EnglishDeutsch

Freundschaft, Liebe und Loyalität: Ethik im persischen Selbst und in persischen Gemeinschaften vor dem Nationalismus

Das Projekt untersucht, wie die Konzepte von Freundschaft, Liebe und Loyalität kurz vor und während der frühen kolonialen Expansion in Süd-Asien (1739-1835) verstanden und ausgedrückt wurden. Die sich verändernden sozialen Beziehungen und politischen Loyalitäten während dieser Zeit wurden bisher häufig aus ahistorischen, protonationalischen Perspektiven beschrieben. Mein Hauptargument hingegen ist, dass eine bestimmte Art der persischen Erziehung Wertvorstellungen vermittelte, die die Modi von Zugehörigkeit, der Wahrnehmung von Differenz und der Imagination einer Gemeinschaft bestimmten.

Diese Ethik des richtigen Benehmens (adab) strukturierte die Wahrnehmungen und Praktiken von Zugehörigkeiten und Differenz und kann Loyalitäten innerhalb der miteinander verwobenen interpersonalen Beziehungen in Gesellschaft und Politik erklären.

Die Ausdruck und die Wahrnehmung von tugendhaften und schändlichen Emotionen waren fester Bestandteil des Kataloges ethischen Benehmens. Diese Vorstellungen von Ethik, Tugend und der damit verbundenen  Emotionen dienen als Ausgangspunkt für die Beantwortung der Frage, was hinter den Begriffen von Loyalität und Freundschaft in belehrenden Texten stand. Das Projekt analysiert wie diese Ideen dann in sozialen Praktiken umgesetzt wurden, hierzu werden Briefe, Poesie, Reiseberichte, Memoiren und biographische Texte untersucht. Viele sozial und politisch wichtige Beziehungen wurden unter dem Begriff der Freundschaft subsummiert und verweisen damit auf die mit diesem Konzept verbundenen Ideale, die in den verschiedenen sozialen und politischen Kontexten wirkten. Das Verständnis von Loyalität, das auf der positiv konnotierten Idee der Männerfreundschaft ruhte, festigte die Beziehungen zwischen Herrscher und Untertan, Mäzen und Künstler und Lehrer und Schüler. Das ideale, tugendhafte persische Selbst war männlich, muslimisch und stammte aus dem mittleren Osten. Das Projekt untersucht auch wie Individuen, die nicht diesem Ideal entsprachen mittels der ethischen Sprache des adab ihre Differenz in Geschlecht, Herkunft und Konfession in der Gesellschaft aushandelten. Das Projekt historisiert also auch Konzepte von Differenz und ihre Rolle in der Vorstellung und Praxis von sozialer und politischer Zugehörigkeit in der entscheidenden Periode zwischen der Dezentralisierung der Macht der Mughals und der zunehmenden kolonialen Dominanz der Briten in Südasien.

Kontakt