Gefühle und Härte: Eine Gefühlsgeschichte sozialer Bewegungen nach 1968
Gefühle und Härte – so hieß es unter Texten und auf Wänden besetzter Häuser in Berlin während der Revolte 1980/81. In den Texten und Parolen der „Bewegung“ spielten Gefühle – Lust, Freude, Angst, Wut und Hass – eine zentrale Rolle, sowohl als Forderungen wie auch in subjektiven Erlebnisberichten. Diese Präsenz der Gefühle hatte eine Vorgeschichte, die (im wesentlich) um 1968 begann. Ziel des Forschungsprojektes ist es erstens, diese Politisierung der Gefühle zu untersuchen. Auf welche Weise rückten welche Gefühle ins Zentrum politischer Analysen und Forderungen? Wie wurden politische Probleme als emotionale Probleme begriffen (beispielsweise wurde der Gesellschaft vorgeworfen, nur „negative“ Gefühle wie Angst zu produzieren oder keinerlei „echten“ Gefühle zuzulassen), und welche Lösungen wurden hierfür vorgeschlagen? Und schließlich: wie verschwanden Gefühle wieder aus dem politischen Vokabular sozialer Bewegungen? Zum zweiten konzentriert sich das Projekt auf die Revolte 1980/81, die von den Beteiligten als rauschhafte Erfahrung beschrieben wurde, wobei längerfristige Erfolge gegenüber dem momenthaften, intensiven emotionalen Erleben in den Hintergrund rückten. Diese emotionale Intensität zu begreifen ist ein zweites Ziel des Projekts, wobei insbesondere das Verhältnis von Gefühlen und Macht im Augenblick ihres Zusammenbruchs oder ihrer Herausforderung zu beleuchten sein wird.