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Entscheiden im realen Leben

Die Konzepte der Begrenzten, Ökologischen und der Sozialen Rationalität erläutern, wie das Verhalten von Menschen und Tieren aus dem Zusammenspiel von Umwelt und kognitiven Prozessen resultiert.

Unsere Untersuchungen finden nicht nur im Labor statt, sondern auch im realen Leben. Wir konzentrieren uns auf Bereiche der Medizin, Justiz, Wirtschaft und Politik, in denen tägliche Entscheidungen auf Grund ihrer Tragweite besonders riskant sind. Risiken sind statistische Informationen, die beschreiben, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Ereignis eintritt. Leider haben die meisten Menschen, Experten eingeschlossen, Probleme, statistische Informationen zu verstehen.

Um die Risikokompetenz bestimmter Berufsgruppen wie Ärzten, Richtern, Journalisten sowie Patienten, Schülern und der allgemeinen Bevölkerung zu erhöhen, halten wir Vorträge und Seminare über Risikokommunikation und Entscheidungsfindung bei Ungewissheit.

Was ist der Nutzen der Krebs-Früherkennung?

Krebsfrüherkennung
© Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen statistische Informationen verstehen, wenn diese in den Formaten kommuniziert werden, die in der Umwelt vorkommen und daher leicht kognitiv verarbeitet werden können (absolute Zahlen mit Referenzklassen). Leider werden Risiken oft in anderen, nur schwer verständlichen Formaten kommuniziert (relative Prozentangaben).

Nehmen wir an, eine Frau möchte sich für oder gegen die Teilnahme an der Brustkrebs-Früherkennung durch Mammografie entscheiden. Dazu sollte die Frau den Nutzen der Mammografie sowie mögliche Nebenwirkungen (z.B. Überbehandlung) verstehen und abwägen können. Unsere Forschung hat gezeigt, dass europäische Frauen den Nutzen der Mammografie dramatisch überschätzen. Warum?

In vielen Gesundheitsbroschüren kann man lesen, dass dank der Mammografie 20% weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Doch worauf beziehen sich diese 20%? Studien haben gezeigt: Ohne Mammografie sterben 5 von 1.000 Frauen, mit Mammografie 4 von 1.000 Frauen an Brustkrebs. In relativen Zahlen entspricht diese Reduktion der Brustkrebssterblichkeit von 5 auf 4 von 1.000 Frauen 20% (1 von 5 Frauen). Das heißt, die absolute Risikoreduktion durch Mammografie um 1 von 1.000 Frauen erscheint unrealistisch groß, wenn sie in relativen Prozentangaben kommuniziert wird.

Weitere Informationen (English only)

Neuerscheinungen

Gigerenzer, G., & Gray, J. A. M. (Eds.), (2011), Better doctors, better patients, better decisions: Envisioning healthcare in 2020. Cambridge: MIT Press.