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| Einfluss
statt Anpassung Ein Kommentar zur Internationalisierung der APA-Zeitschriften |
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Viele meiner deutschsprachigen Kollegen und Freunde sehen sich vor einem Dilemma: soll man den mühsamen Weg beschreiten, europäische Fachzeitschriften zu impact-starken Konkurrenzprodukten zu den APA-Zeitschriften aufzubauen oder soll man versuchen, in APA-Zeitschriften zu publizieren und das Übel akzeptieren, sich an die nordamerikanische Psychologie anpassen zu müssen? Um dieses Übel zu vermeiden, votierte Hans Westmeyer (1998) vehement mit einem entschiedenen "Nein!" zu APA-Zeitschriften und Leo Montada (1998) diskutierte, nicht immer ganz ernst gemeint, Strategien und Tricks zur Linderung der Mühen des ersten Wegs. Zweifellos ist eine weitere Profilierung von Fachzeitschriften auf europäischer Ebene wesentlich, und ich bewundere die Kollegen, die ihre Zeit und Vorstellungskraft darauf verwenden. Dieser Weg erfordert in der Tat viel Kraft, neue Ideen und harte Arbeit. In diesem Beitrag versuche ich zu begründen, dass das Dilemma in der Form, wie ich es formuliert habe, auf einer falschen Annahme beruht. In APA-Zeitschriften zu publizieren bedeutet nicht, dass wir auf lange Sicht von dem grossen Bruder abhängig werden. Im Gegenteil. Anpassung? Es scheint die weit verbreitete Meinung zu bestehen, dass regelmässige Publikationen in APA-Zeitschriften mit dem Preis der Anpassung zu bezahlen seien. Diese Bedenken klingen auch bei Westmeyer an, wenn er warnt: "Wir begeben uns in die Abhängigkeit von einer nationalen Fachgesellschaft, der APA, und verstärken noch die Vorherrschaft der nordamerikanischen Psychologie. Wollen wir das?" Ich halte diese Vorstellung von der Anpassung für eine falsche Einschätzung der heutigen Situation. Ich bin der Meinung, dass regelmässige Publikationen in APA-Zeitschriften das genaue Gegenteil bewirken - einen wachsenden Einfluss statt wachsender Anpassung. Ich werde dies zunächst am Beispiel des Psychological Reviews, der wohl renommiertesten aller APA-Zeitschriften, illustrieren. Einfluss! Dem Anpassungs-Mythos widerspricht die Realität, die jeder erfährt, der regelmässig in APA-Zeitschriften publiziert: Kaum hat man stolz seinen ersten Artikel veröffentlicht, findet man sich in der Rolle eines Reviewers für diverse APA-Zeitschriften oder schliesslich gar auf einem Editorial Board. In all diesen Funktionen kann und muss man aktiven Einfluss nehmen auf die Auswahl, den Inhalt und die Methoden der Artikel, die in einer APA-Zeitschrift erscheinen: als Autor, als Reviewer, als Mitglied des Editorial Boards oder als Mitherausgeber. Ein wachsender Einfluss auf eine APA-Zeitschrift bedeutet zugleich ihre Internationalisierung. Sehen wir uns diesen Zusammenhang für das Psychological Review an. Autoren. Der Anteil an Publikationen im Psychological Review aus Instituten in Deutschland war lange Zeit außerordentlich gering. In den zehn Jahren von 1978 bis 1987 findet man lediglich drei von insgesamt 293 Artikeln (s. Keul, Gigerenzer, & Stroebe, 1993). Dies entspricht einem Anteil von 1%. In den letzten zehn Jahren (1988 - 1997) findet man bereits 20 von 383 Artikeln aus deutschen Instituten. Dies entspricht einem Anteil von über 5%. Diese Entwicklung zeigt eine erste Form von direktem Einfluss, den man auf den Inhalt einer APA-Zeitschrift nehmen kann.
Reviewer.Regelmässige Publikationen in APA-Zeitschriften (oft bereits eine einzige) führt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu, dass die Autoren als Reviewer für diese Zeitschriften tätig werden. Vor 1988 wurden, soweit ich sehe, nur in sehr wenigen Fällen Kollegen an deutschen Instituten angefragt, als Reviewer für das Psychological Review zu arbeiten. In den letzten zehn Jahren waren bereits ein bis zwei Dutzend Kollegen als Reviewer tätig und viele davon nicht nur einmal, sondern regelmässig. Je mehr Kollegen als Autoren erscheinen, desto mehr werden als Reviewer tätig werden. Dies ermöglicht eine zweite Form von Einfluss auf das, was in den APA-Zeitschriften erscheint. Consulting Editors. Im Jahr 1996 hat Robert Bjork, Herausgeber des Psychological Reviews,
beschlossen, die "Consulting Editors" der Zeitschrift zu internationalisieren
(bei anderen Zeitschriften heisst diese Gruppe von Personen, die besonders
viel Arbeit für die Zeitschrift leisten, "Editorial Board").
Dieser bemerkenswerte Schritt erfolgte im Einvernehmen mit der APA.
Im Jahr 1996 waren noch alle Consulting Editors aus Nordamerika, Grossbritannien
und Australien. Seit 1997 gehören nun diesem illustren Kreis auch
Kollegen aus Dänemark, Deutschland, Israel und Neuseeland an -
aus Deutschland sind zwei Kollegen vertreten. Mit dieser internationalen
Öffnung sind heute knapp ein Drittel aller Consulting Editors nicht
mehr aus Nordamerika. Damit hat sich eine dritte Form von Einfluss auf
den Inhalt des Psychological Reviews eröffnet. Associate Editors. Demnächst wird ein Heidelberger Kollege seine Arbeit als Associate Editor des Psychological Reviews aufnehmen. Dies ist ein deutliches Signal, wie ernst der Herausgeber die Internationalisierung des Psychological Reviews nimmt. Die Entwicklung, die die deutsche Beteiligung am Psychological Review in den vergangenen zehn Jahren erfahren hat - als Autoren, Reviewer, Consulting Editors und Associate Editors - ist ein Modell dafür, wie man Einfluss auf den Inhalt einer APA-Zeitschrift nehmen kann. Im Fall des Psychological Reviews ist die Internationalisierung der Consulting Editors und Associate Editors insbesondere der Initiative von Robert Bjork zu danken, der sich um die internationale Öffnung aktiv bemüht hat. Das Psychological Review ist kein Einzelfall. In Psychology of Aging, einer anderen APA-Zeitschrift, sind gegenwärtig vier Kollegen aus deutschen Instituten im Editorial Board. Eine nicht unwesentliche Anzahl von Artikeln wurde in dieser Zeitschrift von deutschen Wissenschaftlern publiziert. Jedoch gibt es heute immer noch APA-Zeitschriften, die im Editorial Board ausschliesslich Kollegen aus Nordamerika und England haben. Das Psychological Bulletin ist ein Beispiel. Dies liegt zum Teil daran, dass nur selten Kollegen aus Europa publizieren: Im Zeitraum von 1990 bis heute fand ich ganze zwei Artikel im Psychological Bulletin aus deutschen Instituten. Jenseits von APA Nun gilt dieser Weg der Einflussnahme nicht nur für APA-Zeitschriften.
Es gibt auch in Europa erstklassige Fachzeitschriften, die sich mit
jeder APA-Zeitschrift messen können, und es gibt internationale
Zeitschriften, die nicht der APA angehören. In meinem Forschungsbereich
gehören zu ersteren die in Frankreich verlegte Zeitschrift Cognition
und die in England lokalisierte Behavioral and Brain Sciences (BBS)
und zu letzteren Cognitive Science. Leider haben bisher nur wenige
deutschsprachige Psychologen in diesen Zeitschriften veröffentlicht;
in BBS gab es zwar Kommentare, aber kaum Leitartikel von an einem Institut
für Psychologie arbeitenden Kollegen. Auch hier ist Raum für
Mitwirkung und Mitgestaltung. Und es ist zu überlegen, ob es in
jedem Fall die Mühe lohnt, neue Zeitschriften ins Leben zu rufen
statt zu versuchen, in den bereits existierenden führenden Zeitschriften
zu veröffentlichen. Die Moral der Geschichte von der Anpassung war, daß wir zwischen dem Übel der Abhängigkeit von der APA und der Mühe des Ausbaus europäischer Zeitschriften zu international führenden, impact-starken Zeitschriften wählen müssen. Ich habe dagegen argumentiert, dass die Geschichte von den mächtigen APA-Zeitschriften, die keine andere Wahl lassen, als sich anzupassen, in doppelter Hinsicht irreführend ist. Zum ersten werden Autoren mit hoher Wahrscheinlichkeit Reviewer und haben damit Einfluss auf Inhalt, Methoden und Qualität der Artikel, die in der Zeitschrift erscheinen. Die Entwicklung im Psychological Review zeigt beispielhaft, wie dieser Einfluss durch eine Internationalisierung der Consulting Editors und Associate Editors nochmals erweitert werden kann. Zum zweiten macht dieser Fall deutlich, dass es in der APA, die dem Namen nach eine nationale Vereinigung ist, einflussreiche Kollegen gibt, die sich aktiv um die Internationalisierung ihrer Gesellschaft bemühen und ihre Editorial Boards öffnen. Dies ist eine Einladung an Europäer, Mitgestaltung und Verantwortung zu übernehmen. Die Moral der Geschichte ist deshalb aus meiner Sicht: nicht Anpassung ist gefragt, sondern Mitgestaltung.
Literatur Keul, A. G., Gigerenzer, G. & Stroebe, W. (1993). Wie international ist die Psychologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Eine SSCI-Analyse. Psychologische Rundschau, 44, 259-269. Montada, L. (1998). Fug und Unfug in der Bewertung der Impactfaktoren von Zeitschriften. Psychologische Rundschau, 4, 228-229. Westmeyer, H. (1998). Zur Bedeutung der sogenannten Impact-Fatkoren. Psychologische Rundschau, 4, 227-228. |
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| Contact Author |
Gerd Gigerenzer |
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of an article published in a print journal.
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