Projekt Arbeit: Erwerbskrisen, Arbeitswissen und Subjektivierungsweisen (Schweiz 1890–1950)
Berufswahl, Arbeitssuche und Arbeitslosigkeit stellen biographische Knotenpunkte dar. Hier treffen die Zukunftserwartungen der Einzelnen auf die Strukturen des Arbeitsmarktes und auf kulturelle Vorstellungen von einem gelungenen Leben. Das Projekt beschäftigt sich mit solchen Krisen in Erwerbslaufbahnen, während denen Subjektivität auf dem Prüfstand steht. Dabei kommen nicht nur neue Institutionen und Wissensformen, sondern auch Normen und Praktiken des emotionalen Umgangs mit der Arbeitswelt zwischen «Arbeitsfreude» und «Arbeitsverdruss» (so die zeitgenössische Begrifflichkeit) in den Blick. Bei all diesen Bearbeitungsformen wirtschaftlicher Unwägbarkeiten ging es über die Eindämmung von Risiken hinaus auch um die gesellschaftliche Thematisierung und emotionale Modulierung individuellen Erfolgs im Spannungsfeld von Gleichheitsanspruch und Leistungsdifferenzen. Das Projekt verzahnt eine Analyse der institutionellen Bearbeitung von Berufswahl, Arbeitssuche und Erwerbslosigkeit mit der Untersuchung darauf bezogener Wissensbestände und Orientierungshorizonte. Erstens rücken die Beratungsmodelle und Allokationsinstrumente der Berufsberatung und Arbeitslosenbetreuung seit dem Fin de siècle ins Blickfeld. Zweitens werden neue Formen des Wissens über die Arbeitswelt herausgearbeitet, die sich keineswegs auf Expertendiskurse beschränkten. Gerade die Massenmedien vermittelten hier Narrative gelungener Berufsbiographien, praktische Tipps und Vorgaben emotionalen Verhaltens. Drittens rücken die Behauptungsstrategien und Praktiken der Subjektivierung ins Zentrum.