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Forschungsschwerpunkte

Um musikalisch motivierte Emotionen zu entschlüsseln, arbeiten die Doktorandinnen und Doktoranden mit von ihnen selbstständig ausgewählten Fallbeispielen. Häufige, ja alltägliche Praktiken stehen im Zentrum der Analyse. Jede Dissertation ist so konzipiert, dass sie ein relevantes emotionales Phänomen untersucht. Sind über die beiden Jahrhunderte hinweg gemeinsame oder unterschiedliche emotionale Verhaltensmuster auszumachen? Oder unterlag die Musik den Emotionen des jeweiligen politischen Kontexts, der sozialen Lage, der Konfession oder dem Geschlecht? Aus drei möglichen Themengruppen lassen sich einzelne Dissertationen auswählen: Kontrollversuche, Kontrollverluste und der Geniekult:

Kontrollversuche

Hände mit Taktstock
© photocase.com

Musikalische Aufführungen sind als gewollte Kontrollversuche von Emotionen zu analysieren. Der Blick wird auf Mehrheitsanschauungen gelenkt, auf das Verhalten des Publikums, das etwa in Gottesdiensten und Sinfoniekonzerten versuchte, seine Bewegungen und Äußerungen zu disziplinieren.

Kontrollverluste

Gitarrist
© photocase.com

Ein wichtiges mögliches Fallbeispiel für Dissertationen sind Unruhen im Musikleben als emotionale Strategien von Minderheiten oder von Jugendkulturen. Diese folgten nicht nur spontanen Eingebungen, sondern waren oft zur Schau gestellte Emotionen im Zuge von kulturellen Deutungskämpfen.

Geniekult

Fans
© istockphoto.com/Yuri_Arcurs

Doktorandinnen und Doktoranden könnten sich dem Problem stellen, wie „Genies“ ihre emotionale Bedeutung nicht nur durch die Reproduktion der jeweiligen Musik, als vielmehr durch ihre einzigartige öffentliche Rezeption gewannen. Vielleicht kreierten neue Medien neue Verehrungsformen, vielleicht lebte im Popstar des 20. Jahrhundert der Kult um die Opernsänger des 19. Jahrhunderts auf. Machten Emotionen die Grenzen zwischen populärem und distinktivem Musikgeschmack durchlässiger?