Hindi-Ratgeberliteratur vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts
Das Projekt untersucht am Beispiel des kolonialen Indiens den Nexus von historischem Wandel und der Etablierung von Gefühls- und Verhaltensnormen. Für die Untersuchung dieser gesellschaftlichen Praktiken kommt Ratgeberliteratur eine besondere Rolle zu: durch Ratschläge für das alltägliche Leben werden normative Verhaltensregeln geschaffen, die auch Gefühle und deren angemessenen Ausdruck mit einschließen.
Kulturelle und religiöse Reformbewegungen entstanden in Nordindien vermehrt ab 1870. Erklärtes Ziel war, durch Bildung und modernes Gedankengut das Individuum und mit ihm die Gesellschaft zu formen. Bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947 expandierte zudem das Druckwesen und Hindi wurde als standardisierte Literatursprache etabliert. Diese Prozesse liefen einher mit der Entstehung religiöser und nationalistischer Ideologien, die auch heute noch den Subkontinent prägen.
Die Dissertation analysiert den Diskurs über Verhaltensnormen und Idealvorstellungen für beide Geschlechter: Welche Gefühle sollen kultiviert, welche unterdrückt werden? Wie wird dies argumentativ legitimiert? Entwickelt sich in dieser Zeit ein Gefühlskodex der normativ auf die entstehende Mittelklasse projiziert wird?
Emotionen operieren subtil, sind aber gleichzeitig höchst einflussreich in der Schaffung kultureller Identifikatoren. Daher liegt das Hauptanliegen des Dissertationsprojektes in der Beantwortung der Frage, wie die Kultivierung von Emotionen die Entstehung politischer, religiöser und kultureller Identität beeinflusst.