Khwaja Hasan Nizami. Emotionen für die Nation, die muslimische Gemeinschaft und den Sufi Schrein
Khwaja Hasan Nizami (1878-1955), Sufi des Chishti-Ordens, Journalist und Autor im Delhi der indischen Unabhängigkeitsbewegung, verteidigte die ekstatischen Praktiken sufischer Mystiker ebenso wie das nüchterne religiöse Gesetz; er warb für die islamische Mission und die pan-islamische Bewegung in gleichem Maße wie für eine gemeinsame indische Nation von Hindus und Muslimen.
In seinem vielfältigen Engagement für die sufische, die muslimische und die indische Gemeinschaft forderte Khwaja Hasan Nizami zum Teil widersprüchlich erscheinende Gefühle ein. Um welche Emotionen und ihre Normen handelte es sich dabei jeweils und welche strategische Funktion kann ihnen zugewiesen werden? Lassen sich hier insbesondere religiöse Gefühle und ihre Bedeutung herausarbeiten? Sind überdies angesichts der konkurrierenden emotionalen Codes, welche der Autor propagierte, Konzeptionen eines notwendigerweise kohärenten Subjekts neu zu überdenken? Inwiefern verbinden Gefühle jedoch andererseits auch die verschiedenen Diskurse, in denen Khwaja Hasan Nizami partizipiert?
Über die Analyse des stark emotionalisierten Stils im Werk Khwaja Hasan Nizamis, mit dem er sich an sein jeweiliges Publikum wendet, soll zudem gezeigt werden, wie Emotionen in der Sprache repräsentiert und mithilfe des geschriebenen Wortes evoziert werden. Daraus sollen auch Rückschlüsse auf die Rolle von Gefühlen bei Vergemeinschaftungsprozessen gezogen werden.
Ausgehend von dem umfangreichen Werk Khwaja Hasan Nizamis deutet dieses Projekt Spannungen von Gefühlen, ihrem Ausdruck und ihren Normen innerhalb eines Akteurs vor dem Hintergrund sich wandelnder sozialer Strukturen, in denen Identität, Ideale und Einfluß zur Verhandlung stehen.