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Intelligenz im Alter |
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Goethe, Picasso, Rubinstein - bestätigen Ausnahmen nur das Alltagsstereotyp, daß durch das Altern die geistige wie die körperliche Leistungsfähigkeit unausweichlich abnimmt? Psychologische Untersuchungen zur Intelligenz im Alter ergeben ein komplexeres Bild: Auch im Alter gibt es Reserven zur Steigerung der Intelligenz; und das eigentlich Kennzeichnende für die Intelligenzentwicklung im Alter ist ein dynamisches Wechselspiel zwischen Abbau und Entwicklung.
Erst in den letzten Jahrzehnten sind Psychologen und andere Verhaltens- und Sozialwissenschaftler stärker auf das Erwachsenenalter und das Alter aufmerksam geworden. Die Gerontologie, die interdisziplinäre Wissenschaft vom Altern, blühte dann jedoch geradezu explosionsartig auf. Dies ist nicht nur als übliche Begleiterscheinung der Institutionalisierung eines neuen wissenschaftlichen Spezialgebietes anzusehen. Vielmehr zeigt sich darin auch eine umfassende Veränderung des gesellschaftlichen Bewußtseins in bezug auf das menschliche Leben. Es handelt sich also sowohl um eine wissenschaftliche als auch um eine gesellschaftliche Entdeckung, die den gesamten Lebenszyklus und das Altern in neuem Licht erscheinen läßt. Zur wissenschaftlichen Situation: Entwicklungspsychologen und andere an Humanentwicklung interessierte Sozialwissenschaftler haben in der Vergangenheit ihr Augenmerk hauptsächlich auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet. Gewiß gibt es hervorragende Ausnahmen, wie etwa die nun mehr als 200 Jahre alte, auf den deutschen Philosophen und Psychologen Johannes Nikolaus Tetens ("Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwickelung", 1777) zurückgehende Tradition einer Lebenslaufpsychologie oder das Aufblühen einzelner Forschergruppen in den fünfziger und sechziger Jahren dieses Jahrhunderts (zum Beispiel an der Universität von Chicago um Robert Havighurst und Bernice L. Neugarten oder an der Universität Bonn um Hans Thomae und Ursula Lehr). Aber diese Ausnahmen bestätigen eher die Regel. Im traditionellen Verständnis blieben gleichwohl die frühen Stationen der Lebenszeit, Kindheit und Jugendalter, die Hauptbühne des Entwicklungsgeschehens. Erst im letzten Jahrzehnt hat sich diese Lage grundlegend verändert. Der gesamte Lebenslauf ist nunmehr zum Thema psychologischer Entwicklungsforschung geworden.
Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen: Bis vor einigen Jahren wurde die Konzentration psychologischer Entwicklungsforschung auf die erste Lebenshälfte aus verschiedenen Gründen auch gesellschaftlich wenig in Frage gestellt. Jüngste Veränderungen der Bevölkerungsstruktur in Richtung auf einen größeren Anteil von älteren Menschen (in Amerika als "the graying of modern societies" apostrophiert) und das Auftauchen damit zusammenhängender gesellschaftspolitischer Fragen haben nun aber in der Gesellschaft ein Bedürfnis nach wissenschaftlicher Erkenntnis über die zweite Lebenshälfte und das Altern unübersehbar werden lassen. Warum ist die weitverbreitete Beschäftigung mit dem gesamten Lebenslauf und dem Altern ein eher modernes Phänomen? Warum war die gesellschaftliche und wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Alter mehr dem Mäander eines Baches als der Strömung eines Flusses vergleichbar? Zwei Gründe stechen besonders hervor. Zum einen war das Erreichen eines hohen Lebensalters bis vor einigen Jahrzehnten eher eine Ausnahme als die Regel. Es ist daher verständlich, daß nur selten an Wissenschaftler der Wunsch herangetragen wurde, den Alternsprozeß auf die Dauer zum Gegenstand eines Forschungsprogramms zu machen. Der Seltenheitswert des Altwerdens hat sich verloren. Die jetzt lebenden Generationen haben wortwörtlich und im übertragenen Sinne eine andere Lebenserwartung: Von den heute fünfzig- bis sechzigjährigen Einwohnern westlicher Länder beispielsweise können die meisten damit rechnen, daß sie fast achtzig Jahre alt werden. Zum zweiten gab es in der Vergangenheit für den Großteil der Bevölkerung weniger Freiräume in der Gestaltung ihres Lebens. Der größte Teil des Lebens war durch das stetige und gesellschaftlich mitgesteuerte Ineinanderwirken von den drei Lebensräumen Bildung, Familie und Arbeit bestimmt und inhaltlich und zeitlich ausgefüllt. Erst die historische Zunahme in der Lebenserwartung und die gegenläufige Tendenz des geringer werdenden Arbeitsanteils am Lebenslauf haben Bedingungen geschaffen, die vor allem das letzte Lebensdrittel in Zukunft zu einem neuen Bereich individuellen, gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Handelns erheben werden. In diesem Sinn spricht der Wiener Soziologe und Gerontologe Leopold Rosenmayr in seinem 1983 erschienenen Buch zu Recht von der "späten Freiheit" des Alterns (siehe Seite 135). Altern und die damit verknüpfte Erforschung des gesamten menschlichen Lebenslaufs werden also in wachsendem Maße zu einer Herausforderung an die Wissenschaft, mehr und mehr nun auch mitgetragen von einem vielerorts sich herausbildenden Sinn für die persönliche und gesellschaftliche Relevanz des Themas. Im folgenden werden einige Erkenntnisse der psychologischen Forschung auf einem Gebiet der Gerontologie, der Intelligenzforschung, exemplarisch zusammengefaßt. Dabei wird das Schwergewicht auf solche wissenschaftlichen Arbeiten gelegt, die kontraintuitiv sind, also unser gesellschaftliches Stereotyp vom Altern gerade nicht bestätigen - Arbeiten, die Altern nicht nur als universellen und graduellen Abbau kennzeichnen, sondern die auch darauf angelegt sind, im Alter die Möglichkeit der individuellen Weiterentwicklung zuzulassen.
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Man kann erwarten. daß eine Ausrichtung der Forschung auf die Plastizität (Modifizierbarkeit) und das mögliche Entwicklungspotential der alternden Menschen Erkenntnisse zeitigt, die auch für die gesellschaftliche Gestaltbarkeit des Lebenszyklus relevant sind. Ohne solche Erkenntnisse über die relative Plastizität des Alterns, seine möglichen Schwächen und Stärken, bliebe individuelle und gesellschaftliche Aktion wesentlich auf subjektive Meinungen und vorwissenschaftliche Vorstellungen vom Altern angewiesen. Es ist vielleicht wichtig zu betonen, daß das Beispiel Intelligenzforschung in der Tat exemplarisch ist, daß es keinen Sonderfall darstellt. Am inhaltlichen Beispiel der Forschungen zur Altersentwicklung der Intelligenz wird eine grundlegende Neuorientierung des gerontologischcn Erkenntnisinteresses sichtbar. Es ist ein Charakteristikum der heutigen Gerontologie, nicht nur die Schwächen des Alters, den Altersabbau, zu diagnostizieren und festzuschreiben. Wie hier für die gerontologische Intelligenzforschung dargestellt, zählen Fragen der Modifizierbarkeit, der relativen Plastizität des Lebenslaufs, Fragen nach den positiven Seiten des Alterns zu den aufregendsten der modernen Humanentwicklungsforschung. Wichtige Literatur dazu ist bislang vor allem in englischer Sprache erschienen (etwa ,,Constancy and Change in Human Development", herausgegeben von O. G. Brim, Jr. und J. Kagan, Harvard University Press, 1980, oder,,On the Nature of Human Plasticity" von R. M. Lerner, im Druck bei der Cambridge University Press). In den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland wird eine solche eher "altersfreundliche" Sicht in der gerontologischen Psychologie vor allem von Wissenschaftlern verfolgt, die seit einigen Jahrzehnten propagieren, daß Humanentwicklung als lebenslanger Prozeß (life-span development) zu verstehen sei. Auf dem engeren Gebiet der psychologischen Intelligenzforschung sind dies vor allem Arbeiten von Entwicklungspsychologen und Gerontologen, die ursprünglich an der West Virginia University oder an der Pennsylvania State University zusammengearbeitet haben. Neben dem Autor gehören hierzu unter anderen John R. Nesselroade und das Ehepaar K. Warner Schaie und Sherry L. Willis (Pennsylvania State University) sowie Gisela Labouvie-Vief (Wayne State University). Seit 1980 gibt es auch am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung eine Arbeitsgruppe von Psychologen, die sich theoretisch und empirisch mit Fragen der Erwachsenen- und Altersintelligenz beschäftigt und dabei sowohl Wachstums- wie Abbauprozesse im Auge hat. Zu diesen Wissenschaftlern gehören außer mir vor allem Freya Dittmann-Kohli, Roger Dixon und Reinhold Kliegl. Die Frage nach der Plastizität menschlicher Entwicklungsprozesse während des gesamten Lebenslaufs ist ein Leitgedanke für das Menschenbild dieser Arbeitsgruppe wie auch für ihre wissenschaftlichen Arbeiten.
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Bild 2 |
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Vom Stereotyp zur Empirie Wie schon angedeutet, gibt es zum Thema Intelligenz und Altern eine recht weitverbreitete Einstellung und Erwartung. Das Stereotyp ist, daß Altern einen stetigen Abbau der Intelligenz mit sich bringe. In der Tat ist das Meinungsbild in westlichen Ländern über das Altsein und Altwerden eindeutig. Die öffentliche Meinung wird von dem Glauben geprägt, daß Abbauprozesse und Leistungsabfall das dominante Muster des Alterns darstellen (Bild 1). Ältere Menschen werden für weniger effizient, weniger anpassungsfähig und weniger intelligent als jüngere Erwachsene gehalten. Eine in den USA im Jahre 1975 an einer repräsentativen Stichprobe (achtzehn Jahre und älter) durchgeführte Umfrage über das Altern bestätigt dieses Bild vom Altern bei Erwachsenen (Bild 2). Andererseits wird freilich gegen dieses Stereotyp vom Altersabbau auch der Hinweis auf Ausnahmefälle ins Feld geführt. Es gibt zweifelsohne einzelne Menschen, die bis ins hohe Alter kulturell und physisch Außerordentliches leisten. Der Cellist Pablo Casals, die Pianisten Vladimir Horowitz und Arthur Rubinstein, Künstler wie Pablo Picasso und Michelangelo oder auch Johann Wolfgang von Goethe sind Beispiele für diese Ausnahmen. Ebenso reflektieren bestimmte alttestamentarische und altgriechische Vorstellungen vom Ablauf des Lebens die Möglichkeit der Weiterentwicklung im Alter, wie etwa der französische Philosoph Michel Philibert (Universität Grenoble) und Soziologen wie Martin Kohli (Freie Universität Berlin) und Leopold Rosenmayr (Universität Wien) dokumentiert haben. Aber auch der Fünfundsiebzigjährige, der den 42 Kilometer langen Marathon in etwa 3 Stunden und 15 Minuten bewältigt hat und damit den Weltrekord für seine Altersgruppe hält, ist ein Held des Alters, des biologischen Alters. Hierauf hat vor allem der an der Stanford-Universität arbeitende Mediziner James Fries hingewiesen, der sich in den letzten Jahren mit Fragen der biologischen Plastizität des alternden menschlichen Körpers beschäftigt hat. Mit einer Marathonzeit von 3 Stunden und 15 Minuten würden Siebzigjährige zum Beispiel fast alle (rund 99,8 Prozent) Vierzigjährigen schlagen, wenn eine Zufallsstichprobe von Vierzigjährigen sich am Marathon versuchen würde Daß es Ausnahmen von dem Altersabbau gibt, ist sicherlich ein wichtiges Argument. Ausnahmefälle sind nützlich, weil sie die Fesseln des Gewöhnlichen sprengen und es gestatten, die Grenzen der Wirklichkeit zu erkunden. Die Grenzen der Wirklichkeit des Alterns stellen die wesentlichen Unbekannten in meiner Forschungsgleichung dar. So bin ich langfristig zum Beispiel daran interessiert herauszufinden, ob die Ausnahme vom Altersabbau der Intelligenz prinzipiell zur Regel werden könnte. In diesem Zusammenhang bedürfen zwei Kernfragen der wissenschaftlichen Klärung. Einmal ist dies die Frage nach den persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, die solche hervorragenden Altersleistungen ermöglichen. Zum zweiten schließt daran aber die weiterführende Frage an, ob nicht auch ein größerer Teil der Bevölkerung - nicht nur gewisse Einzelpersonen - prinzipiell in der Lage wäre, seinen Entwicklungs- oder Bildungsprozeß bis ins hohe Alter fortzuführen. Im folgenden will ich kurz beschreiben, was wir bisher aufgrund empirischpsychologischer Forschung über die Intelligenzentwicklung im Alter wissen. Unser derzeitiges Wissen auf diesem Gebiet ist noch unvollständig, und einige Aspekte sind nicht unumstritten. In so jungen Wissenschaften wie der Lebenslaufforschung oder der Gerontologie ist es nicht immer leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie sehen die empirischen Befunde über Intelligenz und Alter aus, wenn man Intelligenz mit Intelligenztests mißt und Altersgruppen hinsichtlich ihrer Leistungen in Intelligenztests vergleicht? Noch vor einem Jahrzehnt wäre die Antwort auf diese Frage nach der Entwicklung der Erwachsenen- und Altersintelligenz mit einer recht einfachen Modellvorstellung charakterisierbar gewesen, die dem Stereotyp vom Altersabbau entspricht. Frühe Arbeiten des 2o.Jahrhunderts zu diesem Thema zeichneten im wesentlichen folgendes Bild: Die menschliche Intelligenz entwickelt sich (wächst) bis zum frühen Erwachsenenalter: danach tritt eine Periode der Stabilität ein, die mit Beginn des mittleren Lebensalters (etwa vom fünfundzwanzigsten bis dreißigsten Lebensjahr an) in eine Phase des kontinuierlichen, graduellen Altersabbaus übergeht. In den letzten acht bis fünfzehn Jahren wurde dieses Aufbau-Stabilität-Abbau-Modell der Intelligenz theoretisch und empirisch zunehmend in Frage gestellt. Es gibt zwar weiterhin eine Position, deren Vertreter im allgemeinen Abbau das wesentliche Kennzeichen der Erwachsenen- und Altersintelligenz sehen: die wohl beste Begründung dafür hat jungst Timothy Salthouse von der Universität Missouri ("Adult Cognition", Springer Verlag, 1982) vorgelegt. Gleichzeitig existiert aber auch eine theoretisch und empirisch ausgerichtete Literatur in der ein wesentlich komplexeres Bild von der Intelligenzentwicklung im Erwachsenenalter und im Alter gezeichnet wird. Es gibt eine Vielzahl von Gründen für die Neuorientierung, die dahin geht, daß Intelligenzveränderung im Alter nicht nur Abbau bedeuten muß. Drei Stränge dieser Argumentationskette sind im folgenden dargestellt:
Vorangestellt werden einige einführende Bemerkungen zum Begriff und zur Messung der Intelligenz.
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Bild 3 |
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Vorbemerkungen zum Begriff der Intelligenz Was meint man als Psychologe, wenn man von Intelligenz spricht? Wissen über Erwachsenen- und Altersintelligenz ist entscheidend mitgeprägt durch die Art und Weise, wie Intelligenz definiert wird. Es ist in diesem Rahmen allerdings nicht möglich, den Intelligenzbegriff in seiner mannigfachen Verwendungsweise auch nur annähernd abzuhandeln; ich muß mich mit einigen grundlegenden Bemerkungen begnügen und im übrigen auf die Literatur verweisen ("Handbook of Human Intelligence", herausgegeben von R. J. Sternberg, Cambridge University Press, 1982). Dabei werde ich mich vor allem auf die Modelle und Meßoperationen beziehen, die in der gerontologischen Intelligenzforschung am häufigsten verwendet werden. Unter Intelligenz versteht man zunächst die Fähigkeit zum Denken und zum Lösen kognitiver, das heißt gedanklicher Probleme unterschiedlichster Art. Von der Messung her handelt es sich dabei meist um ein System von Fähigkeiten, das sich in kognitiven Leistungen wie der Lösung von Denkaufgaben und Intelligenztests manifestiert. Intelligenz ist die Abstraktion solcher Leistungen. Weitere Einschränkungen des Intelligenzbegriffs bedingen unterschiedliche Auffassungen von Inhalt, Struktur und Genese oder Entstehung der Intelligenz. Die inhaltliche Frage bezieht sich auf die Art und Weise der Intelligenzaktivität. Meint man beispielsweise mit Intelligenz lediglich die Basisprozesse der Informationsverarbeitung und des logischen Denkens oder auch den Erwerb, die Organisation und die Anwendung kulturbezogener Wissensinhalte? Die Frage nach der Intelligenzstruktur bezieht sich darauf, ob Intelligenz als eine einheitliche, homogene Fähigkeit angesehen wird (zum Beispiel allgemeine Intelligenz) oder als ein System von vielen, miteinander zusammenhängenden Fähigkeiten. Die Frage nach der Genese der Intelligenz betrifft vor allem die Unterscheidung, ob Intelligenz als angeborene, genotypische Anlage (Begabung) oder als phänotypische, erworbene Leistung (Kapazität) definiert wird. Was Inhalt, Struktur und Genese der Intelligenz angeht, neige ich zu folgenden Positionen: Inhaltlich betrachte ich Intelligenz nicht nur als die Fähigkeit der Informationsverarbeitung und des logischen Denkens, sondern auch als eine Fähigkeit, sich Kulturwissen anzueignen, es zu organisieren und zu gebrauchen. Diese Position scheint auch deshalb angemessen, weil es sich als problematisch herausgestellt hat, überhaupt von "inhaltsfreiem Denken zu sprechen. Deshalb gehört zur gegenwärtigen Intelligenzmessung meist sowohl das Messen des kognitiven Vorgehens (procedural knowledge) wie auch des faktischen Wissens von Denkinhalten (factual knowledge). Ob diese integrative Sicht des Denkens und seiner Inhalte sich auf die Dauer halten wird oder ob es langfristig doch nicht richtig sein wird, Denkprozesse zumindest in ihrer idealtypischen Konzeption inhaltsfrei zu definieren, ist gegenwärtig umstritten. Die Frage nach der Struktur der Intelligenz wird meist so beantwortet, daß Intelligenz nicht eine einheitliche, homogene Klasse von Fähigkeiten sei. Intelligenz besteht vielmehr aus einem System miteinander zusammenhängender Bündel von Fähigkeiten, die getrennter Messung etwa durch unterschiedliche Subtests bedürfen. Vorherrschend ist also das Konzept der mehrdimensionalen Struktur der Intelligenz. Was Psychologen die Struktur der Intelligenz nennen, würden Naturwissenschaftler vielleicht als das Koordinatensystem oder den Meßraum der Intelligenz bezeichnen. Es gibt aber gegenwärtig noch kein System, das allgemein als multidimensionaler Meßraum anerkannt wäre. Im Gegenteil, unterschiedliche Systeme (zum Beispiel Cattell-Horn, Guilford oder Thurstone) rivalisieren miteinander, wobei jedes dieser Intelligenzmodelle brauchbare, aber nicht vollkommene Resultate erbringen kann. Im deutschsprachigen Raum hat Adolf Jäger (FU Berlin) in den jüngsten Jahren ein Modell der Intelligenzstruktur entwickelt, das für künftige Forschung sehr erfolgversprechend, aber bisher noch nicht in der Altersforschung angewendet worden ist. In der Altersforschung ist vor allem das Cattell-Horn-Modell erprobt und zugrundegelegt worden. Dieses Modell der fluiden und der kristallisierten Intelligenz wird im nächsten Abschnitt näher beschrieben. Die dritte Grundsatzfrage der Definition von Intelligenz war die nach der Genese und Erklärung von Intelligenzleistungen, ob also Intelligenz beispielsweise als genotypische Begabung (Anlage) oder als phänotypische Leistung zu definieren sei. Im empirischen Vorgehen tendiert man mehr und mehr dazu, gemessene Intelligenz primär als phänotypische Leistung - nicht als genotypische Anlage oder Begabung zu verstehen. Phänotypisch deshalb, weil Intelligenz nur als gewordene und beobachtete Leistung oder Kapazität gemessen werden kann, die sich aus einem komplexen Zusammenspiel von vielen (und partiell austauschbaren) Faktoren der Anlage und der Umwelt entwickelt hat. Intelligenz ist also immer eine beobachtbare Leistung, deren Entstehungsprozeß nicht einzigartig beschreibbar ist. Es gibt unterschiedliche Wege, dieselbe - etwa in Intelligenztests gemessene - Leistung zu erreichen. In dieser Überdeterminiertheit und Austauschbarkeit von Erklärungsfaktoren für intellektuelle Leistungen liegt eines der großen Probleme der Intelligenzforschung.
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Bild 4 |
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Noch ein Wort zur Rolle von Intelligenztests. Abgesehen von der Verwendung standardisierter Denkaufgaben sind Intelligenztests die Meßinstrumente, um Intelligenzfähigkeiten in einer normierten Weise psychometrisch zu quantifizieren. Intelligenztests sind für die Grundlagenforschung um so brauchbarer, je deutlicher sie mit und aus einer strukturellen Theorie der Intelligenz (wie etwa dem Jäger- oder dem Cattell-Horn-Modell) entwickelt worden sind. Doch haben Intelligenztests - und dies trifft auch auf ihre Anwendung in der Gerontologie zu - zwei wesentliche Nachteile: Erstens erlauben sie wegen ihrer Orientierung auf das Produkt einer Intelligenzleistung nur annäherndes Erfassen der Intelligenz als Prozeß des Problemlösens; zweitens operieren sie oft mit Denkinhalten und Wissenssystemen, die kulturspezifisch sind und den Alltagsraum des menschlichen Denkens nicht vollständig abdecken. Trotz dieser Mängel gehören Intelligenztests, vor allem, wenn sie in Verbindung mit einer Strukturtheorie der Intelligenz angelegt sind, zu den besten psychologischen Verfahren, die man zur ersten Erfassung der intellektuellen Leistungskapazität einer Gruppe erwachsener Menschen einsetzen kann.
Nun zur Erforschung der Intelligenz im Alter. Der erste Ansatz, Intelligenzentwicklung im Alter nicht nur als Abbau zu sehen, hängt mit der bereits erwähnten Besonderheit der Struktur der Intelligenz als eines mehrdimensionalen Systems von verschiedenen Fähigkeitsbündeln zusammen. Diese Konzeption erlaubt es, im Lebenslauf unterschiedliche Entwicklungsverläufe für verschiedene "Teile der Intelligenz", also für verschiedene Intelligenzdimensionen oder -klassen, anzunehmen und empirisch zu überprüfen, ob es Formen von Intelligenzleistungen gibt, die sich im Alter unterschiedlich entwickeln. Ein Beispiel für eine mehrdimensionale Strukturtheorie der Intelligenz ist die Theorie der fluiden und kristallisierten Intelligenz, ursprünglich von Raymond B. Cattell (University of Illinois) entwickelt und im letzten Jahrzehnt vor allem von dem Psychologen John L. Horn von der Universität Denver weiter ausgeformt. Diese Theorie ist das Strukturmodell, das in den meisten Arbeiten auf dem Gebiet der Erwachsenen- und Altersintelligenz verwendet wurde. Die Cattell-Horn-Theorie ist hierarchisch in drei Ebenen angelegt. Zentral für die Theorie und das vorliegende Thema der Intelligenz im Alter ist die Unterscheidung auf der zweiten Ebene zwischen zwei großen Fähigkeitsbündeln der Intelligenz: zwischen fluider Intelligenz und kristallisierter Intelligenz. Drei einfache Test-Items (Bild 3) verdeutlichen die Art der Denkaufgaben, die in Tests der fluiden und kristallisierten Intelligenz enthalten sind. Unter fluider Intelligenz versteht man Basisprozesse der Intelligenz, so etwas wie die Grundmechanik der kognitiven Informationsverarbeitung oder des Denkens. Gemessen wird fluide Intelligenz am schnellen und erfolgreichen Lösen von Aufgaben aus einem Denkmaterial, das möglichst neuartig oder kulturfrei sein soll. Als Inhalte werden zur Messung der fluiden Intelligenz oft figürlich-bildhafte Darstellungen oder Denkaufgaben mit einfachen Symbolen aus dem Bereich der Sprache oder des Zahlensystems verwandt. Kristallisierte Intelligenz dagegen bezieht sich auf die inhaltliche Ausgestaltung des Denkens und Wissens. Sie ist hauptsächlich der Ausdruck kultur- und intelligenzbezogener Lebenserfahrung. Kristallisierte Intelligenz wird gemessen im Denken mit Kulturinhalten: Sprache, interpersonale Aspekte der Kommunikation, soziale Intelligenz und kulturelle Wissenssysteme. Die kristallisierte Form der Intelligenz, reflektiert also den Inhalt, die Lebenssituationen und die Lebensgewohnheiten einer Kultur und die Fähigkeit des einzelnen, sich im Lebenslauf bestimmte Mengen dieses Lebens- und Kulturwissens anzueignen, es anzuwenden und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. Im Vergleich zur fluiden Intelligenz ist kristallisierte Intelligenz bisher allerdings nur sehr unvollkommen definiert und gemessen worden, meist durch Tests für den Wortschatz oder das Sprachverständnis. Mehrere Forschergruppen, darunter auch eine Arbeitsgruppe am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, sind gegenwärtig dabei, neue Inhalte und Problemlösungsstrategien der kristallisierten Intelligenz zu definieren. In Berlin arbeiten etliche Psychologen beispielsweise daran die Begriffe der Weisheit (siehe unten) und des Expertenwissens als Modellfälle der kristallisierten Intelligenz im Erwachsenenalter theoretisch zu definieren und empirisch zu fassen. Die Cattell-Horn-Strukturtheorie der Intelligenz hat auch einen altersbezogenen Entwicklungsaspekt. In der Theorie wird angenommen (Bild 4), daß sich beide Bereiche der Intelligenz im Lebenslauf unterschiedlich entwickeln. Zuerst, bis zum frühen Erwachsenenalter, zeigen beide Kategorien der Intelligenz eine positive Entwicklung. Anschließend gibt es verschiedene Verläufe. Fluide Intelligenz soll im Durchschnitt einen relativ frühen Abbau im Erwachsenenalter aufweisen. Kristallisierte Intelligenz dagegen soll bei vielen Menschen bis ins späte Erwachsenenalter wachsen. Auf der Ebene der Theorie ist also hier ein erstes Beispiel dafür, daß Intelligenz im Alter prinzipiell nicht nur Abbau bedeuten könnte. Dies ist aber auch in empirischer Forschung bestätigt worden, worauf ich noch eingehen werde. Altersvergleichende Untersuchungen erweisen in der Tat, daß ältere Menschen in Tests der kristallisierten Intelligenz bis ins siebente und gelegentlich sogar bis ins achte Lebensjahrzehnt keinen Leistungsabfall zeigen. Hier ist also auch ein erstes empirisches Beispiel dafür, daß Intelligenz im Alter nicht nur Abbau bedeutet.
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Bild 5 |
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Kulturwandel, Altern und Intelligenzleistung Zusätzlich zur Frage nach dem mehrdimensionalen Entwicklungsmuster der Intelligenz gibt es einen zweiten Problembereich, den man verstehen muß, um die Frage nach der Intelligenz im Alter empirisch in den Griff zu bekommen. Dieses Problem trat in den Vordergrund, als man sich daranmachte, erste empirische Befunde zur Altersentwicklung der Intelligenz zu sammeln, also Altersgruppen in ihrer Intelligenzleistung zu messen und miteinander zu vergleichen. Bald stellte sich dabei eine eklatante Datendiskrepanz heraus: Der Verlauf der Intelligenzentwicklung schien im Erwachsenenalter ganz verschieden auszusehen, je nachdem, welche empirische Methode des Altersvergleichs benutzt wurde. Zur Methodik des Altersvergleichs: Bis etwa 1965 gab es zwei etablierte Methoden in der Psychologie, Altersveränderungen zu untersuchen. Die erste stellt eine Art Schnellverfahren dar. Zu einem Meßzeitpunkt, etwa im Jahre 1960, werden Altersgruppen (zum Beispiel Dreißig-, Fünfzig- und Siebzigjährige) beobachtet und miteinander verglichen. Diese sogenannte Querschnittmethode ist im oberen Teil des Bildes 5 als Diagonale eingezeichnet. Die zweite, aufwendigere Methode ist die Längsschnittuntersuchung. Sie ist im oberen Teil des Bildes 5 als horizontales Band gezeichnet. Bei diesem Verfahren untersucht man dieselben Personen im Laufe der Zeit mehrfach, zum Beispiel als Dreißig-, Vierzig-, Fünfzigjährige und so weiter. Die Längsschnittmethode ist aufwendig, weil die Untersuchung lange dauert; nämlich so lange, wie der gewünschte Altersvergleich selbst impliziert. Wenn man beispielsweise die Altersentwicklung vom dreißigsten bis zum fünfzigsten Lebensjahr untersuchen will, dauert eine Längsschnittstudie eben zwanzig Jahre. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die meisten Forscher das Schnellverfahren - die Querschnittmethode - wählen. Um 1960 war es endlich soweit, daß auch über Jahrzehnte währende Längsschnittstudien zur Erwachsenenintelligenz vorgelegt werden werden konnten. Diese ersten Ergebnisse von Längsschnittuntersuchungen aber unterschieden sich dramatisch von den Resultaten, die immer wieder mit dem Schnellverfahren der Querschnittmethode gefunden worden waren. Jahrzehntelang hatte man nämlich in Querschnittuntersuchungen das bekannte Stereotyp vom Altersabbau beobachtet, das heißt eine früh einsetzende "negative" Altersbilanz der Intelligenzleistung. Ganz anders nun die Ergebnisse von Längsschnittuntersuchungen: Diese schienen, zumindest bis zum sechzigsten Lebensjahr, keinen Abbau, sondern Stabilität der Intelligenzleistung anzuzeigen. Es gibt an sich verschiedene Gründe. warum Quer- und Längsschnittuntersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Eine der ersten Überlegungen war, ob die Datendiskrepanz sich durch historische Veränderungen oder den Kulturwandel erklären lassen könnte. Diese Hypothese ist deshalb sinnvoll, weil die Altersgruppen in einer Querschnittstudie sich nicht nur im Lebensalter unterscheiden, sondern auch unterschiedlichen Geburtskohorten oder Generationen angehören.
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Bild 6 |
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Mithin war es notwendig, eine neue Methode des Altersvergleichs zu entwickeln. Diese Methode mußte es ermöglichen, gleichzeitig Alter und Kohorte (Generation) systematisch zu verändern. Ein solches Vorgehen wird in der psychologischen Literatur als Sequenzstrategie bezeichnet. Sequenzstrategien (siehe unterer Teil des Bildes 5) bestehen aus aufeinanderfolgenden Querschnitt- und Längsschnittstudien. Solche Sequenzstudien sind natürlich noch aufwendiger als Längsschnittuntersuchungen. Sie sind aber notwendig, um das dynamische Zusammenspiel von Altern und Kulturwandel empirisch zu erfassen.
Was für Ergebnisse haben solche Sequenzuntersuchungen zur Erwachsenenintelligenz erbracht, in denen Alter und Kohorte simultan variiert werden? Schaies im Jahre 1956 an einer Stichprobe von 500 erwachsenen Versuchspersonen begonnene USA-Studie ist das klassische Beispiel auf dem Gebiet der Intelligenzforschung. Die Befunde von Schaie haben unser Bild von der Intelligenz im Alter revolutioniert. Der Untersuchungsplan von Schaie (Bild 6) entspricht einer Längsschnittsequenz, einer Aufeinanderfolge von einzelnen Längsschnittstudien für einander überlappende Altersbereiche. Jede dieser Längsschnittstudien dauerte einundzwanzig Jahre: jeweils von 1956 bis 1977. Das Arrangement erlaubt drei Typen von Vergleichen: längsschnittliche Altersvergleiche, querschnittliche Altersvergleiche und Zeitwandelvergleiche an identischen Altersgruppen. Ein Zeitwandelvergleich würde beispielsweise darin bestehen, daß man dieselbe Altersgruppe (etwa Zweiundfünfzig Jährige) zu verschiedenen Meßzeitpunkten (1956, 1963, 1970 und 1977) untersucht und die Leistungen zu den verschiedenen Zeitpunkten vergleicht. Es läßt sich aufgrund solcher Sequenzuntersuchungen abschätzen, welcher Anteil an der Intelligenzentwicklung im Erwachsenenalter auf Alters- und welcher auf Kohorteneffekte entfällt.
Interindividuelle Variabilität Ein erstes Ergebnis der Längsschnittbefunde in Schaies Studie ist große Variabilität zwischen Personen im Entwicklungsverlauf (Bild 7). Wenn man Leistungen in allen Subtests der Intelligenz summarisch betrachtet, so unterscheiden sich die Entwicklungsverläufe verschiedener Personen also ganz erheblich. Wichtig ist vor allem die Feststellung. daß es große interindividuelle Unterschiede im Beginn des möglichen Intelligenzabbaus gibt. Je nach Lebenslage (Gesundheit, berufliche Situation und so weiter) kann der Abbau im vierten, fünften. sechsten, siebenten, achten oder sogar erst im neunten Lebensjahrzehnt beginnen. Der zeitliche Ablauf des Abbaus (Anfang, Länge, Stärke), der, wenn man lange genug lebt, sicherlich irgendwann eintritt, ist höchst unterschiedlich. Meist beginnt er in den heutigen Generationen und bei relativ gesunden Menschen nicht vor dem sechsten oder siebenten Lebensjahrzehnt. Eine andere Statistik macht weiterhin deutlich, daß der durchschnittliche Leistungsverlust, etwa vom sechzigsten bis zum achtzigsten Lebensjahr, relativ gering ist. Gemessen an den Normen (Mittelwert, Standardabweichung) der Erwachsenen macht der Intelligenzverlust während der zwanzig Jahre vom sechzigsten bis zum achtzigsten Lebensjahr in der Schaie-Studie deutlich weniger als eine Standardabweichung aus. Dies bedeutet, daß immerhin etwa ein Drittel der Siebzigjährigen in ihren Leistungen über dem Mittelwert der Intelligenzleistungen junger Erwachsener liegen.
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Bild 7 |
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Multidirektionalität Schaie hat in seiner Untersuchung die Intelligenz vor allem durch Intelligenztests à la Thurstone gemessen. L. L. Thurstone entwickelte ein Strukturmodell, das Intelligenz als aus fünf bis sieben Grundfähigkeiten (primary mental abilities) bestehend definiert. Durch statistische Transformation ist es möglich, die Meßwerte der Thurstone-Grundfähigkeiten der Intelligenz zu benutzen, um hieraus Schätzungen der fluiden/kristallisierten Intelligenz à la Cattell-Horn abzuleiten. Wie sehen nun die Ergebnisse der Schaie-Studie aus, wenn sie in Werten der fluiden und kristallisierten Intelligenz dargestellt werden? Der Einfachheit halber sind relevante Ergebnisse dieses Vorgehens in Bild 8 lediglich für die Untersuchungszeitpunkte 1956 und 1963 dargestellt. Der obere Teil zeigt die empirischen Befunde für Meßwerte der kristallisierten Intelligenz, der untere solche für Meßwerte der fluiden Intelligenz. Es zeigt sich, daß verschiedene Dimensionen der Intelligenz sich in der Tat in unterschiedlicher Richtung entwickeln. Wie in der Theorie (siehe Bild 4) vorhergesagt, zeigen die Ergebnisse einen relativ frühen Abfall in fluider Intelligenz. Kristallisierte Intelligenz dagegen zeigt Leistungsstabilität oder Leistungsanstieg bis ins sechste oder siebente Lebensjahrzehnt. Ein derart unterschiedlicher Verlauf für verschiedene Dimensionen der Intelligenzentwicklung ist das, was man in der Entwicklungspsychologie als Multidirektionalität bezeichnet.
Kulturwandel Bild 8 zeigt auch, daß die Generationsunterschiede oder Zeitwandeleffekte für dieselbe Altersstufe (zum Beispiel für jeweils Neunundfünfzigjährige) ebenso groß sein können wie Unterschiede zwischen Altersgruppen. Es sind also nicht nur Prozesse der Altersentwicklung, die es zu beachten gilt; vielmehr verändern sich zudem Intelligenzleistungen auch im Kulturwandel. Mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammenhängende Veränderungen der Intelligenzleistung können annäherungsweise an Kohortenunterschieden abgelesen werden. Kohortendifferenzen beziehen sich einerseits auf Unterschiede in der durchschnittlichen Leistungshöhe der Intelligenz. Außerdem scheint es auch unterschiedliche Verlaufsmuster für verschiedene Kategorien der Intelligenz im Kulturwandel zu geben, dem Prinzip der Multidirektionalität (fluide gegen kristallisierte Intelligenz) im Lebenslauf vergleichbar.
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Bild 8 |
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Schaie hat in seiner Studie beispielsweise, getrennt für fünf Intelligenzdimensionen à la Thurstone, für die USA die Richtung der Intelligenzentwicklung im historischen Wandel um die Mitte des 20. Jahrhunderts geschätzt (Bild 9). Wenn man sich etwa den historischen Wandel bei den fünferlei Intelligenzleistungen für eine Altersgruppe ansieht, die der Dreiundfünfzigjährigen, so weist das Bild je nach Intelligenzdimension bald Stabilität, bald Zuwachs und bald Abbau auf. Für drei der fünf Intelligenztests war, gemessen an der durchschnittlichen Intelligenzleistung, der Kulturwandel dieser Altersgruppe in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren dieses Jahrhunderts positiv, für eine vierte Dimension gab es keine Veränderung, für eine fünfte dagegen war die historische Veränderung negativ. Insgesamt zeigen die Ergebnisse von Sequenzuntersuchungen also eine beträchtliche Variabilität in Höhe und Verlauf der Intelligenzleistung vom Erwachsenenalter ins höhere Alter. Es gibt mithin gleichzeitig Wachstum und Regression sowohl beim Altern wie auch beim Kulturwandel. Nun liegt es in der Natur dieser Ergebnisse, daß sie nicht auf andere kulturelle Gruppierungen und Zeitepochen generalisiert werden können. In der Tat kann etwa das so eindeutig unterschiedliche Verlaufsmuster für fluide und für kristallisierte Intelligenz (Bild 8) in anderen Generationen nicht mit der gleichen Prägnanz repliziert werden. Aber genau darin liegt der zentrale Befund: Offensichtlich ist es so, daß je nach kulturellen Gegebenheiten Höhe und Verlauf von Intelligenzleistungen im Erwachsenenalter stark variierien können.
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Bild 9 |
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Kognitive Interventionsstudien im Alter Die bisher dargestellten Forschungsergebnisse sind deskriptiv im Ansatz. Sie beschreiben, wie in einer westlichen Kultur und zu einigen wenigen historischen Zeitpunkten die Altersentwicklung der Intelligenz aussieht. Der wichtige Befund war die außerordentliche Variabilität in Höhe und Richtung sowohl zwischen Fähigkeiten wie zwischen Personen wie zwischen historischen Generationen. Woher kommt diese Variabilität, und wie kann man sie experimentell so untersuchen, daß man schrittweise Einsichten in Kausalfaktoren und Entwicklungsmechanismen erhält? Für einen Sozialwissenschaftler liegt es nahe, die Variabilität des Altersverlaufs in verschiedenen Generationen zu einem wesentlichen Teil auf die in einer Gesellschaft existierenden und sich verändernden Lebens- oder Umweltbedingungen zurückzuführen. Auf ökologische Bedingungen deshalb, weil die vorliegenden Kohortenvariabilitäten im Altersverlauf schwerlich mit Veränderungen in der Populationsgenetik also in der Erbmasse der Untersuchten, erklärbar sind. Psychologen untersuchen die Rolle von Umweltfaktoren meist experimentell so, daß sie als Bestandteile von Lernprozessen verstanden werden. In diesem Sinn hat sich auch die Forschung auf dem Gebiet der Erwachsenen- und Altersintelligenz entfaltet. Während Schaie sich im Laufe der letzten zehn Jahre hauptsächlich auf die weitere "deskriptive" Beobachtung von differentiellen Intelligenzverläufen und Kulturwandel spezialisierte, wandte sich mein Forschungsinteresse und das meiner Kollegen in den USA und in Berlin einer etwas anders gearteten Fragestellung: zu danach, inwieweit die Intelligenz im Alter durch Erfahrung und Lernen modifizierbar ist Wie plastisch ist Intelligenz im Alter?
Plastizität definieren wir als Variabilität der einzelnen Person. Wir stellen uns beispielsweise die Frage, ob die im Alters- und Kohortenvergleich gefundene Variabilität zwischen Gruppen eine Parallele in der Plastizität des einzelnen Menschen hat, wenn man dieselbe Person etwa in unterschiedlichen Lern- und Leistungsbedingungen mit Intelligenztests mißt. Bei diesem Vorgehen sind drei Argumente wesentlich. Erstens: Wann ist Leistung ein Meßwert der Kapazität? Jede Intelligenzmessung einer Person ist nur eine Stichprobe von möglichen Leistungen. Unter anderen Meß- und Erfahrungsbedingungen kann man prinzipiell von derselben Person andere Leistungswerte erhalten. Welches Maß ist eigentlich die beste Schätzung der Intelligenz einer Person? Eine hilfreiche Begriffsunterscheidung ist die zwischen Intelligenzreserve (oder Kapazität) und Intelligenzleistung. Zweitens: Haben bestimmte Gruppen von Menschen, so auch ältere Menschen, im Durchschnitt ein Defizit in sogenannten Leistungsaktivierenden Faktoren wie etwa Übung? Die Lebenswelt verschiedener Personen unterscheidet sich unter anderem in dem Ausmaß, in dem sie intelligenzdezelerierend oder -akzelerierend ist; also in dem Ausmaß, in dem etwa Intelligenzleistungen. wie sie in Standardtests gemessen werden, im Vordergrund der Lebenserfahrung stehen. Ältere Menschen haben möglicherweise ein Lerndefizit, wenn es um Intelligenzleistungen geht. Drittens: Kann man vor diesem Hintergrund annehmen, daß Alters- und Kohortenunterschiede auf Lern- oder Erfahrungsunterschieden basieren, die weitgehend irrelevant sind für eine Bestimmung der Kapazität der Intelligenz? Wenn beispielsweise gleichaltrige Erwachsene aus verschiedenen Generationen Intelligenzleistungen zeigen, die in ihrer Höhe um denselben Betrag variieren wie die durch das Altern bedingten Intelligenzunterschiede innerhalb einer Generation (beispielsweise vom sechzigsten his zum achtzigsten Lebensjahr), dann könnte man doch als Forschungshypothese annehmen, alle erwachsenen und älteren Menschen seien in ihrer grundsätzlichen Leistungskapazität praktisch gleich. Alters- und Kohortenunterschiede in der Intelligenzleistung lägen mithin nur deshalb vor, weil diese Gruppen sich in leistungsaktivierenden Faktoren - nicht aber in ihrer Kapazität - unterscheiden. Diese Forschungshypothese ist in Bild 10 veranschaulicht Im linken Teil werden die zentralen Befunde der deskriptiven Forschung zur Alters- und Kohortenentwicklung im Erwachsenenalter dargestellt; im rechten Teil wird die Frage nach der Modifizierbarkeit oder Plastizität im Einzelfall zum Ausdruck gebracht. Ist es möglich, durch Manipulation von Lernfaktoren (wie Übung) und anderen leistungsaktivierenden Faktoren (wie Motivation) die Intelligenzleistung eines älteren Menschen um den Betrag zu erhöhen, den man als durchschnittliche negative Altersbilanz im deskriptiven Alters- und Kohortenvergleich gefunden hat?
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Bild 10 |
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Der Untersuchungsplan: Insgesamt haben bisher mehr als fünfhundert ältere Personen an unseren Lernstudien teilgenommen. Im einzelnen handelt es sich dabei um etwa zehn Untersuchungen, die ich zusammen mit Kollegen (insbesondere mit Sherry L. Willis und Freya Dittmann-Kohli) in den USA und Deutschland durchgeführt habe. Jedes dieser Experimente dauert ungefähr ein Jahr, wobei die Versuchsteilnehmer im Durchschnitt während dieses Jahres etwa zehn- bis fünfzehnmal jeweils mindestens eine Stunde lang an unseren Experimenten teilnehmen. Versuchsteilnehmer in diesen Studien sind meist sechzig- bis achtzigjährige. durchweg freiwillige Teilnehmer, deren Gesundheitszustand relativ gut ist und es ihnen ermöglicht, relativ unabhängig zu leben und zu uns ins psychologische Labor zu kommen. Es ist nicht leicht, präzise festzustellen, inwieweit diese Stichprobenzusammensetzung auf die Gesamtbevölkerung verallgemeinerbar ist. Wir schätzen, daß die Stichprobenzusammensetzung etwa dem entspricht, was für rund 80 Prozent der älteren Menschen in der Altersgruppe der Sechzig- bis Achtzigjährigen zutrifft. Der Trainingsinhalt, auf den wir uns in diesen Untersuchungen konzentrieren, ist der Teil der Intelligenz, der abbauanfällig ist, also fluide Intelligenz. Fluide Intelligenz besteht aus drei Unterfähigkeiten: figurales Denken, induktives Denken und Gedächtnis/Aufmerksamkeit. Für jede hat vor allem meine frühere Kollegin Sherry L. Willis an der Pennsylvania State University Trainings- und Lernprogramme entwickelt. Die Lernintervention besteht im großen und ganzen darin, älteren Personen Übung im Umgang mit Intelligenztests und der Art von Denkaufgaben zu verschaffen, durch die fluide Intelligenz gemessen wird. Das Lernprogramm ist relativ frei, da wir davon ausgehen, daß ältere Menschen prinzipiell die Kapazität beziehungsweise die Reserve zum Problemlösen besitzen und lediglich mehr Übung benötigen. Der spezifische Lerninhalt der Trainingsprogramme besteht aus Übungen mit den Probleminhalten und Denkregeln, die die betreffenden Fähigkeiten der fluiden Intelligenz ausmachen (siehe Bild 3 oben und Mitte für Einzelbeispiele). Diese Denkregeln wurden durch eine Art Aufgabenanalyse der Intelligenztests gefunden. Im Training werden die Prinzipien der einzelnen Aufgaben erklärt und verschiedene Lösungen diskutiert; die Lösung der Aufgaben wird - mit Feedback über richtige und falsche Lösungen - geübt. Keine der im Training benutzten Aufgaben ist identisch mit denjenigen, die in den standardisierten Intelligenztests enthalten sind. In den meisten Fällen besteht das gesamte Trainingsprogramm aus fünf oder zehn Sitzungen, die über zwei Wochen beziehungsweise einen Monat verteilt sind. Die Sitzungen dauern jeweils etwa eine Stunde. Um den Trainingseffekt zu ermitteln, vergleichen wir zunächst
einmal die Leistungen der Experimentalgruppe mit denen verschiedener
Kontrollgruppen. Alle Teilnehmer nehmen vor und nach dem Training auch
an einer intensiven und etwa je drei Stunden dauernden Intelligenzmessung
teil. In diesen Testsitzungen wird ein größeres Spektrum
der Intelligenz mit Hilfe einer Intelligenztestbatterie gemessen. Diese breit angelegte Messung des Intelligenzprofils erlaubt uns auch festzustellen, ob der für eine Fähigkeit intendierte Leistungsanstieg sich auf andere Fähigkeitsbündel der Intelligenz ausdehnt, das heißt, ob es eine Art "generalisierende" Breitenwirkung des Intelligenztrainings gibt. Außerdem beobachten wir die Teilnehmer auch zu späteren Zeitpunkten, normalerweise eine Woche, einen Monat und sechs Monate nach Beendigung des Lernprogramms. Wir wollen also des weiteren herausfinden, in welchem Ausmaß der Trainingseffekt von Dauer ist.
Die Ergebnisse der bisher in den USA und in Deutschland durchgeführten Untersuchungen sind recht konsistent und replizierbar. Einige Beispiele: Retest als Training: Einige Studien waren darauf angelegt herauszufinden, ob einfache Übung (ohne gezieltes Training spezifischer Denkregeln) bereits einen Effekt habe. Welcher Leistungszuwachs ist zu beobachten, wenn man Standardtests der fluiden Intelligenz einfach wiederholt darbietet (einfaches Retesten ohne Lernrückmeldung)? Der in den empirischen Studien gefundene Leistungszuwachs ist stetig und entspricht etwa einer Standardabweichung. Einfaches Üben bewirkt also schon einen Leistungsanstieg, der mindestens so stark ist wie der durchschnittliche Abbau, den man vom sechzigsten bis zum achtzigsten Lebensjahr in Längsschnittdaten beobachtet hatte. Training von fähigkeitsspezifischen Denkregeln: In Bild 11 oben sind die Ergebnisse einer der Studien dargestellt, in der wir ein gezieltes Training mit einer der drei Subfähigkeiten der fluiden Intelligenz durchführten. Es handelt sich in diesem Fall um die Denkinhalte und Denkregeln der fluiden Intelligenzdimension "figurale Beziehungen" (siehe auch Bild 3 oben). Der Leistungszuwachs im Vergleich zu einer Kontrollgruppe beträgt
in Transfertests, die dem Trainingsinhalt nahe stehen, wiederum fast
eine Standardabweichung. Außerdem wird der Leistungszuwachs für
mindestens einen Monat, zuweilen für sechs Monate, beibehalten.
Der Lerneffekt zeigt auch etwas Breitbandwirkung. Es gibt Transfer auf
solche Fähigkeiten, die nach der Strukturtheorie der Intelligenz
im gleichen Fähigkeitsbündel liegen (sogenannter within-ability
transfer). Kombinatorisches Training: In Bild 11 unten sind die vorläufigen Ergebnisse der ersten größeren Untersuchung dargestellt, die am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung stattfindet. Darin haben wir Übungen in zwei der drei Subfähigkeiten der fluiden Intelligenz miteinander kombiniert: Wir ließen nacheinander die Denkinhalte und Denkregeln der Fähigkeiten "figurales Denken" und "induktives Denken" für insgesamt zehn Sitzungen üben. Auch in dieser kombinatorisch angelegten Interventionsstudie ist der
Trainingseffekt eindeutig. Wie vorhergesagt, ist die Breitbandwirkung
entsprechend größer, da zwei Dimensionen der Intelligenz
im Trainingsprogramm berücksichtigt wurden. Der Leistungszuwachs
in den geübten Fähigkeiten ist auch in dieser Studie etwa
so groß wie der durchschnittliche Altersverlust, den man vom sechzigsten
bis zum achtzigsten Lebensjahr in deskriptiven Längsschnittstudien
bisher beobachtet hat.
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Bild 11 |
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Schlußfolgerungen In Untersuchungen zur Plastizität (Modifizierbarkeit) der Intelligenz mit älteren Erwachsenen und alten Menschen (siebentes bis neuntes Lebensjahrzehnt) kann also gezeigt werden, daß die Teilnehmer relativ schnell und nachhaltig von intelligenzaktivierenden Trainingsprogrammen profitieren können. Der Trainingsgewinn bezieht sich dabei nicht nur auf die im Trainingsprogramm enthaltenen Intelligenzaufgaben. Es gibt eine Breitbandwirkung auf andere Denkleistungen, und zwar auf solche, die im gleichen Fähigkeitsbündel liegen, aber nach Inhalt und Schwierigkeit verschieden sind. Die Ergebnisse gestatten daher die Schlußfolgerung, daß die meisten alternden Menschen über Reserven verfügen, die für Intelligenzleistungen aktiviert werden können. Besonders bedeutsam scheint das Ergebnis, daß intelligenzaktivierende Trainingsprogramme es alternden Menschen ermöglichen, ihre Intelligenzleistungen zumindest um den Betrag zu steigern, der in deskriptiven Altersuntersuchungen als durchschnittlicher Altersverlust festgestellt wurde (Bild 12). Trifft dies nur auf besonders ausgewählte Stichproben zu? Es wurde schon erwähnt, daß gegenwärtig das Ausmaß der Stichprobenselektion nicht präzise anzugeben ist. Doch scheint folgender Befund darauf hinzuweisen, daß der mögliche Selektionseffekt nicht überwältigend ist: Die Intelligenzsteigerung scheint in unseren Untersuchungen auf alle Personen - unabhängig von deren Leistungsausgangslage, Bildungsstand, Alter und Geschlecht - zuzutreffen. Wir haben also bisher keine empirischen Hinweise dafür, daß Versuchspersonen je nach Ausgangs- und Lebenslage mehr oder weniger vom Training profitieren. Gleichzeitig unterstützen die Ergebnisse die Hypothese. daß ein Großteil der in deskriptiver Forschung gefundenen Alters- und Kohortendifferenzen in der Tat auf sogenannten leistungsdeaktivierenden Faktoren wie Lerndefiziten basieren könnte, die für die Kapazitätsbestimmung irrelevant sind. Diese Schlußfolgerung hat natürlich gegenwärtig nur erst die Plausibilität für sich. Sie ist nicht absolut zwingend, da man sich auch Alternativerklärungen vorstellen kann, die ebenfalls Kapazitätsdifferenzen im hohen Alter zulassen. Zwei Bemerkungen möchte ich an die Darstellung unserer Plastizitätsuntersuchungen zur Altersintelligenz anschließen, um Mißverständnisse zu vermeiden. Unsere Ergebnisse beinhalten nicht zwei Schlußfolgerungen, die gelegentlich gezogen werden. Die eine dieser Folgerungen würde besagen, daß ältere Menschen mehr von Intelligenztrainingsprogrammen profitieren als jüngere Erwachsene. Da es gute altersvergleichende Untersuchungen über relative Trainingseffekte nicht gibt, weiß man hierüber nur sehr wenig. Die zweite Fehlinterpretation wäre, daß der Gesamtbereich der Intelligenz älterer Menschen in all ihren Dimensionen oder Koordinaten nach fünf- oder zehnstündigen Trainingssitzungen auf das durchschnittliche Leistungsniveau jüngerer Erwachsener angehoben wäre. Dies wurde lediglich für die Subfähigkeiten der Intelligenz getan, die in unserem Trainingsprogramm enthalten sind.
Einige Brennpunkte weiterer Forschung Die Studien zur Variabilität und Plastizität der Altersintelligenz haben uns in die Gegenwart der Forschungsarbeit gebracht. Wir wissen, daß der Verlauf der Intelligenzentwicklung im Erwachsenenalter sehr unterschiedlich sein kann und daß viele ältere Menschen eine beträchtliche Intelligenzreserve selbst in fluider Intelligenz besitzen. Die Forschungsgegenwart, "the frontiers of science", ist allerdings selten so klar umrissen, wie es meine eher historische und vereinfachende Darstellung scheinen läßt: Man stellt Befunde und Schlußfolgerungen in Frage, sucht nach neuen Ansätzen, diskutiert und streitet, bevor man die nächsten Schritte wagt. So ist es auch gegenwärtig bei der Untersuchung der Erwachsenen- und Altersintelligenz. Das soll anhand von vier Brennpunkten der gegenwärtigen Forschung erläutert werden:
Diese Fragestellungen weisen auch die Richtung der Forschungsansätze, die ich zusammen mit Freya Dittmann-Kohli, Roger Dixon, Jutta Heckhausen, Reinhold Kliegl, Deirdre Kramer, Jacqueline Smith und Doris Sowarka am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung verfolge.
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Bild 12 |
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Weisheit als eine Form der Altersintelligenz? Oben ist bereits darauf hingewiesen worden, daß Konzeption und Messung der kristallisierten Intelligenz - also der Form, die nach der Theorie Wachstumsprozesse im Alter aufweisen könnte - bisher noch unzureichend sind. Messungen des Sprachschatzes und der sozialen Intelligenz sind nur Annäherungsversuche. Die Frage stellt sich, ob es intellektuelle Fähigkeiten gibt, die gerade im fortgeschrittenen Erwachsenenalter und Alter hervortreten und eigentlich erst durch lange Lebenserfahrung möglich werden. In den USA hat vor allem Gisela Labouvie-Vief diese allgemeine Idee in den Vordergrund gestellt. Zwei Begriffe bieten sich als Prototypen für Intelligenzprogressionen im Erwachsenenalter an: "Expertenwissen" (expertise) und "Weisheit". Expertenwissen ist ein Begriff, der in der kognitiven Psychologie zunehmend für solche intellektuellen Fähigkeiten benutzt wird, die ein hohes Maß an Übung, Erfahrung und Wissen voraussetzen. Höchstleistungen in der Kunst oder im Schachspiel oder der Umgang mit spezialisiertem Berufswissen werden meist als Forschungsbeispiele für die Entwicklung und Beibehaltung von Expertenwissen angeführt. Es scheint sinnvoll anzunehmen, daß die intelligenzbezogenen Lebenspassagen der meisten Menschen die Entwicklung solcher Intelligenzspezialitäten einschließen. Auf die mögliche Fortentwicklung oder Transformation der kristallisierten Intelligenz bezogen heißt dies, daß positive Trends oder zumindest Stabilität sich in den Bereichen zeigen, in denen der einzelne in seiner Lebensgeschichte entweder intellektuelle Sonderleistungen erbracht hat oder aber ein ausreichendes Maß an alltäglicher Übung und Unterstützung erlebt. Unser Zugang zur Erforschung der "Weisheit" entspricht diesem Ansatz. Freya Dittmann-Kohli und ich definieren Weisheit als eine "Expertise", von der wir annehmen, daß sie nicht nur wie andere Formen auch altersresistent, sondern gerade im fortgeschrittenen Erwachsenenalter weiter entwicklungsfähig ist. In unserer Sicht ist Weisheit eine Urteilsfähigkeit, die für komplexe und uneindeutige Aspekte des Lebens und der Lebensbewältigung wichtig ist. Weisheit erfordert nicht nur die Anwendung von Logik, sondern zusätzlich die Anwendung eines Wissenssystems bezüglich der conditio humana, der Pragmatik des menschlichen Lebens. Gleichzeitig gehört zur Weisheit auch die Erkenntnis der individuellen und gesellschaftlichen Relativität. Eine mit der Weisheit verknüpfte Abkehr vom Absolutistischen der formalen Logik entspricht auch den Betrachtungen des Philosophen Odo Marquardt (Universität Gießen) über den gesellschaftlichen Abschied vom Prinzipiellen. So sich der Lebenslauf dem Altern nähert, wird besonders deutlich, daß der Mensch nicht mehr den absoluten Anfang darstellen kann; jeder lebt zunehmend mit der Vergangenheit und mit unverfügbaren und gewachsenen Vorgaben. Leben in der biographischen Geschichte und der Endlichkeit erzwingt Pragmatik. Nicht alles kann zugleich in Frage gestellt werden, nur Spezifisches. Weisheit impliziert diese Relativierung des Denkens und ein expertenhaftes Wissen vom Lebensablauf und seinen mannigfaltigen Konstellationen. Die Untersuchungen über Weisheit stehen noch am Anfang, und es ist offen. Ob es gelingen wird, den Begriff der Weisheit und den Prozeß des weisen Urteils empirisch so zu fassen, daß sich hieraus eine psychologische Theorie der Weisheit ableiten läßt. Daß es gelingen könnte, hoffen wir auch deshalb, weil Denkpsychologen (in Deutschland etwa Dietrich Dörner von der Universität Bamberg und Franz Weinert vom Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München) sich zunehmend der Art von Intelligenzproblemen und Denkstrategien zuwenden, die in ihrer Komplexität und Lebensnähe denen sehr nahe kommen, auf die sich unser Konzept von Weisheit bezieht.
Fluide Intelligenz: doch Altersdefizite in Maximalleistungen? Zur zweiten Thematik lautet die Frage, ob es nicht doch eindeutige Altersdefizite in der fluiden Intelligenz gibt. Trifft die Aussage der Plastizität und Variabilität vielleicht nur auf den Normalbereich der fluiden Intelligenz zu? Wie sieht es aus, wenn man sich Maximalleistungen der fluiden Intelligenz ansieht, die extreme Leistungsanforderungen und extensive Übung voraussetzen? Ein Beispiel für das, was ich mit Maximalleistung meine: Es gibt Lernuntersuchungen, in denen junge Erwachsene ihre Gedächtnisleistungen auf phänomenale Leistungshöhen steigern. Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh (William G. Chase) und an der Universität von Colorado (K. Anders Ericsson) haben beispielsweise nachgewiesen, daß junge Erwachsene nach ein- bis zweijähriger Übung in der Lage sind, bis zu 80 Zahlen in einer vorgegebenen Reihenfolge zu behalten. Die Normalleistung beträgt etwa fünf bis neun Zahlen. Die Frage, ob ähnliche Hochleistungen der fluiden Intelligenz (im Gedächtnis, beim schnellen Lösen komplexer figuraler Probleme) im Alter möglich seien, ist bisher ungeklärt. Während ich an die Plastizität der fluiden Intelligenz im Normalbereich der Leistung im Alter aufgrund unserer Ergebnisse glaube, halte ich es forschungsstrategisch für notwendig, zu einer neuen, aber andersartigen Version der konventionellen Hypothese vom Altersdefizit zurückzukehren. So frage ich mich, ob, wenn Hochleistungen der fluiden Intelligenz trainiert würden, diese Maximalgrenzen nicht doch eine unverrückbare negative Altersbilanz aufweisen würden (Bild 13).
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Bild 13 |
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In Berlin ist eine Projektgruppe (unter anderem mit Reinhold Kliegl) augenblicklich dabei, entsprechende Untersuchungen über Maximalleistungen der fluiden Intelligenz zu beginnen. Ich schätze die langfristige Bedeutung dieser Studien recht hoch ein. Einerseits, sollte es in der Tat auch keine Altersdefizite in solchen Spitzenleistungen geben, könnten diese Ergebnisse die bisherigen Daten zur Plastizität der fluiden Intelligenz entscheidend verstärken. Würden sich die Altersdefizite in fluiden Spitzenleistungen aber nicht als kompensierbar erweisen, hätten wir andererseits ein erstes Fenster, durch das man "primäre" Altersdefizite eines Teilbereichs der Intelligenz besser beobachten und weiter untersuchen könnte. Ob und unter welchen Bedingungen solche Hochleistungen der fluiden Intelligenz für das Alltagsleben relevant sind, ist natürlich eine andere Frage. Persönlich glaube ich, daß dies nicht immer so ist, da kristallisierte Intelligenzleistungen - der positive Entwicklungsschwerpunkt der Erwachsenen- und Altersintelligenz - wahrscheinlich keine Maximalanforderungen an fluide Intelligenz stellen. Schließlich ist es auch nicht notwendig, Weltrekord-Läufer zu sein, um sich zu Fuß durch den Verkehr einer Großstadt zu bewegen.
Selektive Optimierung mit Kompensation Zur dritten Thematik: Hier geht es um die Suche nach einer Modellvorstellung der Entwicklungsdynamik, die es ermöglicht, das Wechselspiel zwischen Wachstum und Abbau im Intelligenzleben des einzelnen, also etwa zwischen fluider und kristallisierter Intelligenz, zu rekonstruieren. Wie kann man sich vorstellen. Dass es eine progressive Form der geistigen Entwicklung im Alter gibt - und dies trotz eines biologischen Altersabbaus? Hierbei benutzen wir den Begriff der selektiven Optimierung versuchsweise als Schlüsselbegriff für ein Verständnis des Zusammenspiels von Auf- und Abbau. Nach diesem Modell orientiert sich der einzelne, während er älter wird, zunehmend (selektiv) auf bestimmte Leistungsbereiche, in denen er dann weiterhin Spitzenleistungen erbringen kann. Zudem gibt es Möglichkeiten der Kompensation, um selektiv solche Optimalleistungen zu erzielen. Das Prinzip der selektiven Optimierung impliziert zudem, daß diese sich nicht nur in Spitzenleistungen äußert, sondern auch in einem Rückzug aus anderen Leistungsgebieten. Obwohl also biologische Energie und biologische Reserven zurückgehen mögen, können viele alte Menschen sich bestimmten, für sie wichtigen Aufgaben widmen und diese mit hoher Effizienz erledigen. Die oben beschriebene Art der Altersintelligenz als Weisheit kann eine derartige Klasse von Fähigkeiten darstellen, die einer selektiven Optimierung im Alter zugänglich ist.
Alter und wissenschaftliche Produktivität Ein Beispiel, an dem man die Fortentwicklung der kristallisierten Intelligenz und das Prinzip der selektiven Optimierung verdeutlichen kann, ist die Rolle des Alters in der wissenschaftlichen Produktivität. Die empirische Erkenntnis auf diesem Gebiet hat einen ähnlichen Verlauf genommen wie die auf dem Gebiet der Intelligenzforschung. Das begann mit der Position vom Altersabbau. Es gibt die klassischen Studien zum Lebenslauf der wissenschaftlichen Produktivität von Harvey C. Lehman ( 1953), die vor allem auf Querschnittsbasis gewonnen wurden. Diese Untersuchungen zeigten für die meisten Bereiche der Wissenschaft einen relativ frühen Abfall der wissenschaftlichen Produktivität im Erwachsenenalter. In den letzten Jahren hat man sich, wie 1979 der Soziologe Stephen Cole im "American Journal of Sociology'', dieser Fragestellung erneut zugewandt und dabei einen methodischen Zugang gewählt, der eher den dargestellten Längsschnittstrategien entspricht. In diesem Fall hat sich für den Altersbereich bis zu etwa sechzig Jahren ebenfalls ein anderer Befund ergeben als früher bei Lehman. Nach diesen neueren Untersuchungen spielt das chronologische Alter keine große Rolle. Es läßt sich für den Altersbereich von zwanzig bis sechzig Jahren, und insbesondere für im Beruf verbleibende Wissenschaftler, nicht mehr belegen, daß sich die Qualität oder Quantität ihrer wissenschaftlichen Arbeit im späten Erwachsenenalter wesentlich veränderte. Im Gegenteil, für alle von Cole untersuchten Wissenschaftsbereiche (Chemie, Geologie, Mathematik, Physik, Psychologie, Soziologie) ist der zentrale Befund Altersstabilität. Man beachte hierbei vor allem, daß dies auch auf jene Bereiche (Mathematik, Physik) zuzutreffen scheint, in bezug auf die das Stereotyp von Altersabbau besonders verbreitet ist. Auch dieses Ergebnis der Altersinvarianz von wissenschaftlicher Produktivität kann man im Sinne eines Prozesses der selektiven Optimierung deuten. Dabei ist selektive Optimierung sowohl aus psychologischen wie sozialstrukturellen und wissenschaftssoziologischen Gründen erklärbar. Aus psychologischen Gründen, weil der einzelne Wissenschaftler die Leistungsreserve hat, um in einzelnen Bereichen produktiv zu bleiben. Aus sozialstrukturellen und wissenschaftssoziologischen Gründen, weil aktive Wissenschaftler besondere Unterstützung durch die Gesellschaft erleben und meist auch größeren Einfluß im Wissenschaftssystem ausüben können.
Ausblick Ich habe mit der Frage nach den Grenzen der Wirklichkeit des Alterns begonnen und bin dieser Frage auf dem Gebiet der Intelligenzforschung nachgegangen. Im Gegensatz zur überkommenen und weit verbreiteten Meinung vom Intelligenzabbau im Alter ist der zentrale empirische Befund vielfältiger. Die Empirie zeigt, daß Altern in der gegenwärtigen westlichen Welt nicht als ein homogener, auf Intelligenzabbau hin gerichteter Prozeß gesehen werden kann, der jedermann in gleicher Intensität und Zeitabfolge erfaßt. Vielmehr stellt Intelligenz im Erwachsenenalter und höheren Alter ein vielschichtiges System von Fertigkeiten und Wissen dar, das Abbau und Aufbau in einem dynamischen Zusammenspiel erscheinen läßt. Zur Wirklichkeit des Alterns gehört also - trotz der ebenso vorhandenen biologischen Schwächung des Organismus und trotz des Verlusts gewisser kognitiver Fähigkeiten - auch die Möglichkeit der intellektuellen Fortentwicklung. Die wesentlichen Ausnahmen hiervon sind wahrscheinlich bestimmte Erkrankungen der Hirnfunktionen, die im Alter mit vermehrter Häufigkeit auftreten. Diese Krankheiten betreffen aber bis zum siebenten und achten Lebensjahrzehnt doch nur einen vergleichsweise geringen Anteil der Bevölkerung. Die Forschungen auf dem Gebiet der Altersintelligenz haben also die Grenzen der Wirklichkeit etwas verlagert. Es gibt nun so etwas wie eine, wenn auch zaghafte, Aufbruchsstimmung des Alters. Es ist nicht das Thema dieses Beitrags, näher zu überprüfen, inwieweit die im Alter vorhandene psychologische Lernkapazität in gesellschaftspolitische Maßnahmen wie etwa Bildungsaktivitäten umsetzbar ist. Die Frage, wie der durchschnittliche Lebenslauf zu gestalten wäre, damit die Intelligenzentwicklung größerer Teile der Bevölkerung gefördert und optimiert wird, ist allerdings eine Herausforderung an die Wissenschaft. Es wäre aber sicherlich ein Kurzschluß, allein aus der intellektuellen Plastizität älterer Menschen unmittelbar einen gesellschaftlichen Bildungsimperativ abzuleiten. Das wäre sozusagen gerontologischer Bildungsfanatismus. Bevor etwa Bildungsfähigkeit in Bildungsaktivität umgesetzt wird, bedarf es einer Reihe von Vorklärungen. Einerseits müßte zum Beispiel untersucht werden, inwieweit Bildungsaktivität in der Motivstruktur älterer Menschen überhaupt hohe Priorität hat, und wenn, unter welchen Bedingungen. Wir wissen noch zuwenig über das Bildungsinteresse älterer Menschen, obwohl wir in unseren Untersuchungen schon davon beeindruckt sind, wie gerne unsere älteren Versuchspersonen an unseren Experimenten teilnehmen. Andererseits gilt es, die Vernetzung gerontologischer Bildungsaktivitäten mit anderen gesellschaftlichen Aspekten zu überprüfen, etwa denen des Beschäftigungssystems. Sozialpolitisch problemträchtig ist beispielsweise, daß der Einsatz gesellschaftlicher Ressourcen für die späten Lebensabschnitte in Konkurrenz tritt mit dem Einsatz von Mitteln für den Beginn des Lebenslaufs. Die gegenwärtige Diskussion um den Vorruhestand ist ein lautes Beispiel für die explosive Dynamik neuer, lebenslaufbezogener sozialpolitischer Konzepte. Allerdings sollte man sich wahrscheinlich bei der Diskussion dieser Fragen nicht allzu schnell durch ökonomischtechnokratische Argumente entmachtet fühlen. Gerade zu Zeitpunkten der Krisen und Konflikte gilt es, den visionären Zauber der Menschenentwicklung nicht vollständig als Leitbild aus den Augen zu verlieren. Auch wie eine Gesellschaft mit dem Alter umgeht, wird in der Zukunft mehr und mehr zu einem Maßstab unserer Lebensqualität werden. Über die möglichen Schwächen, aber auch Stärken der Intelligenz im Alter nachzudenken und zu forschen scheint mir daher nicht nur wissenschaftlich reizvoll, sondern auch gesellschaftlich notwendig. |
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Paul B. Baltes |
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