiel wie viele Bäume und Parks es gibt oder wie hoch die Gebäude in der Nachbarschaft sind – und untersuchen gleichzeitig, wie die Bewohner visuelle Reize, insbesondere geometrische Illusionen wie die Ebbinghaus-, Müller-Lyer- oder Ponzo-Illusion, wahrnehmen.

Um den direkten Einfluss des aktuellen Wohnumfelds besser untersuchen zu können, nutzen wir ein Zwillingsdesign: ein- und zweieiige Zwillinge, die entweder genetisch nahezu identisch sind oder sich ähneln. So können wir gezielt erforschen, wie Gene, frühe Umweltfaktoren und die gegenwärtige Umgebung unsere visuelle Wahrnehmung beeinflussen.

Zur Redakteursansicht