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Wissenschaftliche Begründung und strategischer Hintergrund

Wissenschaftliche Begründung

Die Neurowissenschaften des Verhaltens und verwandte Disziplinen haben spektakuläre Fortschritte gemacht, die eine Vielfalt an wissenschaftlichen Möglichkeiten eröffnen. Die Kombination von funktionellen Bildgebungsverfahren und anspruchsvollen computationalen Modellen kognitiver Prozesse hat unser Verständnis menschlicher mentaler Abläufe revolutioniert. Diese Fortschritte erlauben ein adäquateres Verständnis von kognitivem Altern und Psychopathologie, zwei empirisch überlappender Phänomene, die für Wissenschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung sind. Entscheidend ist eine stärkere Nutzung von computationalen Methoden, um variable und invariante Beziehungen zwischen Gehirn und Verhalten aufdecken zu können, einschließlich der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen und ihrer Modulation durch häufige genetische Polymorphismen.

Strategischer Hintergrund

Das Wellcome Trust Centre for Neuroimaging und seine assoziierten Institutionen, insbesondere das Gatsby Computational Neuroscience Unit, konzentrieren sich auf die neuronale Grundlage der Kognition. UCL hat eine herausragende Erfolgsbilanz der wissenschaftlichen Entdeckung und Veröffentlichung in führenden Fachzeitschriften. Die Entwicklung von Plänen in Partnerschaft mit Kollegen von der MPG eröffnet neue wissenschaftliche Möglichkeiten. Die MPG umfasst eine Reihe hervorragender Institute mit sich ergänzenden Stärken und Interessensgebieten. Unter ihnen ist der Forschungbereich Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin in kognitiver Alternsforschung führend. Die Abteilung Kognitive Neurologie am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig ist ein Pionier der Anwendung multimodaler bildgebender Verfahren, die eine genauere Darstellung der menschlichen Hirnfunktionen und ihrer Beziehungen zu normalen und pathologischen Verhaltensmustern erlauben.

Das Proposal

Diese Initiative wird das Potenzial der wissenschaftlichen Stärken von MPG und UCL nutzen, um international führende Forschungsmöglichkeiten zu eröffnen, die keine der beiden Institutionen alleine bieten könnte. Sie wird aus drei Elementen bestehen:

  • Wissenschaftliche Tagungen und Fellowships: Die Forschungsteams werden eine jährliche Klausurtagung zu den Bereichen kognitives Altern und Psychopathologie veranstalten, um neue Ansätze zu entwickeln und gemeinsame Projekte zu diskutieren. Die leitenden Wissenschaftler und Postdoktoranden werden im Laufe jedes Jahres die jeweilige Partnerinstitution besuchen.
  • Gemeinsames Forschungsprogramm: Das Kerngremium wird ein gemeinschaftliches Forschungsprogramm zur Entwicklung und Anwendung computationaler Techniken initiieren und implementieren. Diese sollen die Neurobiologie der alternden Kognition und neuropsychiatrischer Störungen untersuchen. Insbesondere bietet die Neurowissenschaft des Entscheidungsverhaltens einen theoretischen Rahmen zur Definition vieler hochrangiger kognitiver Defizite beim Menschen, beispielsweise Impulsivität, Unentschlossenheit und psychomotorische Einschränkungen. Das Programm wird sich auf zwei Verhaltensbereiche konzentrieren: (a) altersbedingte Veränderungen des episodischen Gedächtnisses, des Risikoverhaltens, der Belohnungsempfindlichkeit, Verlustvermeidung und des intertemporalen Auswahlverhaltens, mit einem Schwerpunkt auf Mechanismen der interindividuellen Unterschiede in diesen Veränderungen; (b) kognitive Veränderungen, die auf psychische Krankheiten zurückzuführen sind, mit einem Schwerpunkt auf affektiven Störungen. Wie die Gerontopsychiatrie nahelegt, weisen diese zwei Verhaltensbereiche Überlappungen auf und werden sowohl zusammen als auch einzeln untersucht. Die MPG-UCL-Zusammenarbeit erlaubt eine Integration der Expertise auf dem Gebiet der computationalen Systeme, einer besonderen Stärke in London, mit der Expertise auf dem Gebiet des kognitiven Alterns und der individuellen Unterschiede am MPI für Bildungsforschung in Berlin und der multimodalen Bildgebung am MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.
  • Austauschprogramm für Doktoranden: Ein Austauschprogramm wird es Doktoranden ermöglichen, einige Monate in einer der Partnerinstitutionen zu verbringen. Eine Summer School wird 2012 von UCL- und MPG-Wissenschaftlern organisiert, um exzellente Studierende anzuziehen.

 
Siehe auch Forschungsbeispiele

Kerngremium

Leitende Wissenschaftler

University College London (UCL)
Ray Dolan (Koordinator UCL)
Peter Dayan
Emrah Düzel (auch an der Universität Magdeburg)
Karl Friston
Read Montague

Max-Planck-Gesellschaft (MPG)
Hans-Jochen Heinze (Leipzig, auch an der Universität Magdeburg)
Ulman Lindenberger (Berlin, Koordinator MPG)
Arno Villringer (Leipzig)

Andere Institutionen
Lars Bäckman (Karolinska Institute, Stockholm; Neurochemie des alternden Gehirns)
Hauke Heekeren (Freie Universität Berlin; Entscheidungsverhalten)
Klaas Enno Stephan (Universität Zürich; neurocomputationale Modellierung)
Naftali Raz (Wayne State University; Neuroanatomie des alternden Gehirns)
Gerhard Roth (Universität Bremen; Emotionsregulation und Persönlichkeit)