EnglishDeutsch

Die Dynamik individueller Variabilität über die Lebensspanne

Testunterlagen
© D. A.

Verhaltensentwicklung umfasst sowohl kurzfristige Variabilität als auch langfristige Veränderungen und ist in kulturelle, umweltbedingte und neuronale Kontexte eingebettet. Das übergreifende Ziel dieses Projektes ist die Untersuchung von Theorien und Forschungsdesigns, die Verhaltensentwicklung über Zeitskalen, Analyseebenen und Funktionsbereiche hinweg ausdrücken. Diese Betonung der empirischen Artikulation und konzeptuellen Integration erfordert eine deutliche Zunahme der Beobachtungshäufigkeit für jedes Individuum.

Wozu sollte Variabilität untersucht werden?

Durch die Untersuchung der Beziehungen zwischen kurzfristiger Variabilität und langfristigen Altersveränderungen oder -unterschieden können verschiedenen Formen und Funktionen der Variabilität unterschieden werden. So kann man zwischen Plastizität, Diversität, Adaptivität, Fluktuation und zeitliche Verknüpfungen unterscheiden. In diesem Kontext bezieht sich Plastizität auf Formen der Leistungsanpassung, beispielsweise durch Lernen durch Instruktion, Übung oder Training. Diversität beschreibt die Vielgestaltigkeit der Antworten auf Umweltanforderungen wie das Ausprobieren von Verhaltensstrategien in den frühen Phasen der Aneignung komplexer Fähigkeiten. Adaptivität verweist auf die Fähigkeit eines Individuums, frühere Funktionsniveaus nach Abweichungen, die entweder auf interne Verarbeitungsfluktuationen (z.B. Nachlassen der Aufmerksamkeit) oder Veränderungen der externen Umwelt (z.B. anspruchsvollere Aufgaben) beruhen, wieder zu erlangen. Verarbeitungsfluktuation, oder der Mangel an Verarbeitungsrobustheit, spiegelt Zufallsschwankungen um eine modale Antwort. Verarbeitungsfluktuationen können leichter beobachtet werden, wenn andere Variabilitätsformen gering ausgeprägt sind, wie es oft bei Standardreaktionszeitaufgaben der Fall ist, oder nach Reduktion anderer Variabilitätsformen, wenn beispielsweise Versuchsteilnehmer die Anwendung einer bestimmten Strategie verfestigt haben und in der Nähe ihres Leistungsmaximums sind. Schließlich bezeichnen zeitliche Verknüpfungen Zusammenhänge zwischen zwei oder mehr Verarbeitungsformen in oder zwischen Funktionsbereichen, wie gleichzeitige Kovariation, lead–lag-Beziehungen und Synchronisation in gleichen, verschiedenen, oder hierarchisch gegliedertern Zeitskalen. Nach der DYNAMICS-Studie (im November 2005 beendet), ist COGITO, eine weitere große Studie, durchgeführt worden, um diese Themen zu untersuchen.

Sofja-Kovalevskaja-Forschungsgruppe

Sofja Kovalevskaja
Martin Lövdén erhielt 2006 den Sofja-Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Preis in Höhe von einer Million Euro ermöglicht es jungen Wissenschaftlern aus dem Ausland, ihre eigenen Forschungsgruppen an einer deutschen Universität oder außeruniversitären Forschungseinrichtung ihrer Wahl zu etablieren. Die Förderung läuft vier Jahre (2007–2010).
 

Literatur

Lövdén, M., Bäckman, L., Lindenberger, U., Schaefer, S., & Schmiedek, F. (2010). A theoretical framework for the study of adult cognitive plasticity. Psychological Bulletin, 136, 659–676. doi: 10.1037/a0020080

Schmiedek, F., Bauer, C., Lövdén, M., Brose, A., & Lindenberger, U. (2010). Cognitive enrichment in old age: Web-based training programs. GeroPsych, 23, 59–67. doi: 10.1024/1662-9647/a000013

Schmiedek, F., Lövdén, M., & Lindenberger, U. (2009). On the relation of mean reaction time and intraindividual reaction time variability. Psychology and Aging, 24, 841–857. doi: 10.1037/a0017799

Schmiedek, F., Lövdén, M., & Lindenberger, U. (2010). Hundred days of cognitive training enhance broad cognitive abilities in adulthood: Findings from the COGITO study. Frontiers in Aging Neuroscience, 2: 27. doi: 10.3389/fnagi.2010.00027