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Forschungsansatz

Rockkonzert
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Das Wissen über Stile, Sänger und Musikgruppen ist heute Herrschaftswissen. Es entscheidet darüber, wer zur Gruppe gehört – und wer nicht. Doch wie entwickelten sich diese unausgesprochenen Normen und Regeln? Was verband die Musikfreunde und was trennte sie? Wie motivierten Emotionen bestimmte Handlungen und wie steuerten sie das Verhalten?

Die Forschungsgruppe untersucht, in wieweit sich durch die Aufführungen von Musik „gefühlte Gemeinschaften“ herausbildeten. Durch gemeinsam ausgeprägte und ausgelebte Praktiken im Zusammenhang mit Musik erlernten Gruppen emotionale Bindungen. Emotionen sind dabei weniger momentane Affekte als vielmehr langfristige Verhaltensmuster, die durchaus sozialem Wandel unterworfen sind. Die gleichen Musikstücke konnten in unterschiedlichen Kontexten häufig andere Emotionen auslösen. Es ist ein historischer Perspektivwechsel nötig, um die Wandlung der Emotionen fassbar zu machen. Schwerpunkte sind daher die Analyse der musikalischen Praxis und der Wirkung von Aufführungen. Die musikalischen Reize und die Musik als Werk spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Das europäische Musikleben im 19. und 20. Jahrhundert ist eine politische, ökonomische und kulturelle Umbruchzeit. Bildungsreformen und Massenmedialisierung eröffneten vielen Menschen neue Lernprozesse. Die Forschungsgruppe untersucht, wie diese Faktoren einerseits zu einer Angleichung musikalisch motivierter Emotionen beitrugen, andererseits aber soziale, nationale und stilistische Abgrenzungen verursachten.

Das ist an vielen Orten zu beobachten: In Kirchen und auf Straßenfesten, in Tanzlokalen und im Radio, in Opernhäusern des 19. Jahrhunderts und in Popkonzerten des 20. Jahrhunderts. Mögliche Kontexte sind etwa der Blick auf Besucherzahlen, auf die Tourneen von Künstlern, auf die Begeisterung für und den Boykott von neuen Musikstilen.