Ambivalente Emotionen. Konflikte und Konvergenzen im Umgang mit Aids
Als sich Anfang der 1980er Jahren die vermeintliche »Schwulenkrankheit« Aids ausgehend von den USA in den meisten westlichen Ländern immer stärker ausbreitete, war schnell die Rede von einer »Aids-Hysterie«, bei der Gefühle und insbesondere »Angst« einen rationalen und »vernünftigen« Umgang mit der Krankheit und der Infektionsgefahr behinderten. Immer wieder wurde und wird Emotionen im Zusammenhang mit Aids eine solch große Bedeutung zugesprochen, so beispielsweise auch in der Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Allerdings haben Aids und HIV nicht nur »Angst« ausgelöst haben. Auch »Trauer«, »Wut« und »Scham« spielten und spielen ganz offensichtlich eine immense Rolle und zwar sowohl für die direkt Betroffenen als auch für die Angehörigen, ihr Umfeld und für zahlreiche politische Akteure. Genau diese ambivalenten Umgangsweisen und Emotionen stehen im Zentrum des Forschungsprojekts. Das Projekt möchte sich also am Beispiel von Aids mit der Ambivalenz und Pluralität von Emotionen auch noch in scheinbar eindeutig codierten Situationen auseinandersetzen. Dabei soll danach gefragt werden, inwiefern bestimmte Emotionen im Zuge von Aids und HIV politisiert wurden. Wie wurden beispielsweise bestimmte Gefühle als logische Konsequenz von Gefahren und Risiken konstituiert, andererseits aber ebenso wieder in Frage gestellt? Welche Rolle spielten unterschiedliche Emotionen? Und welche politischen Effekte waren damit verbunden? Der zeitliche Schwerpunkt wird dabei (thematisch bedingt) auf den 1980er und 1990er Jahren und auf der BRD liegen.