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Emotionen in der Arbeit – Arbeiten an Emotionen. Deutschland, 1870 – 1970

Wie fühlt sich ein Mensch bei der Arbeit? Führt gefühlte Langeweile zu einem Leistungsabfall? Welchen Einfluss hat das emotionale Verhältnis zu Vorgesetzten und Mitarbeitern auf die Arbeit, und: wie lässt es sich beeinflussen?

Diese und verwandte Fragen erfuhren im Zuge der Industrialisierung zunehmend an Bedeutung. Zum einen warf die Wucht der Arbeiterbewegung die Frage auf, wie dem Gefühl des ‚Klassenhasses’ das einer emotionalen Zugehörigkeit zur ‚Betriebsfamilie’ entgegengesetzt werden konnte. Zum anderen begründete sich das Interesse an den Emotionen der Arbeitenden aus einer angestrebten Leistungssteigerung: Mit der Rationalisierungsbewegung der 1920er Jahre entwickelte sich der Topos, dass der ‚zufriedene’ Arbeiter auch der ‚produktivere’ ist. Dieser Zusammenhang begründete die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Disziplinen. Die Arbeitswissenschaften, die Betriebssoziologie als auch die Arbeitspsychologie erzeugten Wissen darüber, wie das Innenleben des arbeitenden Individuums möglichst reibungslos mit den jeweiligen Produktionserfordernissen zusammenzuführen sei. Das Projekt untersucht diese Entwicklung bis in die 1970er Jahre entlang der folgenden Leitfragen: Welche Emotionskonzepte wurden in den genannten Disziplinen ausgebildet? Wie übersetzte sich dieses Wissen in Gefühlsnormen und -praktiken in Unternehmen? Welchen Einfluss hatten Prozesse der Psychologisierung und Leistungssteigerung auf die Bewertung und den Ausdruck von Gefühlen am Arbeitsplatz? Anhand arbeitswissenschaftlicher Publikationen, Quellen aus Unternehmensarchiven, Ratgeberliteratur sowie Schulungsmaterialien für den zwischenmenschlichen Umgang in Unternehmen sollen diese Fragen erschlossen werden.

Produktionshalle
© Siemens Bildarchiv (1925)

Zählerwerkstatt im Nürnberger Werk der Siemens-Schuckertwerke (1925)

Kontakt

donauer [at] mpib-berlin [dot] mpg [dot] de (Sabine Donauer)

Das von Ute Frevert betreute und in die Arbeit des Forschungsbereichs integrierte Promotionsprojekt ist am Excellenzcluster „Languages of Emotion“ (FU Berlin) angesiedelt.