Liebe zum Sufi-Meister? Die Debatte um angemessene Emotionen in Nord-Indien (1750-1830)
Das Projekt untersucht die Emotionen in der Beziehung zwischen dem Sufi-Lehrer und seinen Schülern im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert in Nord-Indien. Dies war die Zeit der grundlegenden Debatten zwischen Reformisten und Sufis über angemessene und unangemessene Emotionen; diese Auseinandersetzungen schlossen auch andere Praktiken des Ausdrucks der Hingabe, des Respektes und der Liebe zu Lehrer in den Schreinen oder Konventen der Sufis ein.
Das Projekt zeichnet diese Debatte im Kontext der damaligen sozio-politischen Situation in Nord-Indien nach und verfolgt ihre Verbindung mit den strategischen Zielen der Reformbewegung unter Saiyid Ahmad von Rai Bareilly und Shah Ismail von Delhi
Die Studie geht von der Annahme aus, dass es Gruppen oder Institutionen mit unterschiedlichen emotionalen Standards gab, die entsprechend unterschiedliche Ausdrucksformen von Emotionen propagierten. Ratgeber, Biografien und Briefe von Sufi-Heiligen oder ihren Schülern sowie Sammlungen von Gesprächen sind die Quellen mit denen folgende Fragen beantwortet werden sollen:
Auf welcher Basis entschieden die Reformer ob Emotionen angemessen oder unangemessen waren?
Formten die sozio-kulturellen Bedingungen die Sichtweisen der Beteiligten auf diese Emotionen?
Gab es mit Blick auf die Ausformung der emotionalen Standards eine Wechselbeziehung zwischen den Sufi-Lehrern einerseits und den Institutionen (Schulen und Konvente) und Praktiken andererseits?
Wie verhielten sich die Akteure zu den unterschiedlichen Standards? Entsprachen sie ihnen oder leisteten sie Widerstand? Wie verarbeiteten sie die Spannung zwischen Vorschriften und Praktiken?